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Sohn von Starbulls-Coach auf dem Eis

Deutscher Sieg gegen Kanada bei Eishockey-WM sorgt für Flachs unter den Starbulls-Trainern

Lukas Reichel (links) trifft hier gegen Norwegens Goalie Henrik Haukeland.
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Lukas Reichel (links) trifft hier gegen Norwegens Goalie Henrik Haukeland.
  • Thomas Neumeier
    vonThomas Neumeier
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So klein ist die Eishockey-Welt: Da hat die deutsche Nationalmannschaft in der langen WM-Geschichte ihren erst dritten Sieg über Kanada gefeiert – und in der Kabine der Rosenheimer Nachwuchstrainer wird deshalb der Flachs blühen.

Beim historischen Erfolg vor 25 Jahren spielten nämlich die Starbulls-Coaches Bernd Kühnhauser und Martin Reichel für Deutschland und Derek Mayer für Kanada. Ein Vierteljahrhundert später war Reichel-Filius Lukas beim Triumph der DEB-Auswahl im Einsatz.

Riga/Rosenheim – Auf internationalem Niveau ist Deutschland bislang noch immer ein Außenseiter, wenn es gegen das Mutterland das Eishockeys geht. Das zeigt alleine schon die Bilanz gegen Kanada: Von 73 Spielen gingen 61 an die Nordamerikaner, ganze elf konnte die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) für sich entscheiden. Bei der Weltmeisterschaft 2015 hieß es noch 10:0 für die Ahornblätter, die vor zwei Jahren in der Slowakei das deutsche Team mit 8:1 in die Schranken wiesen.

Erster Sieg seit 25 Jahren

Das 3:1 am Pfingstmontag im lettischen Riga war erst der dritte deutsche Sieg über Kanada im Rahmen einer Weltmeisterschaft. Und er beendete eine besondere Durststrecke: Schließlich war der letzte Erfolg über die Ahornblätter schon 25 Jahre her. Damals war es ein 5:1 bei den Titelkämpfen in Wien. „Da sieht man mal, wie alt wir sind“, war der erste Gedanke von Bernd Kühnhauser, als er vor dem TV damit konfrontiert wurde.

Rick Goldmann, Co-Kommentator auf Sport1 hatte die Jahreszahl ins Spiel gebracht, er war schließlich dabei, 1996 in Wien. Aber auch der gebürtige Rosenheimer Kühnhauser (49), aktuell im Nachwuchs der Starbulls Rosenheim als Trainer aktiv. Wie auch Martin Reichel (47), der seine lange aktive Karriere 2010 als Meisterkapitän der Starbulls-Oberliga beendet hat und seither die jungen Puckjäger an der Mangfall schult.

Martin Reichel im Starbulls-Dress.

Mit Reichel ist auch die Brücke zur aktuellen DEB-Auswahl geschlagen, denn Filius Lukas, der viele Jahre im Starbulls-Nachwuchs verbrachte und nun mit den Eisbären Berlin Deutscher Meister geworden ist, gehört zu den auffälligen Spielern im bisherigen Turnierverlauf. Mit aktuell zwei Toren und drei Vorlagen aus drei Begegnungen punktet der NHL-Erstrundendraft bei seiner ersten Weltmeisterschaft schon recht fleißig. „Der Lukas spielt unglaublich“, lobt Kühnhauser – und verrät: „Sein Tor gegen Norwegen habe ich mir acht Mal angeschaut. Wie der den mit der Vorhand reinchippt, das ist schon richtig stark.“

Nicht die einzige Vater-Sohn-Paarung

Martin und Lukas Reichel sind in der deutschen WM-Geschichte trotz der wenigen Erfolge über Kanada nicht die einzige Vater-Sohn-Paarung, die gegen die Ahornblätter triumphiert hat: Mathias Niederberger war diesmal im Tor bärenstark, sein Vater Andy verteidigte 1987, als der DEB-Auswahl, damals ebenfalls in Wien, der erste Sieg über Kanada gelang.

Beim 5:3 waren damals mit Karl Friesen, Wacki Kretschmer, Schorsch Franz, Manfred Ahne, Ernst Höfner und Axel Kammerer gleich sechs Rosenheimer Spieler im Einsatz, mit Udo Kießling, Niederberger, Butzi Reil und Didi Hegen vier weitere, die davor oder danach das Rosenheimer Dress trugen – und ein Stürmer namens Miro Sikora aus Köln, wegen dessen Teilnahme der Sieg nicht gewertet wurde. Sikora hatte im Juniorenbereich bereits für Polen an einer WM teilgenommen und war deshalb nicht spielberechtigt, die Punkte waren deshalb weg.

Reichels besonderes Viertelfinale

Neun Jahre später an gleicher Stelle blieben die Punkte bei der DEB-Auswahl. Das 5:1 war die Belohnung für die davor schon sehr ordentlichen Leistungen gegen Russland (1:2) und die USA (2:4). „Wir hatten damals auch schon eine große mannschaftliche Geschlossenheit“, sagt Kühnhauser, der zu dieser Zeit schon für Düsseldorf – gemeinsam mit Papa Niederberger – spielte.

