FLORIAN HELLER FÜR THOMAS KASPARETTI

Die Hintergründe zum Trainerwechsel bei 1860: Hachings Anfrage brachte Stein ins Rollen

Der alte und der neue Trainer des Regionalligisten 1860 Rosenheim: Thomas Kasparetti (rechts) und Florian Heller.
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Der alte und der neue Trainer des Regionalligisten 1860 Rosenheim: Thomas Kasparetti (rechts) und Florian Heller.
  • Thomas Neumeier
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Die Nachricht kam völlig überraschend und schlug ein: Florian Heller ist ab sofort neuer Trainer beim Fußball-Regionalligisten TSV 1860 Rosenheim und hat die Nachfolge von Thomas Kasparetti angetreten, der zur SpVgg Unterhaching wechseln wird.

Rosenheim– Der Wechsel auf der Trainerbank bei 1860 Rosenheim von Thomas Kasparetti zu Florian Heller war nicht – wie man vermuten hätte können – die Reaktion der Sechziger-Verantwortlichen auf die prekäre Situation im Abstiegskampf und die Folge aus den drei Niederlagen beim Re-Start im Herbst. Dazu passte der späte Zeitpunkt in der Winterpause nicht. Die OVB-Sportredaktion klärt die Hintergründe der Personalrochade auf. Bei den Sechzigern gibt es zudem einen neuen Co-Trainer, drei Rückkehrer auf dem Feld und insgesamt auch drei Abgänge im Kader.

Thomas Kasparetti: „Die Initiative kam aus Unterhaching“

„Die Initiative kam aus Unterhaching, dann ist der Stein ins Rollen gekommen“, sagt Thomas Kasparetti. Und 1860 Rosenheims Sportlicher Leiter Hans Kroneck bestätigt: „Wir haben eine Anfrage aus Unterhaching bekommen, ob wir Thomas freigeben würden, weil eine Stelle in der U19 vakant sei.“ Die endgültige Entscheidung hatte also Kasparetti zu treffen, der noch vergangene Woche im Interview mit dem Online-Portal „Fupa“ über seine Zukunft bei 1860 Rosenheim erklärt hatte: „Mir macht es großen Spaß, vor allem auch die Kooperation mit Haching. Da ist längst noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Ich habe mit den Sechzigern noch viel vor.“ Kasparetti klärt auf, warum es dann recht schnell gehen musste: „In der U19 gibt es Spieler mit Profi-Verträgen, die aktuell im Trainingsbetrieb stehen. Da durfte man keine Zeit verlieren. Am Samstag haben wir dann Nägel mit Köpfen gemacht.“

In die Trainerarbeit beim Drittligisten bereits eingebunden

Der 37-Jährige wird nun also die A-Junioren in der Bayernliga Süd betreuen. Dort führen die Hachinger das Klassement mit 13 Punkten aus fünf Spielen an – einen Zähler vor dem FC Deisenhofen, der ein Spiel mehr aufweist, und jeweils zwei Zähler vor 1860 München und 1860 Rosenheim. In den drei verbleibenden Spielen gegen 1860 Rosenheim, Ismaning und Wacker Burghausen soll nun der Titel gesichert werden. Der Meister spielt gegen den Ersten der Bayernliga Nord um den Aufstieg in die Bundesliga. „Ich freue mich auf die Aufgabe und darauf, hochmotivierte Jungs auf ihrem Weg begleiten zu können.“ Dank der Kooperation von Unterhaching und 1860 Rosenheim war Kasparetti in die Trainerarbeit beim Drittligisten und in dessen Nachwuchsleistungszentrum bereits eingebunden. „Im November und Dezember war ich als Trainer beim Jugend-Förderkader, wo wir intensiv in Kleingruppen gearbeitet haben. Ich weiß, wie da oben gearbeitet wird, das wird sehr professionell ablaufen. Es ist für mich eine sehr attraktive Aufgabe.“

Der neue Trainer kennt beide Vereine in- und auswendig

„Wir freuen uns für Thomas, der charakterlich ein super Typ ist und die Philosophie des Vereins im Herzen trägt. Wir freuen uns aber auch, dass wir unserem Kooperationspartner Unterhaching helfen konnten“, sagt Kroneck.

Der neue Trainer beim Regionalligisten kennt beide Vereine in- und auswendig. Ex-Profi Florian Heller hat in Unterhaching gespielt und dort seine Trainerkarriere begonnen. Als Spieler war der Panger, der im Profi-Bereich unter anderem für Greuther Fürth, Erzgebirge Aue, Mainz 05 und den FC Ingolstadt aktiv war, im Nachwuchs sowie in der Regionalliga für die Sechziger aktiv. Der 39-Jährige war im Sommer als Trainer der U19 an die Jahnstraße zurückgekehrt und stand Kasparetti im Herbst für zwei Spiele als Co-Trainer zur Seite. Eigentlich wäre der ehemalige Junioren-Nationalspieler wieder in den Jugendbereich zurückgewechselt. „Da habe ich noch ein paar Schritte vor mir“, sagte Heller Ende November in der Fachzeitschrift „Kicker“, angesprochen auf ein künftiges Engagement im Herrenbereich. Nun hat er die paar Schritte in Windeseile übersprungen.

