Ein Torwart-Riese mit Hang zur Perfektion – Torhüter Jonas Stettmer wechselt zu Starbulls

Jonas Stettmer stand unter anderem mit Nationalgoalie Timo Pielmeier (links) im Team: „Da achtet man auf alles, was er macht.“
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Jonas Stettmer stand unter anderem mit Nationalgoalie Timo Pielmeier (links) im Team: „Da achtet man auf alles, was er macht.“

Straubing, Regensburg und Ingolstadt – das sind die bisherigen Stationen im Eishockey-Leben des 18-jährigen Jonas Stettmer. Nun kommt mit Rosenheim ein weiterer bayerischer Standort hinzu, denn der junge Torhüter wird dank der Kooperation mit Ingolstadt aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mittels Förderlizenz auch für die Starbulls Rosenheim in der Oberliga spielen.

Rosenheim/Ingolstadt – Straubing, Regensburg und Ingolstadt – das sind die bisherigen Stationen im Eishockey-Leben des 18-jährigen Jonas Stettmer. Nun kommt mit Rosenheim ein weiterer bayerischer Standort hinzu, denn der junge Torhüter wird dank der Kooperation mit Ingolstadt aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mittels Förderlizenz auch für die Starbulls Rosenheim in der Oberliga spielen.

Beim Interview hatte die OVB-Sportredaktion mit Stettmer einen aufgeweckten jungen Mann am Telefon, der zielstrebig seinen Weg nach oben im Visier hat. Stettmer, der in jungen Jahren vom ehemaligen DEL-Goalie Mike Bales herangeführt wurde („Er hat viel mit mir trainiert, ihm gebührt ein großes Dankeschön“), erzählt im kurzweiligen Gespräch, warum er beim Schuhkauf Probleme hatte, weshalb er sich gerade auf die Spiele gegen Passau besonders freut und warum davon abzuraten ist, ihn vor einem Spiel anzusprechen.

Sie sind mit dreieinhalb Jahren schon auf Schlittschuhen gestanden.

Jonas Stettmer: Mit meinen Eltern und dem Bruder war ich schon immer beim öffentlichen Eislauf, das hat mir damals schon getaugt. Mein älterer Bruder hatte schon das Eishockeyspielen angefangen, das wollte ich dann auch. Deshalb bin ich mit vier Jahren in Straubing in die Laufschule.

Begonnen haben Sie dann aber als Feldspieler, oder?

Stettmer: Als es dann die ersten Mannschaften gegeben hat, wurde ich dazu verdonnert, ein Jahr im Feld zu spielen. Aber in diesem Jahr hatte ich schon den Drang, als Torwart aufzulaufen.

Sie sagten gerade „verdonnert“ – war es denn so schlimm?

Stettmer: (lacht) Ich wollte von der ersten Sekunde an unbedingt ins Tor. Das eine Jahr als Feldspieler war für mich persönlich schon schlimm, ja.

Warum lässt man sich als junger Bursche die harte Scheibe auf den Körper knallen?

Stettmer: Gute Frage. Ich glaube, man muss einfach dafür geboren sein. Torhüter sind speziell und wir bleiben es auch für immer. Das muss man schon mögen!

Den Torhütern wird ja oft nachgesagt, dass Sie irgendeine Macke haben. Wie ist das bei Ihnen?

Stettmer: Ich bin sehr ehrgeizig und ein schlechter Verlierer. Und dann gibt es die Sachen, die man als Torhüter vor dem Spiel so als Spinnereien hat.

Um was handelt es sich da?

Stettmer: Ich mag es gar nicht, wenn mich die Leute vor dem Spiel anquatschen. Da bin ich im Tunnel. Also, die letzten Jahre hat vor den Spielen kein Mensch mehr mit mir gesprochen.

Sie sind 1,94 Meter groß. Wie kommt man da schnell nach unten – und vor allem schnell wieder hoch?

