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81 Jahre Unterschied: Das besondere Schachduell zwischen Selina Racky (13) und Ines Ludwig (94)

Die Spielerinnen protokollieren alle eigenen Züge sowie die des Gegenübers ganz genau mit, so ist es die Regel.

Die gleiche Sportart, die gleiche Begeisterung, aber es gibt keinen anderer sportlichen Wettkampf mit einem so großen Altersunterschied zwischen den beiden Widersacherinnen. 81 Jahre trennen Selina Racky und Ines Ludwig im Gasthaus Höhensteiger in Westerndorf St. Peter bei der bayerischen Einzel-Meisterschaft im Schach.

Rosenheim – Mitten unter der bayerischen Schach-Elite kämpfen zwei ganz besondere Damen im Gasthaus Höhensteiger in Westerndorf St. Peter mit um den Titel. Das Bemerkenswerte ist, dass zwischen der jüngsten Teilnehmerin, der 13-jährigen Selina Racky (SG Vogtareuth-Prutting), und der ältesten Teilnehmerin, der 94-jährigen Ines Ludwig (SC Noris-Tarrasch Nürnberg), sage und schreibe 81 Lebensjahre liegen. Die OVB-Sportredaktion hat vor dem gemeinsamen Duell mit beiden gesprochen.

Wie sind Sie beide zum Schachspiel gekommen und wann?

Racky: Ich habe mit neun angefangen zu spielen. Mein Vater hat es mir so ein bisschen beigebracht. Dann hatten wir in der Schule ein Turnier, bei dem nur Jungen mitgespielt haben, da wollte ich dabei sein und denen mal zeigen, dass ich das auch kann.

Ludwig: So richtig angefangen mit dem Schach habe ich mit 60. Mit neun haben wir Schach gespielt wie Mensch-ärgere-dich-nicht, wir hatten ja kein Fernsehen. Aber die Eröffnungen und Spielzüge habe ich dann erst später im Verein gelernt. Die Sendung „Spiel ohne Grenzen“ hat mich damals dazu gebracht, noch in einen einzutreten.

Gibt es einen Erfolg, auf den Sie besonders stolz sind?

Ludwig: 1991 bin ich bayerische Meisterin geworden, das war klasse. 2017 bin ich auf den dritten Platz gekommen, das freut mich genauso.

Racky: Vor zwei Jahren habe ich die Jugend-Kreismeisterschaft gewonnen, das war bis jetzt das Größte. Und ich freue mich immer, wenn ich wenn ich gegen Jemanden gewinne, der eigentlich stärker ist als ich.

Ines Ludwig (94) und Selina Racky (13) (rechts) sind sich, so unterschiedlich sie sein mögen, einig, wenn’s um Mode geht und zufällig im Partnerlook erschienen. Hier konzentrieren sie sich bereits vor der Eröffnung ihrer Partie. Karrasch

Gibt es einen Lieblings-Spielzug oder eine Lieblings-Eröffnung die Sie spielen?

Ludwig:Ja, aber das werden wir jetzt hier natürlich nicht verraten. Darüber können wir vielleicht nachher noch einmal reden (lacht).

Racky:Klar gibt es ein Spezialspiel, aber das ist harte Arbeit und da lässt man sich nicht in die Karten schauen.

Was erwarten Sie sich denn von der Gegnerin?

Ludwig: Ich freue mich einfach über Nachwuchs, der sich was traut. Gerade junge Mädchen gibt es im Schach wenige. Wir Alten sagen immer, wir können noch, aber bei der Jugend heißt es, ich kann schon. Ich bin gespannt, wie es läuft.

Racky: Ich erwarte mir eigentlich nichts Bestimmtes. Ich hoffe, es wird eine schöne Partie.

Selina, gibt es etwas, das Sie gerne von Frau Ludwig mit all ihrer Erfahrung wissen möchten?

Racky:Was war denn der berühmteste Schachspieler, den Sie je getroffen haben?

Ludwig:Gegen Schach-Weltmeister und Großmeister Michail Tal habe ich mal bei einem Turnier in Moskau gespielt. Das war schon sehr besonders.

Nach dem eigenen Zug wird auf die Uhr getippt und die Bedenkzeit der Gegnerin beginnt zu laufen.

Frau Ludwig, gibt es Etwas, das Sie ihrer jungen Kollegin gern mit auf den Weg geben würden?

Ludwig: Sich nicht ärgern, wenn man verloren hat. Das ist ganz wichtig. Das hätte ich gerne selbst geschafft. Aber letztes Jahr bin ich bei einem Senioren-Turnier Letzte geworden und da habe ich mich so geärgert. Ich wollte mit Allem aufhören und gar keine Turniere mehr spielen. Hat aber nicht mal ein Jahr lang gehalten. Also ärgern ist ein Fehler. Vom Verlieren lernt man am meisten. Das sollte man sich wirklich zu Herzen nehmen. Und diese Lust am Spiel, die darf man nicht verlieren über die ganze Arbeit, die Schach ist. Und auch nicht so verbissen sein. Ich habe Eröffnungen lange gelernt wie eine Sprache, aber das ist so schwierig. Ich schaue jetzt keine Großmeisterspiele mehr an, da lerne ich nichts. Ich kann einfach nicht acht oder neun Züge vorausdenken, das ist mir zu hoch.

Gibt es Ziele, die Sie sich noch vorgenommen habt?

Racky: Ich habe gemerkt, dass es für mich besser ist, in Etappen zu denken, sonst bin ich schnell enttäuscht. Ich setzte mir immer kleinere Ziele, die in der Nähe sind, wie jetzt bei der „Bayerischen“ gut abzuschneiden. Dann vielleicht zur deutschen Meisterschaft fahren zu dürfen. Aber ganz langfristig würde ich gerne professionell Schachspielen oder als Trainerin arbeiten.

Ludwig: Ich habe mir nichts mehr vorgenommen. Mein Leben war wirklich schön und ich bin froh, dass ich immer noch das machen kann, was mir Spaß macht. Da wären größere Ziele fast vermessen. Ich bin einfach dankbar.

Die Partie endete – nachdem es lange nach einem Remis ausgesehen hatte – mit einem Sieg von Ines Ludwig.

Interview: Alexandra Karrasch

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