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Junge Spieler ausbilden und sie dann im Herrenbereich einbauen

„Ich wollte die Aufgabe in der U19 auch zu 100 Prozent weitermachen“, sagt Heller, angesprochen auf seine eigentlich geplante Rückkehr zum Jugendtrainer. Nach der kurzfristigen Anfrage sagte er aber zu, denn: „Ich kann nun meinen Teil dazu beitragen, beides zu verknüpfen: Junge Spieler ausbilden und heranführen und sie dann im Herrenbereich einbauen und weiterentwickeln. Das ist dann auch für unseren Nachwuchs nicht uninteressant.“

Hans Kroneck: „Heller „war erster Ansprechpartner“

„Er war mit der Jugend unglaublich erfolgreich, ist menschlich und charakterlich bodenständig. Er gibt fachlich eine klare Linie vor, die in jedem Spiel der U19 zu erkennen war. Das zeigt, dass seine Vorstellungen bei den Spielern ankommen und die Menschenführung passt“, beschreibt Kroneck den neuen Trainer und bezeichnet ihn „für uns als Sechser im Lotto“. Der sportliche Leiter macht klar, dass er nach der Kasparetti-Entscheidung gar keinen anderen Kandidaten als Heller in Erwägung gezogen hatte: „Er war unser erster Ansprechpartner.“

Nun ist es also die Aufgabe von Florian Heller, die Abstiegsgefahr in der Regionalliga zu bannen, was bei 22 Punkten aus 25 Spielen alles andere als einfach werden dürfte. Dass er seine Philosophie nicht in einer normalen Vorbereitungsphase auf die Mannschaft übertragen kann, macht die Situation noch schwieriger. „Es ist schon eine extreme Herausforderung. Ich habe aber den Vorteil, dass ich die Mannschaft im Herbst schon kennenlernen durfte. Und ich hätte das nicht gemacht, wenn ich nicht daran glaube, dass die Jungs das im Kreuz haben.“

Florian Heller: „Die Mannschaft muss für uns offen sein“

Hoffnung bereitet ihm, dass die Mannschaft eine „intrinsische Motivation“ habe. Heller: „Sie haben den Willen und Anspruch, auf höchstem Niveau Fußball zu spielen. Wir müssen das künftig als Mannschaft ausstrahlen.“ Entscheidend sei nun, „dass wir die Jungs zum Greifen kriegen. Es muss schnell ein Vertrauensverhältnis entstehen und die Mannschaft muss für uns und unsere Sachen offen sein.“

Aktuell kommuniziert Heller mit dem Team lediglich per Videokonferenzen. „Die Jungs müssen sich zuhause damit beschäftigen, dass sie ihre Grundfitness auf gutem Niveau halten.“ Ansonsten verständigt er sich mit seinem Trainerteam, „wie wir das angehen und werden darauf basierend einen Plan entwickeln“. Zum Trainerteam gehört – wie schon in der U19 – Michael Wallner als Assistent. „Ein unglaubliches Trainertalent“, lobt Kroneck, „es war Florians Wunsch, dass er mitgeht“. Heller bestätigt: „Er ist extrem lernwillig und aufmerksam.“ Als weiterer Co-Trainer kommt Marc Endres hinzu. Der 29-Jährige hat seine Profi-Karriere bei der SpVgg Unterhaching aus Verletzungsgründen beenden müssen. Für Heidenheim, Chemnitz und Unterhaching bestritt der Innenverteidiger insgesamt 157 Drittliga-Partien. „Wenn sich eine Türe schließt, öffnet sich immer wieder eine neue. Ich freue mich, dass ich weiter Teil des Projekts in Unterhaching sein kann. Die neue Rolle in Rosenheim ist extrem reizvoll für mich“, so Endres.

Drei Spieler gehen, drei kehren zurück

Und noch ein Wechsel zwischen Rosenheim und Unterhaching: Der 19-jährige Angreifer Tizian Zimmermann war im Sommer von der U19 des Drittligisten zu den Sechzigern gewechselt, blieb aber ohne Einsatz. Nun geht er zurück nach Haching. Zimmermann ist der dritte Winter-Abgang in Rosenheim nach Yannick Albrich (zum SV Westerndorf) und Luftetar Mushkolaj (in die dritte Schweizer Liga). Dafür wurden mit Luca Jesse, Simon Kolb und Maximilian Kuchler drei junge Akteure vom Landesligisten SB Rosenheim zurückbeordert. Alle drei waren von der Sechziger-Jugend zum SBR gewechselt, Kuchler hat seit Sommer 2019 insgesamt 17 Landesliga-Spiele absolviert, Jesse und Kolb kamen im Herbst 2020 auf vier Einsätze. „Wir wollen damit ein Zeichen für die einheimischen Spieler setzen“, sagt Kroneck.

Neuer Co-Trainer: Marc Endres, hier im Chemnitzer Trikot.
Der neue Trainer in Aktion: Florian Heller (rechts) spielte für Mainz 05 in der 1. Bundesliga.

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