Drei Ex-Sechziger wollen mit den „Schnüdeln“ in die 3. Liga

Bereits in Schweinfurt tätig:Trainer Tobias Strobl (links) und Pius Krätschmer.

Mit Tobias Strobl (32) als Trainer und Pius Krätschmer (22) als Spieler gehören aktuell zwei ehemalige Akteure des Fußball-Regionalligisten TSV 1860 Rosenheim dem aktuellen Regionalliga-Zweiten 1. FC Schweinfurt 05 an. Zur nächsten Saison – wann immer die auch starten wird – kommt mit Philipp Maier (25), seit Sommer des Vorjahres beim SV Wacker Burghausen unter Vertrag, ein dritter Ex-Rosenheimer zu den „Schnüdeln“ hinzu.

Schweinfurt– Welche Unterschiede es zwischen den beiden Vereinen aus Rosenheim und Schweinfurt gibt, und warum sie den Wechsel zu den Unterfranken vollzogen haben, darüber berichtet das Trio.

Krätschmer machte den Anfang

Erster Ex-Rosenheimer, der den Wechsel nach Schweinfurt vollzogen hat, war im Sommer 2019 Pius Krätschmer. Der gebürtige Ulmer spielte im Nachwuchs beim TSV Pfuhl, wechselte mit acht Jahren zum SSV Ulm 1846. Die vier Jahre in der U17 und U19 verbrachte der Linksfuß im Nachwuchsleistungszentrum des SC Freiburg. Im Januar 2016 folgte der Schritt in den Herrenbereich zum Karlsruher SC II in die Oberliga Baden-Württemberg. 2017 begann Krätschmer eine kaufmännische Ausbildung im Bereich Marketing und Kommunikation in München – die Prüfung muss er noch nachholen, was Ende dieses Jahres erfolgen soll. Deshalb schloss sich der Mittelfeldspieler dem TSV 1860 Rosenheim an. Über diese Zeit sagt Krätschmer: „Es ist schon fast bewundernswert, was die Rosenheimer Jahr für Jahr mit ihren bescheidenen Mitteln auf die Beine stellen. Es ist ein familiärer Verein, wo ich sehr gut aufgenommen worden bin. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt.“

Seine erste Saison in Rosenheim erhielt im Februar 2018 eine Delle, denn ein schwerer Autounfall setzt ihn wochenlang außer Gefecht. Unter anderem hatte er sich einen Beckenbruch zugezogen. Dennoch bekundete im Frühjahr bereits Schweinfurt Interesse an dem vielseitig einsetzbaren Mittelfeldakteur. „Ich wusste nach meinem Autounfall aber nicht, wie es weitergehen wird. Daher wollte ich erst einmal wieder auf die Beine kommen und bin noch eine weitere Saison in Rosenheim geblieben.“ Das Schweinfurter Interesse ebbte dadurch aber nicht ab. Vielmehr erneuerten die Unterfranken im vorigen Jahr ihre Anfrage – und dieses Mal konnten sie den Ulmer für einen Wechsel überzeugen. In Schweinfurt gefällt es ihm gut: „Das Stadion, die Trainingsplätze, die medizinische Abteilung sind toll. Wir trainieren normalerweise vormittags und nachmittags. Es ist alles richtig professionell“, schwärmt Krätschmer von seinem neuen Klub, bei dem er für zwei Jahre unterschrieben hatte.

Das Ziel: Mit Schweinfurt in die 3. Liga

Krätschmer ist inzwischen Vollprofi. Und er freut sich, „dass ich als Trainer nun wieder Tobias Strobl habe. Der hatte mich damals nach Rosenheim geholt. Unser Verhältnis ist sehr gut“. Eine Lieblingsposition hat Krätschmer nicht: „Ich spiele da, wo mich der Trainer aufstellt. Das kann in der Dreierkette links sein, Innenverteidiger, als Sechser oder als Zehner. Die Hauptsache ist für mich, dass ich spiele“, sagt er. Sein Ziel ist, Fußball-Profi zu bleiben: „Ich möchte mit Schweinfurt in die 3. Liga aufsteigen.“

