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ENTSCHEIDUNGEN IM AMATEURFUßBALL

Die Vereine stehen vor der Wahl: Kleine Ungerechtigkeit oder großes Chaos

Mit einem Quotienten von 0,01 liegt der TuS Prien (rechts Nicolai Estermann) vor dem SV Ostermünchen (links Wolfgang Mayr) und könnte noch aufsteigen.
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Mit einem Quotienten von 0,01 liegt der TuS Prien (rechts Nicolai Estermann) vor dem SV Ostermünchen (links Wolfgang Mayr) und könnte noch aufsteigen.

Nur Aufsteiger und keine Absteiger – es klingt verlockend, was der Bayerische Fußball-Verband (BFV) seinen Vereinen nach dem Abbruch der „Corona-Saison“ 2019/21 anbietet. Doch die Konsequenzen dieser Entscheidung für den Amateurfußball würden auf Jahre zu spüren sein.

Rosenheim – Eigentlich steht seit neun Monaten in der Spielordnung, wie Auf- und Absteiger nach einem Saisonabbruch zu ermitteln sind: Wer nach der Quotientenregelung auf einem Aufstiegsplatz steht, steigt auf, Vereine auf einem Abstiegsplatz müssen runter. Eine Relegation gibt es nicht. Doch dagegen regte sich – vor allem bei Abstiegskandidaten – Unmut.

Eine von Vizepräsident Robert Schraudner (München) geleitete Arbeitsgruppe hat einen Alternativ-Vorschlag vorgelegt, „um das einigermaßen fair zu lösen“, wie er sagt: Danach dürften nicht nur die Meister, sondern auch alle für die Relegation qualifizierten Mannschaften aufrücken. Der Abstieg würde ausgesetzt. Wenn sich bis 18. Mai eine Mehrheit der 4500 Vereine dafür entscheiden sollten, würde der Verband das auf einem außerordentlichen Verbandstag am 8. Juni so beschließen.

Erlbach winkt die Bayernliga

Größter Gewinner unter den heimischen Vereinen wäre der SV Erlbach, der alsQuotienten-Zweiter der Landesligadoch noch den Sprung in die Bayernliga schaffen würde. In der Bezirksliga würden der abgeschlagene VfL Waldkraiburg und der TSV Teisendorf dem Abstieg in die Kreisliga entgehen. Für den TSV 1880 Wasserburg würde es nicht zum Aufstieg in die Regionalliga reichen – er ist in der Quotiententabelle nur Dritter hinter Pipinsried und Deisenhofen.

Aber die verlockende Alternative hat Risiken und Nebenwirkungen: aufgeblähte Ligen mit bis zu 23 Mannschaften oben in der Ligen-Pyramide, eine Kreisliga mit 17 Vereinen, dafür ausgedünnte C-Klassen ganz unten. „Man muss wissen, welche Auswirkungen das hat“, mahnt Jürgen Faltenbacher (Waldsassen), der im BFV-Präsidium für den Spielbetrieb zuständig ist.

Regionalliga mit bis zu 23 Mannschaften?

Die Regionalliga müsste in der neuen Saison mit 21 bis 23 Mannschaften spielen – je nachdem, ob der Meister in die 3. Liga aufsteigt und nach der SpVgg Unterhaching auch die zweite Mannschaft des FC Bayern München absteigt. Folgt der BFV seiner Spielordnung, wären es drei weniger. In den Bayernligen würden 20 und 21 (statt jeweils 18) Mannschaften antreten, in den fünf Landesligen sogar je 22. Mit regulären Auf- und Absteigern wären es dagegen 18 oder 19. Und selbst in den drei oberbayerischen Bezirksligen müsste mit 19 oder 20 Vereinen gespielt werden statt mit 15.

Dass das in einer womöglich immer noch von der Corona-Pandemie überschatteten Saison 2021/22 nicht machbar ist, weiß auch der BFV. 42 Spieltage lassen sich schon in einem normalen Jahr nicht unterbringen, geschweige denn, wenn ein lokaler Corona-Ausbruch oder eine Quarantäne für eine Mannschaft den Terminkalender durcheinanderbringt. Ob es wie sonst Mitte Juli losgehen kann mit der Saison, steht nach der langen Pause ohnehin in den Sternen.

