Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Robl, Wirkner, Heller und Haas erzählen vom „Bomber“

„Ehrlich und anständig“: Fußball-Größen aus der Region erinnern an Gerd Müller

Europapokalsieger: Hugo Robl (vorne, 4. von links) war in der glorreichen Zeit der 70er-Jahre beim FC Bayern mit Gerd Müller (hinten, 4. von rechts) im Team.
+
Europapokalsieger: Hugo Robl (vorne, 4. von links) war in der glorreichen Zeit der 70er-Jahre beim FC Bayern mit Gerd Müller (hinten, 4. von rechts) im Team.
  • Thomas Neumeier
    VonThomas Neumeier
    schließen

Der Tod von Gerd Müller hat seine ehemaligen Teamkollegen oder Nachwuchsspieler berührt. Hugo Robl, Werner Wirkner, Florian Heller und Leo Haas erzählen Anekdoten vom „Bomber der Nation“.

Rosenheim/München – Die Nachricht vom Tod von Gerd Müller hat auch bei seinen ehemaligen Teamkollegen oder Nachwuchsspielern für Bestürzung gesorgt. „Ich empfinde eine große Trauer“, sagt Hugo Robl, sein früherer Mitspieler beim FC Bayern in den 70er-Jahren. „Die Nachricht ist nicht spurlos an mir vorbei gegangen“, meint 1860 Rosenheims Trainer Florian Heller, der bei den Bayern-Amateuren spielte, als Müller dort als Co-Trainer von Hermann Gerland tätig war.

Florian Heller spielte unter Gerd Müller bei den Bayern-Amateuren.

Natürlich war bei dem Krankheitsverlauf irgendwie schon damit zu rechnen, dass Deutschlands größter Torjäger wohl auch etwas früher die Welt verlassen würde. „Jeder, der sich mit der Krankheit befasst, musste damit rechnen“, sagt Leonhard Haas, einst auch als Spieler bei Bayerns Amateuren unter Müller. Und Werner Wirkner, der den „Bomber der Nation“ als A-Junioren-Coach erlebte, meint: „Jetzt hat er seine Ruhe gefunden.“

„Einfach ein herzensguter Mensch“

Was alle Vier eint: Sie sprechen in den höchsten Tönen über den Torjäger, der den FC Bayern zu Meistertiteln und Europacup-Triumphen schoss und Deutschland 1974 zum Weltmeister machte. Wirkner beschreibt ihn als „hilfsbereit, liebevoll, freundlich und lustig – einfach ein herzensguter Mensch“, Heller empfand den Mittelstürmer als „extrem bodenständig und ganz normal“, Haas als „ganz bescheiden und zurückhaltend. Ich mochte ihn.“

Hugo Robl, spätere Torwart-Legende in der drittklassigen Bayernliga bei 1860 Rosenheim, war Müllers Teamkollege: „Er war ehrlich und anständig, ohne große Allüren“, sagt er. Und Robl erinnert sich an seine Anfänge beim FC Bayern im Jahr 1973, als er als junger Torwart in die Star-Truppe kam: „Dem Gerd war das egal, der hat mit dir gesprochen, als ob du schon ewig dabei gewesen wärst“.

Drei Jahre lang war Robl im Bayern-Team, das in dieser Zeit drei Mal hintereinander den Europapokal der Landesmeister – heute die Champions League – gewann. Gerd Müller schoss Tor um Tor, Robl war als Ersatzmann von Sepp Maier immer hautnah mit dabei. „Für den Gerd hat es nichts anderes als Fußball gegeben. Der hat die Tore aus allen Situationen gemacht.“ Und Robl ist sich sicher: „Der Gerd hätte als Spieler heute einen Stellenwert wie Messi. Der Lewandowski bleibt immer dahinter, obwohl er zuletzt den Rekord gebrochen hat.“

„Ich war im Tor und der Gerd war Libero“

Der ehemalige Mannschaftskollege hat Müller aber nicht nur als Stürmer erlebt. „Auf einer Südamerika-Reise haben wir im vollen Maracana-Stadion gegen Fluminense gespielt. Ich war im Tor und der Gerd war Libero. Da hat er überragend gespielt, weil er ein Spiel lesen konnte.“ Wie es ausgegangen ist? „Wir haben jedenfalls nicht verloren.“ Hugo Robl hat in diesen drei Jahren viel mit Müller erlebt, auch dessen Flugangst: „Auf dem Flug nach Japan zu einem Freundschaftsspiel haben wir deshalb die ganze Zeit kein Auge zugemacht und stundenlang gepokert.“

Überhaupt war das Kartenspiel Müllers weitere Leidenschaft. „Der Schafkopf am Freitagabend vor den Punktspielen war legendär. Gerd hat mit großer Leidenschaft gespielt und immer alle Karten gewusst“, erzählt Robl von der Runde mit „dem Gerd, dem Uli, dem Paul, dem Bulle und dem Wipf“ – gemeint sind Müller, Hoeneß, Breitner, Roth und Dürnberger, einer war immer der Ersatzmann. Durfte Robl auch mal an die Karten ran: „Nein, da war ich nur der Kiebitz.“

Leonhard Haas war als Spieler unter Gerd Müller beim FC Bayern.

Müller war ein leidenschaftlicher Tennisspieler

Neben dem Karteln war später der Tennissport ein Hobby von Müller. „Er war ein leidenschaftlicher Tennisspieler“, erzählt Haas, jetzt Trainer bei Regionalligist Wacker Burghausen. Und Heller, mittlerweile als Trainer bei Regionalligist 1860 Rosenheim aktiv, bestätigt dies, als er von einem gemeinsamen Urlaub mit Leo Haas in der Türkei berichtet: „Der Gerd und seine Frau Uschi waren im gleichen Hotel. Wir haben über alte Zeiten gesprochen und viel Tennis gespielt.“ Heller weiß auch noch, dass ihm „das ganze Hotel für Fotos und Autogramme hinterhergerannt ist – und er hat alles geduldig über sich ergehen lassen“.

Werner Wirkner war in Bayerns Jugend unter Gerd Müller.

Als Trainer sei er „fußballerisch von den Emotionen getragen worden“, berichtet Wirkner, später Kapitän bei den Rosenheimer Clubs TSV 1860 und Sportbund, „da hat er schon mal geschimpft“. Bei den Stürmern sei er dann aber wieder voll in seinem Element gewesen, so Wirkner.

Und überhaupt: „Wenn der Bomber etwas gesagt hat, dann haben wir die Ohren gespitzt.“ Aus seiner A-Jugend-Zeit beim FC Bayern berichtet er von einem Turnier in Mexiko mit Spiel im Aztekenstadion. „Wir gehen da raus und haben die Hosen vor Ehrfurcht gestrichen voll und der Bomber steht da und erzählt, von wo damals bei der WM die Flanke gekommen ist, wo er gestanden ist und wie er ihn dann reingemacht hat.“

Aber alles ohne großes Tamtam und Aufheben, sondern einfach ganz normal – einfach Gerd Müller!

Kommentare