Stettmer: Dafür braucht es viel Athletiktraining und den Spielstil, den ich spiele. Dass man sich kleiner macht und die Größe dann im Butterfly aktivieren kann.

In der U17 des EV Regensburg waren Sie noch mit 1,60 Metern Körpergröße gelistet.

Stettmer: Als ich nach Ingolstadt gewechselt bin, bin ich rasend in die Höhe geschossen. Das war der Wahnsinn. Meine Eltern und ich sind beim Schuhkauf nicht mehr hinterhergekommen. Jetzt finde ich es gut, diese Größe zu haben.

Sie waren in Ingolstadt gemeinsam mit den Fußballern vom FC 04 im Internat. Sind die Kicker anders?

Stettmer: Ja, absolut. Da sind vom athletischen und von menschlichen her zwei Welten aufeinandergeprallt. Das sind zwei absolut unterschiedliche Seiten.

Wer sind denn die wilderen Jungs?

Stettmer: (lacht) Definitiv die Eishockeyspieler. Man muss früh seine Prinzipien festlegen und auch die Schule gut organisieren. Partymachen, Fortgehen, Trinken – das fällt alles komplett weg, wenn man sich für diesen Weg entscheidet. Aber das geschieht ja alles freiwillig. Und wenn man diesen Weg gehen will, dann muss man das auch so durchziehen.

Als Straubinger also auch kein Gäubodenfest!

Stettmer: Dort war ich die letzten vier Jahre nicht mehr. Im letzten Jahr bin ich vorbeigefahren, als wir in Straubing den Gäuboden-Cup gespielt haben.

Fällt Ihnen der Verzicht schwer?

Stettmer: Wenn man – speziell zur Gäubodenzeit – zweimal auf dem Eis und noch einmal im Kraftraum steht und du siehst, dass deine Freunde unterwegs sind und miteinander Spaß haben, dann überlegt man sich das schon. Aber wenn man dann aufs Eis geht und dort Erfolg hat, dann macht es das Alles hundertmal besser. Das ist meiner Meinung nach viel, viel mehr wert als jedes Feiern.

Sie sind der erste Spieler der Ingolstädter Franchise-Geschichte, der aus dem eigenen Nachwuchs heraus einen Profivertrag erhalten hat. Was bedeutet das für Sie?

Stettmer: Es ist eine Riesenehre und eine Riesenchance, die mir da gegeben wird. Dafür bin ich dem ERC sehr dankbar. Aber ich denke, dass ich in den letzten Jahren im Nachwuchs sehr gut gespielt und deshalb auch bewiesen habe, dass ich das Zeug dazu habe und die Leistung auch bringen kann. Und jetzt gehen wir zusammen diese Schritte weiter.

In der vergangenen Saison hatten Sie mit Timo Pielmeier und Jochen Reimer zwei Nationaltorhüter im Team. Was haben Sie von beiden gelernt?

Stettmer: Viel. Vor allem ihre Erfahrungen, wie man ein Spiel liest oder eine Spielsituation erkennt. Wir haben oft über Spiele und Gegentore gesprochen und sind bei Videoanalysen beisammen gesessen. Beide haben mir viele Tipps gegeben. Schon alleine die Erfahrung, die beide ausstrahlen, ist einfach der Wahnsinn. Da achtet man auf alles, was die zwei machen.

Sie haben aber nicht nur zugeschaut, sondern hatten auch ihren ersten DEL-Einsatz über zehn Minuten gegen Wolfsburg. Ein knappes halbes Jahr später: Was fällt Ihnen spontan noch ein?

Stettmer: Ich kann mich noch exakt daran erinnern. Die ersten Sekunden nach der Verletzung von Timo war ein Schock für uns alle und ich habe eigentlich gar nicht realisiert, dass ich jetzt ins Tor muss. Und dann kam irgendwann das Signal vom Trainer, dass ich mich anziehen soll – und bei mir war gefühlt erst einmal Herzstillstand! Natürlich war ich nervös, aber die Mitspieler haben mich aufgemuntert und die Fans angefeuert – und irgendwie kommt man dann in die Routine rein.

