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U25-Dressur-Europameisterschaft bei Budapest

Aubenhausener dominierte die U25-Dressur-EM: Was die Leistung so besonders macht

Raphael Netz, hier bei einem Turnier auf Gut Ising und nicht auf Ferdinand BB reitend, gewann in Ungarn drei Goldmedaillen bei der U25-EM.
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Raphael Netz, hier bei einem Turnier auf Gut Ising und nicht auf Ferdinand BB reitend, gewann in Ungarn drei Goldmedaillen bei der U25-EM.
  • VonSabine Neumann
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Mit einem Pferd, das der Reiter erst seit wenigen Wochen reitet, bei einem Wettkampf anzutreten, ist sehr gewagt. Den Wettkampf sogar zu gewinnen, scheinbar unmöglich. Ein Reiter aus dem Team Aubenhausen hat genau dies aber geschafft und sich so zum U25-Europameister gekürt.

Pilisjászfalu/Aubenhausen – In ein deutsches Dressurteam berufen zu werden, ist schwer genug. Umso bemerkenswerter ist es, wenn in einem Jahr gleich drei Reiter aus einem Ausbildungsstall bei internationalen Championaten Medaillen gewinnen. Im Frühjahr sicherte sich Doppel-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl souverän das Weltcup-Finale.

Benjamin Werndl, ihr Bruder, gewann kürzlich mit Famoso OLD Mannschaftsbronze bei der Weltmeisterschaft in Herning/Dänemark und war Vierter in der Kür. Nun machte Raphael Netz dem Team Aubi alle Ehre. Der 23-Jährige kehrte kürzlich mit drei Goldmedaillen von der U25-Europameisterschaft (EM) bei Budapest/Ungarn nach Aubenhausen zurück. Dass er mit einem neuen Pferd antrat, macht den Erfolg besonders.

Mit einem Top-Pferd zur Titelverteidigung

Während des Telefonats ein paar Tage später sitzt der 23-Jährige auf Exclusive BB. Der zwölfjährige Hannoveraner war Netz‘ Ersatzpferd für die EM. Das Edelmetall gewann sein erfahrenerer und bei den Richtern bekannterer 13-jähriger Stallnachbar Ferdinand BB. Jessica von Bredow-Werndl stellte ihrem jungen Mitarbeiter ihr zweites Top-Pferd großzügig für die EM-Titelverteidigung zur Verfügung.

Die Weltranglisten-Erste selbst verzichtete in den letzten Monaten ihrer Schwangerschaft auf Turniere. Allerdings ist jeder Reiterwechsel ein Wagnis. In den vergangenen zehn Jahren war Ferdl – so wird der Dunkelbraune mit dem Lausbubengesicht genannt – fast ausschließlich von der Olympiasiegerin geritten worden. Sie führte ihn von Erfolgen in ersten Dressurpferdeprüfungen über die Weltmeisterschaft der Jungen Dressurpferde bis zum Sieg im Nationenpreis von Aachen 2021. Noch im April gewann das Paar in Stadl Paura.

Einmal in der Geschichte

„Am Montag nach den Deutschen Meisterschaften saß ich zum ersten Mal auf Ferdl“, erinnert sich Netz. Offensichtlich war dieser 13. Juni ein Glückstag. Nicht einmal zwei Wochen später belegte das neue Duo in Brunnthal den zweiten Platz in der Intermediaire II. Kurz darauf siegten Netz und Ferdl in Kronberg. Bei der letzten EM-Sichtung Ende Juli in Elmlohe sicherte sich das neue Paar seinen Teamplatz. „Ferdl und ich haben dieselbe Wellenlänge. Wir haben uns in der Mitte getroffen. Jeder hat sich angestrengt, den anderen zu verstehen“, glaubt Netz. Ausreiten und Kuscheln hätten das gegenseitige Vertrauen gestärkt.

Neue Partner brauchen normalerweise viel länger, um zusammenzufinden, vor allem auf Grand Prix-Niveau. Der britische Weltklassereiter Carl Hester bekam für die WM in Herning ein Pferd seines Mannschaftskameraden Gareth Hughes, weil sein eigener Partner sich verletzt hatte. Doch nach einigen Wochen machte der Olympiasieger von 2012 einen Rückzieher. Die Zeit sei zu knapp, um dem Pferd gerecht zu werden, erklärte Hester. Dass Netz und Ferdl nach nur neun Wochen gemeinsam drei Goldmedaillen gewannen, dürfte ziemlich einmalig in der Sportgeschichte sein.

„Wir reiten relativ ähnlich“

Ein Quäntchen Glück war sicher dabei, aber nicht entscheidend. Netz trainiert seit mittlerweile sechs Jahren täglich mit den Werndl-Geschwistern und profitiert von ihren Erfahrungen. „Wir reiten relativ ähnlich. Die Grundidee ist dieselbe“, berichtet der Nachwuchsreiter. Zusätzlichen Input geben externe Spezialisten und die Bundestrainer. Netz ist nicht nur im U25-Kader, sondern auch im Perspektivkader. Nicht zuletzt wurde er vom gesamten Team Aubi unterstützt, insbesondere von der Pferdebesitzerin Beatrice Bürchler-Keller und von Jessica von Bredow-Werndl. Bei allen Prüfungen war die Olympiasiegerin live per Internet zugeschaltet und coachte.

„Das hat mich besonders gefreut“

Dennoch, nirgendwo ist ein Reiter so allein wie im Viereck oder im Parcours. Bei der Feinabstimmung von Zügeln, Gewicht und Schenkeln geht es um Gramm. Fehler passieren schnell und können alle Chancen zunichtemachen. „Es war eine andere Situation als auf den vorigen Championaten. Diesmal war nicht die Frage, wie gut oder wie schön ich die Prüfung hinkriege, sondern ob ich sie überhaupt hinkriege“, sagt der 23-Jährige. Besonders schwierig waren die fliegenden Galoppwechsel in Serie. „Das ist die einzige Lektion, die man während der Ausführung nicht beeinflussen kann. Es geht viel zu schnell“, erläutert Netz. Während es in den ersten beiden EM-Prüfungen bei der Einleitung zu den Serienwechseln kurz hakte, klappten in der Grand Prix-Kür beide Wechseltouren. „Das hat mich besonders gefreut“, sagt der junge Mann.

Der gebürtige Hesse gewann mit drei verschiedenen Pferden insgesamt neun Medaillen bei U25-Europameisterschaften, sechsmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze. Wie Jessica von Bredow-Werndl bei den Reitern ist der 23-Jährige aktuell Triple-Europameister in seiner Altersklasse. „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, meine U25-Karriere zu beenden“, findet Netz. Er habe zwei sehr gute Neunjährige im Stall und freue sich auf die Zukunft mit ihnen. Jessica und Benjamin Werndl machten es einst ähnlich. Auch sie wollten mit jungen Pferden in den internationalen Spitzensport, mussten sich nach ihrer U21-Zeit aber gleich mit weit erfahreneren Paaren messen. Damals gab es noch keine Grand-Prix-Prüfungen, die dem Nachwuchs den Einstieg in die Königsklasse ebneten. Insofern ist der Weg ein wenig leichter geworden. Lang ist er immer noch.

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