Wird die Landesliga in drei Gruppen geteilt?

Deshalb tüfteln die Spielleiter schon an alternativen Spielsystemen. Andreas Mayländer (Teisendorf) hat seinen Bayernligisten sein favorisiertes System kürzlich vorgestellt(die OVB-Heimatzeitungen berichteten): Danach würde die Bayernliga Süd im Herbst in zwei Gruppen mit je zehn Teams geteilt. Die ersten Fünf aus jeder Gruppe spielen nach der Winterpause um den Aufstieg (Play-off), der Rest um den Klassenerhalt (Play-down). Die Punkte gegen die Vereine, gegen die man im Herbst bereits gespielt hat, werden mitgenommen – es geht also nur noch gegen die fünf Teams aus der anderen Vorrunden-Gruppe. Jede der aufgeblähten Landesligen müsste womöglich sogar in drei Gruppen geteilt werden.

Fünf Absteiger pro Liga?

Innerhalb von zwei Jahren, also bis 2023, sollen die Ligen wieder auf „Normalmaß“ schrumpfen. Aus den fünf Landesligen etwa müssten bis dahin dann 20 Mannschaften mehr absteigen als aufsteigen können, in den Bezirksligen müssten statt bisher drei rechnerisch fünf Vereine pro Saison zurück in die Kreisligen. Die Vereine haben die Qual der Wahl – zwischen kleiner Ungerechtigkeit und großem Chaos.

Der SV Erlbach und Lukas Lechner wären Nutznießer, wenn auch die Releganten aus der Landesliga aufsteigen dürfen.

Und trotzdem allem gäbe es Härtefälle, wie die Übersicht der OVB-Heimatzeitungen zeigt. In der Kreisklasse 2 etwa steigt Tabellenführer TV Obing nach keiner der beiden Varianten auf. Und einige Mannschaften, die seit zwei Jahren kein Spiel gewonnen haben, bleiben in ihrer Liga.

Die Lage in den Ligen

Regionalliga: Der VfR Garching dürfte der größte Anhänger einer Entscheidung gegen Absteiger sein. Das Schlusslicht bliebe dann doch drin. Aus der Bayernliga würden neben den „Abbruch-Meistern“ FC Pipinsried und SC Eltersdorf (aus Erlangen) auch die Vizemeister FC Deisenhofen und DJK Vilzing aufsteigen.

Bayernliga Süd: Der TSV Nördlingen war und ist verständlicherweise einer der größten Verfechter einer Lösung ohne Absteiger – er wäre sonst der einzige. Aus der Landesliga Südwest käme neben dem FC Gundelfingen der 1.FC Sonthofen hinzu, der nach dem Punktequotienten (1,96 Punkte pro Spiel) vor dem VfR Neuburg (1,93) liegt.

Landesliga Südost: Spitzenreiter Eintracht Karlsfeld (1,86) geht in jedem Fall leer aus. Der punktgleiche VfB Hallbergmoos (1,93), der ein Spiel weniger ausgetragen hat, steht als Bayernliga-Aufsteiger fest, zweiter Aufsteiger wäre der SV Erlbach (1,88). Von einer Aussetzung des Abstiegs würden ASV Dachau und TSV Waldkirchen profitieren. Sie müssten sich in der neuen Saison aber in einer Liga mit 22 Vereinen behaupten, weil bayernweit gleich 30 Bezirksligisten aufsteigen könnten.

Bezirksliga Ost: Der SV Bruckmühl (2,14) schafft erstmals den Sprung in die Landesliga – und damit den Durchmarsch. Der VfB Forstinning (2,00) wäre der zweite Aufsteiger. Auf den Abstiegsplätzen müssen Teisendorf, Ebersberg und der abgeschlagene VfL Waldkraiburg auf das Votum der Vereine hoffen.

In der Kreisliga 2 steigen womöglich die SG Tüßling/Teising (links Maximilian Schmidbauer) und der TSV Siegsdorf (rechts Jonas Neuhofer) auf.

Kreisliga

Nach den Regelungen der Spielordnung kämen die beiden Inn/Salzach-Kreisligen glimpflich davon. Mit Absteigern hätten beide je 15 Mannschaften. Ohne Absteiger wären 33 Teams unterzubringen – und in zwei Jahren wieder auf das „Normalmaß“ von 28 abzuschmelzen.

