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Ein harter Arbeiter und kein Angeber

Gründergeist der DFL ist ein Siebziger – Kurt Gauglers Leben für den Fußball

Kurt Gaugler in seinem Stammlokal beim Lederer in Surheim. Ein Krügerl mit Zitronentee ist sein Lieblingsgetränk.
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Kurt Gaugler in seinem Stammlokal beim Lederer in Surheim. Ein Krügerl mit Zitronentee ist sein Lieblingsgetränk.
  • VonKarlheinz Kas
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Gemütlich sitzt er am Stammtisch in seinem Lokal, dem Gasthaus Lederer in Surheim, er hält ein Krügerl, gefüllt mit Zitronentee, in der Hand und prostet all jenen zu, die sich seiner Gegenwart erfreuen: Kurt Gaugler. Am Montag feierte er seinen 70. Geburtstag und halb Fußball-Deutschland hat gratuliert.

Laufen – Er war Mann der ersten Stunde, als die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und der Ligaverband im Jahr 2008 ihre Bundesliga-Stiftung ins Leben riefen. Feiern wollte er aber nicht groß. Den 50. Geburtstag beging er damals auf der Unterhof Alm in Filzmoos.

Sein Wissen über Fußball ist international

Wenn er es noch auf die Alm schafft mit seinen heute 125 Kilo bei 1,83 Metern Körpergröße, dann kann da wohl jeder mithalten, zumal Gaugler nicht mehr ganz so gut auf den Beinen ist. Aber er ist ein geselliger Typ, Gesprächsrunden mit ihm beinhalten immer Zündstoff, sein Wissen über Fußball international aber auch lokal ist überragend. Was er sagt, hat heute immer noch Gewicht. Und er kann plaudern stundenlang. Aber er ist nicht der Erzähler, der im Mittelpunkt stehen will. Bescheidenheit ist angesagt bei ihm, früher wie heute. Manchmal ist es ihm eher peinlich, über seine großen Verdienste zu reden. Da muss man dann schon drei Mal nachfragen, bis er auf den Punkt kommt. Aber so ist der Oberbayer eben – ein harter Arbeiter und kein Angeber.

Von 2008 bis 2017 Geschäftsführer der Bundesliga-Stiftung

Dabei hätte er allen Grund dazu. Von 2008 bis 2017 war der ehemalige Manager des Fußball-Zweitligisten SV Wacker Burghausen Geschäftsführer der Bundesliga-Stiftung, sechs Jahre davon Geschäftsführender Vorstand, knapp drei stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

Der Profifußball hat in Deutschland eine soziale Verantwortung

„Der Profifußball hat in Deutschland auch eine soziale Verantwortung, der sind wir mit dieser Stiftung gerecht geworden“, blickt Gaugler zurück. Man habe die große Popularität der Fußball-Bundesliga genutzt, um gemeinnützige und soziale Projekte zu fördern und zu unterstützen. Laut Gaugler sei man auf vier Gebieten tätig geworden: Integration, Kinder, Menschen mit Behinderung und Unterstützung von Sportlern anderer Sportarten. Mit einer Million Euro startete Gaugler, wobei die Gelder ständig mehr wurden. Mit ihm im Stiftungsvorstand waren unter anderem der damalige DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, der heutige DFL-Geschäftsführer Christian Seifert und Liga-Präsident Dr. Reinhard Rauball.

Kurt Gaugler, Geschäftsführer der Bundesliga Stiftung und Rita Süssmuth, die Schirmherrin des Care Projekts in Südafrika, werfen sich 2009 auf dem Dach des Reichstages in Berlin einen in Südafrika hergestellten Ball zu.

Bei Fußball-Weltmeisterschaften dabei

„Ich danke dem Herrgott für die schöne Zeit“, sagt Gaugler, der mit seiner Stiftung die halbe Welt bereisen durfte und bei jeweils drei Fußball-Welt- und Europameisterschaften in der ersten Reihe saß. Er gehörte zu den ersten Gratulanten der deutschen Nationalmannschaft 2014 in Rio de Janeiro, als das DFB-Team den Weltpokal in Empfang nahm, er war davor schon bei der WM in Südafrika 2010 und dem Sommermärchen in Deutschland 2006 präsent.

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Gaugler erlebte auch alle deutschen Spiele bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz, ebenso 2012 in Polen und in der Ukraine und auch 2016 in Frankreich, als erstmals statt 16 Nationen 24 am Turnier teilnahmen. In seiner Funktionärszeit sind in Deutschland Leuchtturmprojekte wie „Lernort Stadion“ oder „Willkommen im Fußball“ entstanden. Von 2004 bis 2007 gehörte er dem Vorstand des damaligen Ligaverbandes (jetzt DFL) an, von 2007 bis 2010 war er im Aufsichtsrat der DFL GmbH tätig. Der ehemalige DFB-Präsident Dr. Zwanziger sprach über Gaugler vom „Gründergeist der DFL“.

Gaugler scheute sich nicht, deutliche Worte zu sprechen

Aber der Laufener ist immer seiner Heimat treu geblieben. Das Fußballgeschehen in Kirchanschöring, Freilassing, Burghausen und Rosenheim, aber auch in den untersten Klassen, war ihm immer genauso wichtig, wie die große internationale Bühne. Und er scheute sich auch nicht, deutliche Worte zu sprechen. Das brachte ihm im letzten Jahr einmal mächtig Ärger ein, als er beim ersten öffentlichen Sportler-Stammtisch des SV Kirchanschöring die Nachwuchsarbeit und das Management des ESV Freilassing kritisierte. Es sei etwas überzogen gewesen, meint er im Nachhinein, die Wortwahl sei etwas zu hart gewesen, aber in der Sache stehe er zu seinen Äußerungen.