Diese Geschlossenheit führte die deutsche Mannschaft, in der neben den Stürmern Kühnhauser, Reichel und Hegen auch die Verteidiger Mike Heidt und Markus Wieland sowie die Torhüter Klaus Merk und Christian Künast einen Rosenheim-Bezug hatten, bis ins Viertelfinale. „Das war unser Ziel und für Deutschland damals eine Riesensache“, sagt Reichel. Er erinnert sich vor allem an das Viertelfinale, weil er dort seinem Geburtsland Tschechien gegenüber stand – wo Bruder Robert spielte und das Team nach dem 6:1-Sieg im Viertelfinale bis zum WM-Triumph führte. Im Endspiel gab es für Tschechien einen 4:2-Erfolg – über Kanada.

„Die hatten keine Angst vor Körperkontakt“

War die Niederlage gegen Deutschland für das kanadische Team damals so eine Art Weckruf? „Ich glaube schon“, sagt Derek Mayer (54). Der Verteidiger stand Kühnhauser und Reichel damals gegenüber, heute stehen sie oft im gleichen Outfit auf dem Eis. Mayer ist nämlich seit 2019 in Diensten der Starbulls Rosenheim, ist Co-Trainer der Oberliga-Mannschaft und auch bei den Nachwuchsteams im Einsatz. „Viele aus unserer Mannschaft hatten gemeint, dass wir hart spielen und der Gegner dann schon von der Eisfläche verschwindet“, sagt Mayer.

Derek Mayer spielte 1996 für Kanada.

Er wusste es aber anders, schließlich hatte er damals schon für Tappara Tampere in Finnland gespielt. „Die Deutschen hatten keine Angst vor Körperkontakt.“ Und so wurden die namhaften NHL-Spieler – im Kader finden sich zehn Stanley-Cup-Erfolge – überrumpelt. Nach 29 Sekunden ging Deutschland in Führung, nach Beginn des zweiten Drittels dauerte es 40 Sekunden, ehe die DEB-Auswahl den zweiten Treffer nachlegte. Am Ende trafen Mark MacKay, Jan Benda, Benoit Doucet, Peter Draisaitl und Jochen Hecht zum deutschen Sieg.

Star-Torhüter Brodeur fünf Treffer eingeschenkt

„Das war schon eine Riesensache, so ein Team mit den ganzen NHL-Spielern zu schlagen“, sagt Reichel. Immerhin konnte man Star-Torhüter Martin Brodeur fünf Treffer einschenken und den späteren Superstar Paul Kariya (über 1000 NHL-Scorerpunkte) in Schach halten. „Das ist mir erst ein paar Jahre später bewusst geworden, gegen wen man da gespielt hat“, bekennt Kühnhauser. Seine besondere Erinnerung an das Spiel war ein Missgeschick: „Wir hatten erstmals in schwarzen Trikots gespielt und Kanada in weiß, wie ansonsten wir. Und nach einem langen Wechsel war ich ausgepumpt und wollte auf die Bank – und bin prompt bei den Kanadiern gestanden!“

Die deutsche Mannschaft wurde übrigens von einem Kanadier betreut: George Kingston war zuvor eine Ikone bei den Ahornblättern. „Er hatte eine Riesenerfahrung und hat uns super vorbereitet“, sagt Reichel. Vielleicht hatte dem Favoriten diese Vorbereitung gefehlt: „In Kanada zählt nur die NHL. Und die Spieler, die bei der WM auflaufen, sind zuvor in der NHL ausgeschieden. Sie kommen also mit einer Enttäuschung und einer langen Saison in den Knochen“, weiß Mayer. Er sagt aber auch: „Wenn jemand das Trikot anzieht, dann möchte man sein Land auch mit Stolz repräsentieren.“ Was 1996 mit dem Finaleinzug dann auch geklappt hat. WM-Silber wird den Kanadier aber trotzdem nicht vor dem Flachs unter den Rosenheimer Nachwuchstrainern schützen...

„Das schaut bislang sehr stabil aus“

Zumal Kanada in der laufenden WM nach drei Spielen noch ohne Punkt dasteht. „Es wird langsam peinlich“, sagt Mayer, „die müssen sich jetzt zammreißen“. Der deutschen Mannschaft traut er einiges zu: „Die hat einen Lauf“, sagt er, hat aber auch noch Verbesserungspotenzial gesehen: „Gegen Kanada haben sie viele Chancen zugelassen. Das darf nicht mehr passieren.“

Martin Reichel imponiert die Einsatzfreude der Mannschaft von Bundestrainer Toni Söderholm (mit dem Mayer übrigens in München und beim SC Riessersee zusammengearbeitet hat): „Es macht Spaß, ihnen zuzuschauen. Wie die sich in die Schüsse reingeworfen haben!“ Kühnhauser vermutet, dass am gestrigen Ruhetag „sehr viel Eis für die blauen Flecken unterwegs war“. Er lobt das Auftreten: „Das schaut bislang sehr stabil aus, das Umschaltspiel geht ruckzuck.“ Martin Reichel ortet im Team „eine Euphorie. Die müssen jetzt so weiterspielen. Das Viertelfinale wäre schon eine Riesensache. Und dann geht es immer nur um ein Spiel.“

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