Gruppe 1: Der SV Westerndorf darf nach 13 Jahren auf Kreisebene den Aufstieg in die Bezirksliga feiern. Zweiter Aufsteiger wäre der TuS Prien (1,95), hauchdünn vor Emmering und Ostermünchen (je 1,94). Der SV-DJK Kolbermoor muss auf eine Aussetzung des Abstiegs hoffen.

Gruppe 2: Der TSV Siegsdorf (2,10) ist als Bezirksliga-Aufsteiger gesetzt. Quotienten-Zweiter ist die SG Tüßling/Teising (2,06), die in der Abbruch-Tabelle nur auf Platz vier rangiert. In der „roten Zone“ könnte neben dem TSV Altenmarkt auch der ASV Piding dem Abstieg entrinnen, der in der Corona-Saison kein einziges Spiel gewonnen hat.

Kreisklasse

In der Kreisklasse zeigt sich der Unterschied zwischen den beiden Varianten am deutlichsten: Mit nur einem Aufsteiger und „normalem“ Abstieg bestünden die vier Gruppen aus zwölf (einmal) oder 13 (dreimal) Vereinen. Mit zwei Aufsteigern und ohne Absteiger wären es sieben Mannschaften mehr: macht zwei 14er- und zwei 15er-Gruppen.

Gruppe 1: Der FC Bosna i Hercegovina Rosenheim schafft den Durchmarsch in die Kreisliga, der SV Tattenhausen kann darauf als Zweiter hoffen. Der TV Feldkirchen und SB Rosenheim II wären die Absteiger – wenn es welche gibt.

Gruppe 2: Spitzenreiter TV Obing (1,95) steigt in keinem Fall auf. Denn Quotienten-Erster ist der SV Amerang (2,18). Zweiter Aufsteiger wäre der Abbruch-Vierte DJK-SV Edling (2,00), wenn sich die Vereine für diese Variante entscheiden. Am Tabellenende wären dann ASV Rott und Breitbrunn-Gstadt gerettet.

Gruppe 3: Die neu gebildete SG Perach/Winhöring (2,38) steigt auf jeden Fall auf. Der TSV Neumarkt-St. Veit (2,22), der mit zwei Spielen mehr an der Spitze steht, wäre der zweite Aufsteiger. Der TuS Mettenheim und der SVG Burgkirchen (vier Punkte aus 17 Spielen!) müssen auf das Votum der Vereine hoffen, um drinzubleiben.

Gruppe 4: Die DJK Otting (2,11) wäre der Nutznießer eines verstärkten Aufstiegs. Der SC Anger (2,18) rückt nach dem Abbruch auf jeden Fall in die Kreisliga auf. In die A-Klasse runter müssten der TSV Fridolfing und der TSV Tittmoning, wenn der Abstieg nicht ausgesetzt wird.

A-Klassen

In den A-Klassen würde sich durch den Verzicht auf Absteiger am wenigsten ändern, weil aus den B-Klassen so oder so jeweils die ersten Zwei der Tabelle aufsteigen. Wird nach Spielordnung auf- und abgestiegen, gäbe es fünf 14er- und eine 13er-Gruppe, ohne Abstieg wären es insgesamt nur zwei Mannschaften weniger.

Gruppe 1: Der ASV Kiefersfelden (2,33) hat den besten Punkteschnitt. Der ASV Au II (2,26) würde als Zweiter ebenfalls aufsteigen, Hohenthann (2,21) geht in jedem Fall leer aus. Wenn es Absteiger gibt, wären das der FV Oberaudorf und der FC Nicklheim.

Gruppe 2: Großer Nutznießer eines erweiterten Aufstiegs wäre der ESV Rosenheim, der mit 1,87 Punkten den zweitbesten Schnitt hat, obwohl er nur auf Platz fünf liegt. Der WSV Samerberg (2,06) ist auf jeden Fall in der Kreisklasse, der punktgleiche Verfolger SV Prutting (1,83) geht leer aus. TuS Prien II und FT Rosenheim würde nur der Verzicht auf Absteiger retten.