Mit 14 Jahren beim SV Kirchanschöring angefangen

Kurt Gaugler kann auch auf eine erfolgreiche aktive Laufbahn als Spieler zurückblicken. Angefangen hatte er mit 14 Jahren beim SV Kirchanschöring. Zunächst als Mittelstürmer, später als Torwart war er im Inn/Salzach-Kreis bekannt. Unter Trainer Sepp Fellner feierte er im Herrenbereich mit dem SVK zwei Aufstiege von der A-Klasse bis zur Landesliga, und das als Kapitän. Er absolvierte eine Schlosserausbildung und bekam mit 27 Jahren eine Anfrage von Wacker Burghausen. Er wechselte an die Salzach, später nochmals für zwei Jahre zurück nach Kirchanschöring, aber die Perspektiven im Wacker-Werk waren für ihn überragend.

Sprecher der drei Regionalligen

So konnte sich Gaugler beim Chemie-Riesen aussuchen, wo er denn arbeiten wolle, als technischer Zeichner, als Büro-Angestellter oder in der IT-Abteilung. Er entschied sich für Letzteres und machte sein Diplom in der mathematischen Programmiersprache. „Viel habe ich Dr. Kutzer, dem damaligen Wacker-Abteilungsleiter zu verdanken“, sagt er heute. Nach einer Schulterverletzung beendete Gaugler Ende 30 seine aktive Karriere und fand den fließenden Übergang ins Funktionärswesen. 22 Jahre lang zeichnete er beim SV Wacker im Fußball verantwortlich. Unter seiner sportlichen Regie stieg Burghausen 1995 in die Regionalliga auf. Es folgten fünf Jahre in der 2. Fußball-Bundesliga. Er war Sprecher der Bayernliga-Vereine und später auch Sprecher der drei Regionalligen.

Seit 2017 ist Kurt Gaugler offiziell Rentner

Seit 2017 ist Kurt Gaugler offiziell Rentner. Rückblickend schwärmt er von den Burghauser Spielen beim 1. FC Köln mit 50.000 Besuchern, von über 50.000 Fans in der Münchner Arena gegen 1860 München, auch 50.000 Zuschauer bei Eintracht Frankfurt, seiner alten Fußball-Liebe, und den 11.000 Fans in Burghausen gegen die Münchner Löwen. Wenn er heute auf etwas stolz ist, dann sind das zwei Prozesse, die er durch fast alle Instanzen gewinnen konnte.

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Der erste fand im Zuge des Schiedsrichterskandals mit Robert Hoyzer statt. Das verlorene, weil nachweislich verpfiffene Spiel bei LR Ahlen wurde wiederholt. Es war das erste Wiederholungsspiel im Rahmen des Skandals in der deutschen Fußballgeschichte. „Da hätte ich niemals locker gelassen, ich habe für den Verein und für unsere Fans gekämpft“, erinnert sich Gaugler.

Vucicevic wurde für ein halbes Jahr gesperrt

Ein zweites Zweitligaspiel wurde wiederholt, jenes gegen 1860 München in der Wacker-Arena. Löwen-Stürmer Nemanja Vucicevic war nach dem 2:0-Sieg der Sechziger positiv auf das Dopingmittel Finasterid getestet worden. Die Münchner führten an, dass das Präparat in einem Haarwuchsmittel enthalten gewesen sei, das der Serbe ohne Absprache mit der ärztlichen Führung genommen habe. „Die können mir viel erzählen, auch da bin ich durch alle Instanzen gegangen“, erinnert sich Gaugler – und erzwang schließlich ein Wiederholungsspiel. Vucicevic wurde für ein halbes Jahr gesperrt.

Engste Kontakte zu Bernd Dürnberger

Aber das sei alles Vergangenheit, heute sei er sehr zufrieden, „so wie alles ist“. Kurt Gaugler lebt in Laufen, seine Lebensgefährtin in der Slowakei – sie treffen sich aber regelmäßig. Im Sportartikelhandel, ein Geschäft, das er sich vor vielen Jahren aufgebaut hat, mischt er immer noch etwas mit. Engste Kontakte hat er dabei zu Bernd Dürnberger, den früheren Meisterspieler des FC Bayern, in Kirchanschöring. Auch mit den alten Weggefährten Max Kühnhaser, Ernst „Jason“ Zehentner und Rudi Hannakampf trifft er sich regelmäßig. Sein neues Hobby ist aber der Golfsport. Seine große Liebe bleiben aber Tennisturniere, die er via TV verfolgt.

Einen Sommerspritzer oder einen Eierlikör

An seinem Ehrentag war das Handy im Dauereinsatz. Alte DFL-Kollegen haben angerufen, wohl auch Manuel Neuer, mit dem Gaugler bei dessen „Kids Foundation“-Stiftung eng verbandelt war. Mit Gaugler haben seine vier Kinder Kurt (50), Jan (44) sowie Regina und Kathrin (beide 36) und insgesamt elf Enkel gefeiert. Und was hat er an seinem Ehrentag getrunken? „Könnte schon sein, einen Sommerspritzer oder einen Eierlikör“, meinte Gaugler im Vorfeld, bei dem auf alle Fälle Tee mit Zitrone aber auch wieder Grundnahrungsmittel war. Und natürlich aus einem Krügerl!

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