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Harte Hand, klare Kante, feiner Humor

Ein Leben für den regionalen Fußball: Der Rosenheimer Armin Bernard feiert 80. Geburtstag

Armin Bernard ist nicht immer ein „Grantler“.
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Armin Bernard ist nicht immer ein „Grantler“.
  • Thomas Neumeier
    VonThomas Neumeier
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  • Hans-Jürgen Ziegler
    Hans-Jürgen Ziegler
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„In seiner Zeit Anfang der 70er-Jahre bis Ende der 80er war er ein Technischer Leiter beziehungsweise Sportmanager der Extraklasse“, sagt Peter Wimmer über den Rosenheimer Fußball-Funktionär Armin Bernad. Der feiert am Mittwoch, 19. Januar seinen 80. Geburtstag.

Rosenheim – Die einen kennen Armin Bernard als langjährigen Funktionär der Fußballer vom TSV 1860 Rosenheim, vielen ist er als „Mister Sparkassenpokal“ und Unterstützer des Futsals bekannt, ein Großteil der einheimischen Fußballer von der Kreisliga abwärts haben mit Armin Bernard als Spielleiter das „Vergnügen“ gehabt.

„Ned gschimpft is globt gnua“

In allen Fällen hat der Rosenheimer Fußball-Funktionär mit harter Hand regiert und seine Meinung deutlich und mit Nachdruck zum Ausdruck gebracht. Am 19. Januar wird der „ewige Sechziger“ 80 Jahre alt und einige Menschen, die ihn auf seinem Weg begleiteten, erzählen wie sie Armin Bernard erlebt haben.

Der „Mister Sparkassepokal“ Armin Bernard feiert am Mittwoch seinen 80. Geburtstag. Links der damalige Raublinger Torhüter und Vertreter der Sparkasse Rosenheim Uli Maier

Einer davon ist Peter Wimmer, der das „Sechziger-Urgestein“ seit 52 Jahren kennt. „Armin ist ein leidenschaftlicher, korrekter, intelligenter und sehr vielseitiger Mensch. In seiner Zeit Anfang der 70er-Jahre bis Ende der 80er war er ein Technischer Leiter beziehungsweise Sportmanager der Extraklasse, quasi der Uli Hoeneß der 70er.“ Peter Wimmer, der unter Armin Bernard auch Trainer bei 1860 Rosenheim war, sagt über den besonderen Stil von Bernard, seine Meinung klar zum Ausdruck zu bringen: „Ned gschimpft is globt gnua. Dieser bayerische Spruch definiert ihn perfekt.“ Sein herzliches Granteln gab er auch 14-tägig in der 60er-Stadionzeitung als Grantler „Xaverl“ zum Besten.

Ein leidenschaftlicher Sammler

„Für mich unvergesslich ist das nächtelange Schafkopfen mit ihm. Armin ist eine wahre Schafkopfmaschine. Dass er auch bekennender Fan des 1. FC Nürnberg ist und stolz die dunkelroten Farben des ,Clubberer‘ vertritt, brachte ihm nicht selten Spott ein“, erinnert sich Peter Wimmer, der Bernard als Typen mit vorbildlicher Einstellung und Leidenschaft beschreibt.

Wenn die DJ’s im Bus Country und Volksmusik spielen

Leidenschaftlich sammelt Bernard auch Wimpel, Anstecknadeln und Country LP’s. Mit dieser Art von Musik mussten die Rosenheimer Sechziger-Spieler Anfang der 80er-Jahre, als es noch keine Walkman, Discman geschweige denn Handys mit Kopfhörer gab, bei Auswärtsfahrten leben – und danach mehr oder weniger gut spielen. Als DJ’s wie man sie heute nennen würde, fungierten Busfahrer Dieter Heide und eben Armin Bernard. Gespielt wurden Country, Schlager und Volksmusik. „Dass wir damals nach teilweise fünfstündiger Anfahrt zu den Bayernliga-Auswärtsspielen überhaupt noch aus dem Bus aussteigen konnten, war ein Wunder“, erklärte der heutige OVB-Sportchef und damalige Sechziger-Spieler Hans-Jürgen Ziegler. Fast obligatorisch war auf den Fahrten in den Norden Bayerns der Halt zum Mittagessen rund um Nürnberg – Bernard ließ sich dann stets das geliebte „Schäufele“ servieren.

