20 Jahre Starbulls Rosenheim

Die Aufreger: Das 167-Sekunden-Spiel, der Sieg nach Mitternacht, ein Kopfstoß und ein Schock

Die Entscheidung im Rekordspiel: Tyler Scofield trifft im April 2017 in der 107. Minute zum 5:4-Sieg für die Starbulls gegen Crimmitschau.
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Die Entscheidung im Rekordspiel: Tyler Scofield trifft im April 2017 in der 107. Minute zum 5:4-Sieg für die Starbulls gegen Crimmitschau.
  • Thomas Neumeier
    vonThomas Neumeier
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  • Hans-Jürgen Ziegler
    Hans-Jürgen Ziegler
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Teil 16 der OVB-Sportserie „20 Jahre Starbulls Rosenheim – Geschichte und Geschichten“ und dieses Mal geht es um die größten Aufreger. Mit dabei ein Kopfstoß, ein Schockmoment, ein Feldspieler zwischen den Pfosten, ein provozierter Abgang oder die Entscheidung nach Mitternacht

Rosenheim 20 Jahre Starbulls Rosenheim, das ist nicht nur eine sportliche Geschichte mit Ergebnissen und Torschützen oder Auf- und Abstieg. Nein, da stecken ja viele besondere Storys dahinter. Viele lustige Geschichten, an die man sich gerne erinnert. Aber auch Geschichten, die ärgerlich oder besonders merkwürdig waren.

Hier die zehn größten Aufreger

Das erste Geisterspiel bestritten die Starbulls im November 2020.

Platz 10 – Spielabsagen und Geisterspiel: Im Februar 2006 stellte man fest, dass das Rosenheimer Eishallendach mit der gleichen Leimbinder-Bauweise konstruiert wurde wie in Bad Reichenhall, wo der Einsturz wenige Tage zuvor Todesopfer forderte. Das Spiel wurde kurzfristig abgesagt, Gegner Weiden war da schon auf dem Weg in den Süden. Nach einer genauen Untersuchung gab‘s wenige Tage später die Freigabe, und die Begegnung wurde nachgeholt. Im November 2020 hat die Corona-Pandemie für Spielabsagen gesorgt – und für Geisterspiele. Die Begegnung gegen Höchstadt war das erste Punktspiel vor leeren Rängen. Weitere folgen...

Shawn Weller: Zu seiner Rosenheimer Zeit eine Publikumsliebling, der auch gerne feierte.

Platz 9 – Wellers Alkoholfahrt: Grund zum Feiern gab es im Februar 2014 eigentlich genug, immerhin waren die Starbulls Zweiter in der DEL 2. Kontingentspieler Shawn Weller hatte es dann aber mit den Feierlichkeiten übertrieben, als er an der Happinger Kreuzung kurz nach Mitternacht einen Verkehrsunfall verursachte – mit knapp 1,5 Promille. Von der Mannschaft und Trainer Franz Steer begnadigt, wurde Weller am Ende der Saison bester Rosenheimer Punktesammler – auf dem Eis, nicht in Flensburg!

Flog nach einer Provokation raus: Stürmer John Snowden (Bildmitte).

Platz 8 – Snowdens provozierter Abgang: Es war ein Heimspiel gegen Peiting im Januar 2008. Die Starbulls verloren mit 4:8, danach wurde Trainer Markus Berwanger entlassen. Eine seiner letzten Amtshandlungen: Er schickte John Snowden während des Spiels bereits in die Kabine. Der Stürmer provozierte seinen Rauswurf, indem er Strafzeiten verursachte und die Mannschaft in Unterzahl im Stich ließ. Von der Strafbank gekommen, fuhr der US-Amerikaner lustlos übers Eis Richtung Spielerbank, als ihm von Berwanger gleich der Gang in die Kabine signalisiert wurde. Nach dem Spiel wurde Snowdens Vertrag aufgelöst.

Flog nach neun Spielen heim: Phil Aucoin.

Platz 7 – die Flucht der Kontingentspieler: Neun Spiele hatte Phil Aucoin im Herbst 2007 für die Starbulls bestritten und mit 15 Scorerpunkten absolut überzeugt, als ihn aus Liebeskummer das Heimweh überkam. Der US-Boy packte flugs seine Koffer und stieg in München in den Flieger nach Boston – ohne Mannschaft und Trainer zu informieren. Fast auf den Tag genau zwei Jahre später, ging der Kanadier Matt Smith stiften. Da hatte die Saison gerade begonnen und Smith mit zwei Toren und einer Vorlage einen Traumeinstand im ersten Spiel gefeiert. Auch hier sorgte die Liebe daheim für den plötzlichen Abgang. Immerhin hatte Smith noch den damaligen Trainer Franz Steer angerufen, bevor er in den Flieger gen Heimat gestiegen war.

Flog nach einem Spiel heim: Matt Smith.

Platz 6 – Frank vs. Linesman: Es war ein heißes Derby gegen den SC Riessersee im November 2014 und Verteidiger Beppo Frank räumte gerade nach einer abgepfiffenen Situation hinter dem Tor auf, als ihn einer der Linienrichter festmachte und ihm den Arm nach hinten fixierte. Der Befreiungsversuch des kompromisslosen Starbulls-Akteurs war verboten und Frank bekam acht Spiele Sperre aufgebrummt. „Es war nicht das Foul oder die Aktion, die bewertet wurde, sondern der Name des Spielers“, klagte der damalige Starbulls-Vorstand Karl Aicher.

