Tina Lutz vom Chiemsee Yacht-Club will im dritten Anlauf zu den Olympischen Spielen

Tina Lutz (links) und Susann Beucke nehmen Kurs auf die Olympischen Spiele.

Seglerin Tina Lutz vom Chiemsee Yacht-Club will das Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio lösen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Zusammen mit ihrer Partnerin Susann Beucke erreichte sie bei der 49erFX-Weltmeisterschaft in Neuseeland den fünften Platz.

Wellington– Vor dem letzten Rennen lagen sie sogar noch auf dem Bronzekurs. Nachdem der Start in die letzte Wettfahrt optimal verlaufen war, segelten sie zunächst sogar einen soliden Vorsprung heraus. „Wir sind in einen gefährlichen Vorwindkurs geraten und haben uns überschlagen. Unsere Medaillenchancen waren damit dahin“, schildert die 29-Jährige aus Holzhausen bei Bergen.

Die Medaille war für Lutz zum Greifen nahe

Immerhin konnten sie ihr Boot wiederaufrichten und noch zwei Konkurrenten überholen. So beendeten sie die Abschlusswettfahrt als Achte und die Weltmeisterschaft auf dem fünften Platz. „Die Medaille war zum Greifen nahe. Auf unserem Schiff hat sich nach dem Zieldurchgang dann auch herbe Enttäuschung breitgemacht“, erzählt die Einzel- und Mannschafts-Weltmeisterin in der Nachwuchsbootsklasse Optimist aus dem Jahr 2005.

Allerdings war der Ärger nur von kurzer Dauer, schließlich haben sie durch diese Leistung dafür gesorgt, dass Deutschland für die Olympischen Spiele 2020 in der 49erFX-Klasse einen Startplatz erhält. Nun müssen sich Tina Lutz und Susann Beucke gegen die nationale Konkurrenz durchsetzen, um zu den Olympischen Spielen zu fahren. Derzeit hat das Duo einen Vorsprung von 16 Punkten auf die Konkurrenz. Zwei Hürden müssen noch bewältigt werden: Im Februar die Weltmeisterschaft in Australien und im März ein Europacup auf Mallorca.

Nach EM-Enttäuschung die Reißleine gezogen

Derzeit befinden sie sich mit ihrem Techniktrainer Klaus Lange im Training in Buenos Aires. Ende Januar erfolgt die Anreise nach Australien. Um das Ziel Olympia im dritten Anlauf zu erreichen, haben sich Lutz/Beucke entschlossen, ihr Vorbereitungsprogramm völlig auf den Kopf zu stellen und einen eigenen Weg zu bestreiten. Zu Beginn des Jahres 2019 passten die Ergebnisse nicht, nach dem zwölften Platz bei der Europameisterschaft zogen sie die Reißleine. „Dieser Misserfolg hat uns richtig wütend gemacht. Wir haben beschlossen, keine Erklärungsversuche mehr zu finden“, erinnert sich Lutz.

Ein Herz und eine Seele:Susann Beucke (links) und Tina Lutz sitzen seit zwölf Jahren in einem Boot.

Sie begaben sich auf die Suche nach einem neuen Trainer und trennten sich vom Bundestrainer und dem deutschen 49erFX-Team. „Es hat viel Zeit und Kraft gekostet, uns andauernd mit ihnen vergleichen zu müssen, anstatt sich auf die eigenen Fähigkeiten zu besinnen und diese zu stärken“, so die Seglerin. Durch einen Zufall wurde der Trainer des irischen FX-Teams, Ian Baker, frei. „Glücklicherweise hatte er Interesse, mit uns zu arbeiten, und hat seitdem unseren Trimm völlig auf den Kopf gestellt“, beschreibt Lutz die Zusammenarbeit mit dem Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele 2000 in der 49er-Klasse.

„Mehr trainiert als jemals zuvor“

Aber auch die beiden Sportlerinnen haben einiges umgestellt. Seit August waren sie fast nur auf dem Wasser. „Wir haben mehr trainiert als jemals zuvor. Unser Boot ist komplett optimiert. Wir sind als Team so eng zusammen wie nie zuvor.“ So haben Lutz und die 28-jährige Beucke vom Hannoverschen Yachtclub einen Monat im Campingbus am Gardasee verbracht. „Es gibt keine Garantie dafür, dass wir mit unseren Schritten Recht behalten werden.

Aber das ist die Charakteristik einer Olympia-Kampagne“, gibt Tina Lutz zu bedenken. Die 29-jährige gilt als Kämpferin. „Ich habe gelernt, dass es nach Misserfolgen nicht so einfach ist, wieder aufzustehen. Ich musste erst das Siegen wollen lernen, als Angst vor dem Verlieren zu haben“, sagte sie, nachdem sie 2016 die Olympischen Spiele von Rio verpasst hatten.

Die Formel 1 des Segelsports

Gut zwölf Jahre sitzen Tina Lutz und Susann Beucke zusammen in einem Boot. Die beiden sind grundverschieden. Die blonde Chiemgauerin Tina Lutz ist für ihr lebhaftes Wesen bekannt, die brünette Norddeutsche kann einen kühlen Kopf bewahren, vor allem wenn es brenzlig wird. Sprachlich gibt es keine Probleme. „Die Susann versteht bairisch“, lacht Lutz. Kommunikation ist in der 49erFX-Klasse enorm wichtig, schließlich gilt sie als Formel 1 im Segelsport. Es werden Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h erreicht. „Für so ein Boot braucht es filigranes Segeln, bei Leichtwind muss man aufpassen, dass es nicht wackelt. Wenn du das Boot in ein windstilles Schwimmbecken stellst, würde es umfallen“, erklärt die Steuerfrau.

Um das alles zu beherrschen, müssen die Seglerinnen topfit sein. So hat ihnen der ehemalige Biathlontrainer Wolfgang Pichler aus Ruhpolding die Trainingspläne geschrieben. Als ihr Personal Coach ist der schwedische Biathlon-Nationaltrainer Johannes Lukas für das Duo verantwortlich. Das alles soll Lutz/Beucke im Sommer nach Tokio bringen, schließlich sind aller guten Dinge ja drei.

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