Nach dem Aufstieg: Zu Fuß von Ottobrunn nach Rosenheim

An viele gemeinsame Mannschaftsausflüge und -abende, mitorganisiert von Armin Bernard erinnert sich Anderl Hümmer, ehemaliger Sechziger-Kapitän und ebenfalls in der Vorstandschaft tätig: „Bei einer Silvesterfeier 1976 auf dem Wendelstein haben wir uns geschworen, dass wir, falls wir Meister werden und aufsteigen, von der Stadt des Vizemeisters nach Rosenheim marschieren. Auf dem zweiten Platz war lange Zeit Nördlingen, das Gott sei Dank von Ottobrunn noch abgefangen wurde“. Mit Leiterwagerl, Brotzeit und Getränken ausgestattet startete der Sechziger-Tross als Bayerliga-Aufsteiger im Sommer – angeführt von Armin Bernard – in den Abendstunden von Ottobrunn nach Rosenheim – mit kurzem Stopp in den frühen Morgenstunden in Kolbermoor bei Sponsor und Manager Rüdiger Feßler.

Beim Schafkopfen nicht immer gleicher Meinung

Das Schafkopfen, eine große Leidenschaft von Armin Bernard, begleitet ihn noch heute. Regelmäßig spielt er zusammen mit Peter Holzapfel, Richard Neumeier und Hans Klinger beim Höhensteiger in Westerndorf. Die drei Mitspieler haben natürlich einige Anekdoten parat: „Acht Stunden wie früher hält der Armin nicht mehr durch, aber vier Stunden kommen schon noch zusammen. Es macht nach wie vor großen Spaß, auch wenn der Armin und ich nicht immer gleicher Meinung sind,“ sagt Hans Klinger, der als ehemaliger Abteilungsleiter von 1860 Rosenheim zwar nie mit Bernard zusammengearbeitet hat, aber natürlich seine Qualitäten kennt: „Armin ist seit 1969 in den verschiedensten Funktionen beim Verein tätig und kennt den Verein in- und auswendig. Er ist ein verlässlicher, aber auch kritischer Zeitgenosse, der nie jemandem nach dem Mund geredet hat, gleichzeitig aber auch andere Meinungen gelten lässt. Außer vielleicht beim Schafkopfen“, sagt Hans Klinger mit einem Lächeln.

„Kategorisch die Freigabe verweigert“

Richard Neumeier hatte mit Bernard zunächst in heikleren Situationen zu tun, schließlich wirkte er beim Stadtrivalen Sportbund. „Bei Spielerwechseln hat er zunächst mal kategorisch die Freigabe verweigert. Ein paar Tage später haben wir uns aber immer geeinigt.“ Einmal nicht: „Da sind drei hochkarätige Sechziger-Spieler bei mir im Garten gesessen und haben über ihren Wechsel verhandelt. Blöd war nur, dass das Nachbarhaus in Besitz der Familie von Armin Bernard war, er genau zu diesem Zeitpunkt seine Schwiegermutter besucht und uns vom Balkon aus zurechtgewiesen hat“, lacht Neumeier, der erklärt, dass sich die Nachbarschaft in den vielen Jahren vertieft hat. „Wir hatten viele gemeinsame Zusammenkünfte mit Spaß und natürlich dem Fußball als Hauptthema.“

Nürnberg-Fan gegen Bayern-Fan

Auch im Dienst hatte der Fußball eine Rolle gespielt. Das weiß Peter Holzapfel am Besten, denn: „Den Armin habe ich im Herbst 1966 im Rahmen meiner Ausbildung im Arbeitsamt kennengelernt. Für mich waren Freitag und Montag morgens am lustigsten, da er als Clubberer mit seinem Kollegen Sepp Feuersinger, bekennender Bayern-Fan, ständig kontrovese Diskussionen hatte. Letztlich durfte ich durch ihn mich beim Fußball anmelden, da er im Jahr 1969 im Arbeitsamt eine Fußballmannschaft gründete.“ Und da schlug Bernard bei den bayerischen Arbeitsamt-Meisterschaften als „Deckel-Klau“ zu.

Oft mit kritischem Blick: Armin Bernard.

„Bei den Siegerehrungen ist es ja Tradition gewesen, dem Gegner den Deckel vom Pokal zu klauen, damit der dann gegen ein paar Maß Bier wieder ausgelöst wird. Mit den Münchnern konnte er sich nicht über eine passende Auslöse einigen, was ein paar Tage später dazu führte, dass der Präsident des Landesarbeitsamtes eine Beschwerde an den Rosenheimer Direktor richtete“, erzählt Holzapfel, der später gemeinsam mit Bernard als Turnierleiter den Sparkassenpokal organisierte.