Gruppe 3: Der TSV Wasserburg II (2,05) steigt auf jeden Fall auf. Forsting wäre ein Härtefall: Der SVF liegt beim Punktequotienten (1,882) eine Winzigkeit vor dem SV Waldhausen (1,875). Doch zählen nur die ersten zwei Stellen hinter dem Komma – damit kommen beide gerundet auf 1,88. Und der SVW hat den direkten Vergleich mit dem 2:0-Sieg in Forsting für sich entschieden, das Rückspiel fiel Corona zum Opfer. Absteigen müssten Grünthal II und Babensham II – wenn es Absteiger gibt.

Gruppe 4: Die SG Haiming/Wacker Burghausen II (2,28) steht als Aufsteiger fest. Der SV Schwindegg liegt mit 2,056 Punkten pro Spiel zwar drei Tausendstel hinter dem TV Kraiburg (2,059). Doch es wird auf zwei Stellen gerundet. Damit zählt der direkte Vergleich, der Schwindegg mit zwei 3:1-Siegen als zweiten Aufsteiger sähe. Absteiger wären SpVgg Jettenbach und VfL Waldkraiburg II.

Gruppe 5: Der TuS Engelsberg ist mit 17 Siegen aus 19 Spielen sicher ein verdienter Aufsteiger. Als Zweiter muss die SG Chieming/Grabenstätt auf die Abstimmung hoffen – ebenso wie die möglichen Absteiger Surberg und Stein-St. Georgen.

Gruppe 6: Fix-Aufsteiger ist die DJK Weildorf, der punktgleiche WSC Bayerisch Gmain muss wegen eines mehr ausgetragenen Spiels auf die Kulanz der anderen Vereine hoffen. Die würde auch den TSV Teisendorf II und den SC Inzell II retten.

B-Klassen

An der Spitze ändert die Abstimmung der Vereine nichts, weil die Vizemeister ohnehin in die A-Klasse aufsteigen. Aus den C-Klassen kämen aber mit einem Aufstiegsrecht für die Relegations-Teilnehmer 14 statt acht Aufsteiger hinzu, weil auch die sechs Tabellenzweiten aufrücken dürften. Nach der Spielordnung gäbe es sechs Gruppen mit je 13 Mannschaften, nach der kulanten Regelung fast nur 14er-Gruppen.

Die Aufsteiger im Überblick: Türkspor Rosenheim, TSV Emmering II (Gruppe 1), SV Unterwössen, TSV Rohrdorf (Gruppe 2), TV Obing II, TSV Eiselfing II (Gruppe 3), SV Erlbach II, SV Aschau/Inn II (Gruppe 4), TSV Feichten, FC Traunreut (Gruppe 5), ESV Freilassing II und SV Neukirchen (Gruppe 6).

Die möglichen Absteiger: FT Rosenheim II, TSV Hohenthann II (Gruppe 1), SG Grabenstätt/Chieming, ASV Happing II (Gruppe 2), Genclerbirligi Wasserburg, ASV Rott II (Gruppe 3), SG Erharting (Gruppe 4), TSV Tittmoning II, TSV Trostberg (Gruppe 5), DJK Otting II, TSV Berchtesgaden (Gruppe 6).

C-Klassen

80 Teams spielten nach diversen Rückzügen in den sieben Gruppen zuletzt noch mit. Ohne Absteiger aus der B-Klasse blieben davon nur 66 übrig, wenn es keine Neumeldungen gibt. Das bedeutet voraussichtlich mindestens eine Gruppe weniger und damit weitere Auswärtsfahrten.

Die sicheren Aufsteiger: TSV Aßling II (Gruppe 1), SV Pullach (als bester Zweiter), Fortuna Rosenheim (Gruppe 2), TSV Schnaitsee II (Gruppe 3), TSV Haag (Gruppe 4), SV Alzgern (Gruppe 5), TSV Fridolfing II (Gruppe 6), SV Unterwössen II (Gruppe 7).

Die möglichen Aufsteiger: ASV Grassau II (Gruppe 2, direkter Vergleich gegen ESV Rosenheim II), DJK Griesstätt II (Gruppe 3), SV Forsting-Pfaffing II (Gruppe 4, direkter Vergleich gegen SV Schwindegg II), TuS Mettenheim II (Gruppe 3, direkter Vergleich gegen FC Mühldorf II), DJK Nußdorf (Gruppe 6), SC Anger II (Gruppe 7).

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