Wenn ein DEL-Stürmer abschließt, dann ist das für einen DNL-Torhüter aber noch keine Routine!

Stettmer: Das ist schon ein Unterschied. Manchmal nicht unbedingt von der Geschwindigkeit her, aber von der Erfahrung und Schlitzohrigkeit der Spieler. Die schauen und wissen, wie sich ein Torhüter bewegt, und schießen auch aus allen Lagen.

Sie haben erzählt, dass Sie sich Ihren Einsatz später noch einmal angeschaut haben. Allerdings nicht mit großem Stolz, sondern zur Analyse der Fehler. Ist das noch Ehrgeiz oder schon Verbissenheit?

Stettmer: Beides. Mir hatten im Spiel schon einige Situationen nicht gepasst, wie ich die Pucks abgewehrt habe. Ich wollte sehen, was ich gut gemacht habe und was ich besser machen kann. Es waren zwar bloß zehn Minuten, aber auch daraus habe ich schon viel gelernt.

Der neue Starbulls-Torhüter privat: Jonas Stettmer genießt die Ruhe am Meer. Momente für sich braucht er auch kurz vor einem Spiel.

Sie werden nun auch für die Starbulls auflaufen. Was sind Ihre Erwartungen bezüglich Rosenheim und Ihrer Entwicklung?

Stettmer: Ich will in der Oberliga Spielpraxis und Erfahrungen sammeln und dort erfolgreich sein. Was ich mitbekommen habe, werden wir in Rosenheim eine super Mannschaft haben.

Sie treffen bei den Starbulls mit Andi Mechel auf einen erfahrenen und mit Marinus Schunda auf einen gleichaltrigen Goalie. Keine schlechte Mischung, oder?

Stettmer: Ein erfahrener Torhüter, mit dem man sich austauschen kann, und junge Torhüter, die Energie ins Team bringen. Das ist perfekt, finde ich.

Das ist einer der besten Torhütertrainer, mit dem ich je zusammengearbeitet habe. Wir stehen auch jetzt schon wieder in Kontakt und ich freue mich richtig darauf, wieder mit ihm zu arbeiten.

Haben Sie ein Vorbild?

Stettmer: Aus Amerika Marc-Andre Fleury, von dem ich auch ein Trikot mit Unterschrift und Widmung habe. Das ist der Torhüter, den ich besonders stark anschaue.

Sie haben vergangene Saison in der DNL mit Ingolstadt gegen Rosenheim gespielt. Wie waren die Duelle damals?

Stettmer: Es waren immer sehr enge, spannende Kämpfe und gute Spiele. Es hat Spaß gemacht, weil Rosenheim eine super Truppe war.

In Ingolstadt waren Sie auch öfter mit den kleinen Kufenflitzern auf dem Eis. Machen Sie das in Rosenheim auch?

Stettmer: Wenn ich die Möglichkeit und die Erlaubnis von den Starbulls bekomme, dann möchte ich das dort auch machen. Es macht mir einfach Spaß, mit den Kindern zu trainieren.

Es war schon einmal ein Straubinger als Förderlizenzspieler in Rosenheim: Stefan Loibl – und der ist mittlerweile Nationalspieler!

Stettmer: Ich kenne den Stefan mittlerweile auch schon ewig. Er hat mir viel von Rosenheim erzählt und fand es damals super-schön, bei den Starbulls zu spielen. Das sind natürlich super Voraussetzungen und es würde mich freuen, wenn das bei mir dann genau so klappt.

Die BlackHawks Passau sind in die Oberliga aufgestiegen, dort spielt Ihr älterer Bruder Lukas in der Verteidigung. Blüht der Flachs untereinander schon?

Stettmer: (lacht) Ja, es geht schon so richtig Hin und Her. Das wird für uns zwei ein ganz großes Spiel, wir spielen das erste Mal gegeneinander. Da sind wir beide schon megaheiß drauf.

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