1:2 gegen Russland

Deutsche Eishockey-U20: Das Viertelfinale verloren, aber den Respekt erarbeitet

Voller Einsatz: Artemi Knyazev (rechts) aus Russland drückt Mario Zimmermann gegen die Bande.
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Voller Einsatz: Artemi Knyazev (rechts) aus Russland drückt Mario Zimmermann gegen die Bande.

Wenn eine deutsche Eishockey-Nationalmannschaft früher gegen Russland in einem WM-Viertelfinale mit 1:2 verloren hätte, dann wäre gefeiert worden. Weil man gut mitgehalten hätte. Auch die deutsche U20-Auswahl wird nach diesem Resultat zurecht gefeiert. Aber: Im Team selbst herrschte erst einmal Enttäuschung.

Edmonton – Sie waren enttäuscht, weil mehr dringewesen wäre. Und genau das beweist die Qualität, den Charakter und den Ehrgeiz der deutschen Youngster, die im Rahmen der Weltmeisterschaft sämtlichen Widerständen trotzten. Am Ende standen bei den Titelkämpfen in Kanada die beste Platzierung einer deutschen U20-Eishockey-Mannschaft in der WM-Geschichte und ganz viel Respekt von allen Experten. Fester Bestandteil der DEB-Auswahl waren mit dem gebürtigen Waldkraiburger Mario Zimmermann (EV Landshut), dem Rosenheimer Starbulls-Spieler Enrico Henriquez-Morales und dem Burghauser Simon Gnyp (Kölner Haie mit Förderlizenz für den EC Bad Nauheim) gleich drei Akteure aus der Inn/Salzach-Region.

Online-Training im Hotel-Zimmer

Positive Corona-Fälle im Vorfeld sorgten dafür, dass beispielsweise der Ex-Rosenheimer Lukas Reichel nicht mit dabei sein konnte. Positive Corona-Fälle nach der Ankunft in Kanada verurteilten das Team zu Einzelquarantäne im Hotelzimmer. Keiner durfte sein Zimmer verlassen und Kontakt gab es nur in den Video-Meetings. „Es war schon ziemlich langweilig“, so Henriquez, „wir wollten natürlich alle einfach nur aufs Eis. Mit den Online-Trainingseinheiten mit unserem Fitnesscoach haben wir die Tage relativ gut überbrücken können, aber so stellt man sich die Zeit mit der Nationalmannschaft natürlich nicht vor.“

Mit nur einer Trainingseinheit und einer Notbesetzung mit nur 14 Feldspielern ging es in die Partien gegen Finnland (3:5) und Gastgeber Kanada (2:16). „Wir haben gegen die Finnen ein gutes erstes Spiel gemacht, das wir am Ende auch gewinnen hätten können“, sagt Henriquez. Und Zimmermann ergänzt: „Mit dem zweiten Spiel nur 24 Stunden nach dem ersten ist uns dann die Luft ausgegangen. Wichtig ist, dass wir uns davon nicht unterkriegen haben lassen und gegen die Slowakei und die Schweiz die richtige Reaktion gezeigt haben.“ Mit den beiden Erfolgen, wobei Zimmermann gegen die Slowakei in der Verlängerung zum Sieg traf, holte sich das Team den dritten Gruppenplatz. „Wir waren hochmotiviert und haben eine starke Charakterleistung gebracht“, bilanziert Henriquez – und erklärt: „Durch die Umstände in den letzten Tagen und Wochen sind wir als richtiges Team zusammengewachsen.“

Dem Favoriten Paroli geboten

Das hat man auch im Viertelfinale gegen Russland gesehen, als die deutsche Mannschaft, die noch immer auf drei Spieler verzichten musste, dem Favoriten das Leben richtig schwer machte. Am Ende musste man sich nach großem Kampf mit zwei Alu-Treffern mit 1:2 geschlagen geben.

Zimmermann ausgezeichnet

Für die heimischen Spieler war es trotz der Umstände eine gelungene WM: Zimmermann, Gnyp und Henriquez bestritten alle Partien. Gnyp hatte mit die meiste Eiszeit aller Turnierspieler und legte vier deutsche Treffer auf. Henriquez blieb ohne Scorerpunkt, lieferte aber hervorragende Defensivarbeit ab. Und Zimmermann traf zum Sieg über die Slowakei und wurde nach dem Russland-Spiel neben Torwart Florian Bugl (Red Bull Salzburg Juniors) und Stürmer Tim Stützle (Adler Mannheim, künftig Ottawa Senators/NHL) als einer der besten deutschen Turnierspieler ausgezeichnet.

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