Dressurreiter Benjamin Werndl punktgleich mit Isabell Werth: Schöner Auftakt in schwerer Zeit

Benjamin Werndl und Daily Mirror überzeugten in Hagen mit Spitzenplätzen.

Dressurreiter Benjamin Werndl aus Aubenhausen mit Daily Mirror und Isabell Werth mit Emilio gelang vor kurzem ein seltener Coup. Mit der exakt selben Punktzahl von insgesamt 77,567 Prozent teilten sich die beiden Olympiakaderreiter in Hagen a.T. den Sieg im Grand Prix.

Hagen – Nach seinem geteilten ersten Platz im Grand Prix platzierte sich der Aubenhausener Benjamin Werndl im Grand Prix Special am folgenden Tag gleich zweimal direkt hinter der Siegerin Isabell Werth. Auf Daily Mirror wurde er mit 78,366 Prozent Zweiter und auf Famoso OLD mit 77,582 Prozent Dritter.

„Es herrscht sehr viel Unsicherheit“

„Ich bin froh, dass sich beide Pferde nach der langen Pause so gut gezeigt haben. Es war schön, die anderen Reiter wieder zu sehen und gemeinsam zu starten. Aber bei aller Freude, dass es mit dem Sport langsam wieder losgeht, herrscht sehr viel Unsicherheit“, berichtete der 35-Jährige. Das erste Dressurturnier mit einer Grand Prix-Tour nach mehrmonatiger Wettkampfpause war nur national ausgeschrieben und stand im Zeichen der Corona-Pandemie.

Die Zahl der Teilnehmer war begrenzt. Die Prüfungen fanden im großen Springstadion vor menschenleeren Rängen statt, denn Zuschauer waren nicht erlaubt. Teilnehmer durften nur von maximal zwei Personen begleitet werden. Hygiene- und Abstandsregeln mussten auch im Stall und beim Abreiten penibel eingehalten werden, um ein eventuelles Infektionsrisiko möglichst auszuschalten. Auf die sonst üblichen, feierlichen Siegerehrungen verzichtete man. Stattdessen stellten sich die ersten Drei ohne Pferd, aber mit Mund-Nasen-Schutz zum Siegerfoto auf.

Auch den Reitsport trifft die Krise

Auch den Reitsport trifft die Krise. Wie in zahlreichen anderen Branchen, zum Beispiel in der Kultur oder in der Gastronomie, bangen viele Menschen um ihre Existenz, insbesondere Turnierveranstalter, Berufsreiter, Betreiber von Reitställen und Gestüten sowie die dort Beschäftigten. Die Einnahmen sind teils dramatisch eingebrochen. Dagegen sind die meisten Kaderreiter zwar in einer vergleichsweise komfortablen Position, spüren aber ebenfalls finanzielle Einbußen und müssen hohe laufende Kosten bestreiten.

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Mehr Zeit für die Ausblildung junger Pferde

„Wir sind demütig und versuchen, das Beste aus der Situation zu ziehen. Aber wir machen uns Gedanken, wie es weitergehen wird“, gibt Werndl zu. Immerhin, etwas Gutes können die Aubenhausener der Krise abgewinnen. „Wir haben jetzt mehr Zeit für die Ausbildung der jüngeren Pferde. Wir können an den Lektionen feilen und noch mehr in die Tiefe gehen. Wenn wir Neues ausprobieren, kann es sich nicht beim nächsten Turnier negativ auswirken“, ist sich Werndl mit seiner Schwester, Teamweltmeisterin Jessica von Bredow-Werndl, einig.

Alle Großveranstaltungen sind untersagt

Richtig planen kann die Saison in diesem Jahr keiner. Alle Großveranstaltungen, also auch internationale Reitturniere, sind in Deutschland noch bis zum 31. August untersagt. Die deutschen Meisterschaften in Balve wurden auf September verschoben. Zuvor soll auf Gut Ising am Chiemsee ein Turnier stattfinden, das auch die Werndl-Geschwister gerne zur Vorbereitung nutzen würden.

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