Szene aus dem längsten Eishockeyspiel in Rosenheim: Hier scheitert Tyler Scofield noch am Pfosten des Crimmitschauer Tores.

Platz 5 – Entscheidung nach Mitternacht: 2017 mussten die Starbulls in die Play-downs der DEL 2 und trafen dort in der entscheidenden Abstiegsrunde auf Crimmitschau. Spiel Nummer drei der Serie wurde zum längsten Spiel, das je auf Rosenheimer Eis ausgetragen wurde. Nach zwei Dritteln führten die Gäste mit 4:1, ehe die Starbulls eine Aufholjagd starteten und sich in die Verlängerung retteten. Die erste Overtime verging ohne Tor, die zweite Verlängerung auch. Erst nach 106:28 Minuten erlöste Tyler Scofield die Rosenheimer Fans mit dem 5:4-Siegtreffer, der bei Spielbeginn 19.30 Uhr letztlich um 0.02 Uhr fiel. Am Ende war aber dieses Rekordspiel umsonst, denn Crimmitschau gewann die Serie und die Starbulls mussten in die Oberliga absteigen.

Josh Mitchell beim ersten Training nach seinem Zusammenbruch.

Platz 4 – der Mitchell-Schock: Es lief das Abschlusstraining für das Auswärtsspiel in Sonthofen, als bei den Starbulls Eishockey in den Hintergrund rückte: Bei einer Trainingsübung war der Kanadier Josh Mitchell mit wackeligen Beinen unterwegs, sodass ihn Trainer John Sicinski zum Durchschnaufen in die Kabine schickte. Auf dem Weg dorthin war der Angreifer dann zusammengebrochen. Mannschaftsleiter Thomas Dorsch und Verteidiger Matthias Bergmann leiteten die ersten Hilfsmaßnahmen ein und stabilisierten Mitchell, ehe der Notarzt eintraf und ihn weiter versorgte. Das Krankenhaus durfte der Kanadier zwei Tage später wieder verlassen und lief nach weiteren fachärztlichen Untersuchungen schon bald wieder für die Starbulls auf.

Vorzeitiger Abgang: Nach einem Kopfstoß gegen Heilbronns Martinec fuhr Tormann Norm Maracle bereits nach knapp 14 Minuten gesenkten Hauptes vom Eis.

Platz 3 – Norm Maracles Kopfstoß: Die Starbulls spielten mächtig auf an jenem Januartag im Jahr 2011. Mit 2:0 lagen sie durch Treffer von Stephen Werner und Tommi Hannus in Heilbronn vor, als die 14. Minute anbrach. Heilbronn-Stürmer Tomas Martinec attackierte Rosenheims Rückhalt Norm Maracle zuerst mit dem Stock, dann verbal – die Provokation wirkte, denn der Starbulls-Goalie ließ sich zu einem Kopfstoß hinreißen, wie ihn knapp fünf Jahre zuvor Zinedine Zidane im Endspiel der Fußball-WM 2006 fabrizierte. Die Strafe folgte schnell, denn nach Maracles Abgang verloren die Rosenheimer die Partie in Heilbronn noch mit 3:5. Und Maracle selbst musste eine Sperre von drei Spielen ausfassen, ehe er wieder ins Tor durfte.

„Die schnellste Hand vom Oberland“: Michael Baindl musste in Peiting zwischen die Pfosten.

Platz 2 – Baindl zwischen den Pfosten: Lukas Steinhauer war krank, Luca Endres musste nach etwas mehr als 22 Minuten nach einem Zusammenprall verletzt vom Eis: Als die Starbulls im November 2017 in Peiting antraten, hatten sie plötzlich keinen Torhüter mehr. Nach kurzer Beratschlagung machte sich Stürmer Michael Baindl fertig, sich im weiteren Spielverlauf abschießen zu lassen. „Ich habe das als kleiner Bub schon mal gemacht“, meinte er. Baindl hatte nicht viel zu verlieren, weil die Starbulls zu diesem Zeitpunkt schon mit 0:4 in Rückstand lagen. In den restlichen Spielminuten wurde er nur viermal bezwungen und wurde nach der 2:8-Niederlage vom Publikum gefeiert. Und nicht nur davon, denn NHL-Profi und Baindl-Spezi Korbinian Holzer schrieb tags darauf von der „schnellsten Hand im Oberland“.

Der Abgang der Riesserseer Verantwortlichen nach 167 gespielten Sekunden.

Platz 1 – als Riessersee vom Eis ging: Schon im Vorfeld ging es heiß her: Den SC Riessersee plagten im Februar 2014 Verletzungssorgen auf der Torwartposition, die Starbulls stimmten einer kurzfristigen Spielverlegung nicht zu. Und so reisten die Gäste an – mit 20 Feldspielern und einem Stürmer im Tor. Markus Eberhardt parierte dann sogar den ersten Torschuss, ehe er nach dem Rosenheimer Führungstor zur Bank fuhr und sich mit den Riesserseer Verantwortlichen beriet. Eberhardt hatte vor dem 1:0 einen Schuss von Robin Weihager abbekommen und sich verletzt. Die Garmischer verließen daraufhin nach 167 gespielten Sekunden das Eis und kamen nicht wieder. Die Folgen: ein Rosenheimer Trainingsspiel vor vollen Rängen, eine Spielwertung für die Starbulls und eine tagelange Schlammschlacht in den Medien.

Der entscheidende Schuss von Robin Weihager an die Schulter von Riessersees Markus Eberhardt, der danach aufgab.
Vorschlag der Starbulls-Fans im Heimspiel gegen den SC Riessersee im Februar 2014.

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