Hochzeit kein Grund für eine Spielverlegung

Seine Spuren hat Bernard aber nicht nur im Amt und bei 1860 Rosenheim hinterlassen, sondern auch im Bayerischen Fußball-Verband. Michael Baumann, heute Kreisvorsitzender Inn/Salzach folgte ihm als Gruppenspielleiter Chiem. Bei der Übergabe gab ihm Bernard seine konsequente Art mit auf den Weg: „Er sagte ,Du wirst sehen: unterm Jahr werden es einige Vereine kurzfristig probieren, ihre Spiele aufgrund von Hochzeit zu verlegen. Das ist kein Grund, um ein Spiel zu verlegen. Die Spieler, die am Wochenende heiraten, wissen das nicht erst eine Woche vorher“, erinnert sich Baumann. Und es war in der Tat so, dass ihm dann einige Vereine bestätigten: „Beim Armin hätte ich wegen einer Taufe oder einer Hochzeit nicht wegen einer Verlegung anfragen brauchen. Des hätte er uns nie verlegt...“

Michael Baumann ist aber anderes wichtig, was alle Befragten und Gratulanten bestätigen können: „Ich habe den Armin als einen engagierten Menschen kennengelernt, dem der Fußball in der Region sehr am Herzen liegt.“

Sein erstes Amt in der Saison 1968/1969

Sein erstes Amt hatte Armin Bernard 1968/69 als Spielführer der Reserve bei 1860 Rosenheim, zugleich wurde er 3. Abteilungsleiter – und ein Jahr später bereits zum Technischen Leiter berufen. „Ich habe mich um alles gekümmert, was mit dem Verband zu tun hatte, dazu die Organisation bei Heim- und Auswärtsspielen erledigt“, erzählt Bernard. Dabei fällt ihm gleich ein „großer Fehler“ ein: „In Gundelfingen sind wir mal ohne Stutzen dagestanden und mussten uns welche vom Gegner leihen.“

Größter Trainertransfer in dieser Zeit: Roland Hattenberger

Den größten Trainertransfer nannte Armin Bernard (Bildmitte) die Verpflichtung des ehemaligen österreichischen Nationalspielers Roland Hattenberger (links). Rechts der damalige Sechziger-Kapitän Hans-Jürgen Ziegler.

Bis 1992 war er bei den Sechzigern in Amt und Würden, zwischenzeitlich auch als Abteilungschef. „Dann ging ich beruflich in den Osten Deutschlands und konnte 600 km weg die Verantwortung nicht mehr übernehmen“, sagt Bernard, der als größten Trainertransfer in dieser Zeit Roland Hattenberger nennt. Bei den Spielertransfers fällt ihm spontan Hans Bürger ein. „Der ist aus der C-Klasse gekommen und wurde Torjäger in der Landesliga, damals die vierte Spielklasse. Das hatte keiner erwartet und darauf bin ich sehr stolz“, so Bernard.

Später übernahm er für den Bayerischen Fußball-Verband (BFV) die Gruppenspielleitung Chiem, trieb den Hallenfußball-Sparkassenpokal als Turnierleiter zu immer neuen Zuschauerrekorden und wurde Futsal-Beauftragter in Bayern. „Ich hatte zunächst gar nicht gewusst, was Futsal ist“, sagt er – und wurde wenig später zum Futsal-Sprecher aller Landesverbände im Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Zum Ehrenspielleiter ernannt: „Den Tränen nahe“

Aus der Region kurbelte er Futsal an: Kolbermoor wurde dreimal bayerischer Meister, in der Gruppe Chiem existierte ein Spielbetrieb mit drei Ligen sowie Auf- und Abstieg. „Das hatte sonst keiner in Deutschland“, sagt er stolz. Nach acht Jahren warf er aber hin, weil ihm die Unterstützung des BFV fehlte. Da verabschiedete sich Bernard nur kurz, der Abschied als Gruppenspielleiter fiel nach zwölf Jahren deutlich emotionaler aus. „Das war das tollste Erlebnis“, merkt er an: Die Vereine bereiteten ihm ein Geschenk und der Kreis Inn/Salzach ernannte ihn zum Ehrenspielleiter : „Da war ich den Tränen nahe“, bekennt Bernard ganz gerührt.

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