Tobias Strobl, sein früherer Trainer in Rosenheim und aktueller Coach in Schweinfurt, erinnert sich an den ersten Tag mit Krätschmer: „Pius kam zum Probetraining nach Rosenheim. Wir haben dann Sechs gegen Zwei gespielt. Schon nach drei Minuten habe ich Blickkontakt zum Sportlichen Leiter Hansjörg Kroneck aufgenommen. Er hat genickt und ich auch – es war klar, dass wir Pius verpflichten wollen, denn er ist ein begnadeter Fußballer.“ Strobl selbst, der als mit 32 Jahren noch junger Trainer schon die Stationen FC Pipinsried, TSV Schwabmünchen, SV Manching, TSV 1860 Rosenheim und FC Ingolstadt 04 II hinter sich hat, denkt gerne zurück an seine Zeit an der Mangfall: „1860 Rosenheim ist ein angenehmer Verein, der eine richtig coole Geschichte hat. Ich war stolz, dass ich Teil dieser Gemeinschaft sein durfte.“ Was denn nun anders ist in Schweinfurt? „In Rosenheim ging es knallhart gegen den Abstieg. In Schweinfurt haben wir Ambitionen, und mit denen halten wir auch nicht hinter dem Berg. Wir haben sicher das Zeug dazu, irgendwann in die 3. Liga aufzusteigen – und das kommunizieren wir auch.“

Tobi Strobl ist frischgebackener Papa

Strobl ist am 17. April zum ersten Mal Vater geworden. Die Entbindung fand in seiner Heimatstadt Ingolstadt statt. Mutter und Töchterchen Lisa sind wohlauf. Wohnhaft ist die kleine Familie Strobl aber mittlerweile in Schweinfurt – und dort wird zur nächsten Saison Philipp Maier erwartet. Der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler hatte bis Sommer 2019 insgesamt 110 Regionalliga-Spiele (3 Tore) sowie 42 Bayernliga-Partien (2 Tore) für Rosenheim absolviert. Dann wechselte Maier zum Ligarivalen SV Wacker Burghausen, wo er 2013/14 schon einmal ein halbjähriges Intermezzo in der damaligen zweiten Mannschaft in der Bayernliga Süd gegeben hatte. Strobl war in Rosenheim überrascht, als er Philipp Maier das erste Mal sah: „Den hatte ich überhaupt nicht auf der Rechnung. So einen starken Spieler hatte ich dort nicht erwartet. Er verkörpert genau das, was ich auch als Spieler immer gepflegt habe. Das ist dieser aggressive und zielgerichtete Stil. Der Junge ist richtig gut – und daher freue ich mich, dass er nach Schweinfurt kommt. Ihm traue ich die dritte Liga ohne Weiteres zu.“

Maier hat mit dem Fußball beim TuS Kienberg begonnen und war mit zwölf Jahren zum TSV 1860 Rosenheim gewechselt. Bis auf das halbe Jahr in Burghausen hatte er bis zum vergangenen Sommer seine gesamte Fußballzeit in Rosenheim verbracht. Dann kam das Aus: „Ich habe eine Woche vor Saisonstart erfahren, dass man nicht mehr mit mir plant. Ende August habe ich mit Burghausen einen neuen Verein gefunden“, sagt der ausgebildete Industriekaufmann, der sein Studium in München im Sommer zum Ende bringen wird: „Da kommt mir die Corona-Pause entgegen“, so Maier.

Der bisherige Höhepunkt in seiner Karriere war 2016 der Aufstieg in die Regionalliga: „Das Relegationsspiel in Aschaffenburg bleibt mir unvergessen.“ Maier hat auch schon besondere Tore erzielt. In Rosenheim war er 2017 Schütze des 1:0 beim 1:1 im Punktspiel gegen den TSV 1860 München. Und in seinem ersten Spiel für Burghausen köpfte er im Derby in Buchbach in der Nachspielzeit das 1:0: „Auch das werde ich nicht vergessen.“ Im Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion hat Maier schon einige Male gespielt – und auch eine Wohnung hat er schon. „Ich freue mich auf meinen Wechsel nach Schweinfurt und hoffe, dass der nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt.“

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