Der erste Deutsche-Meisterschaft-Titel für Jessica von Bredow-Werndl

So strahlt eine Deutsche Meisterin: Jessica von Bredow-Werndl und TSF Dalera BB.
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So strahlt eine Deutsche Meisterin: Jessica von Bredow-Werndl und TSF Dalera BB.

Bei den Deutschen Meisterschaften der Dressurreiter in Balve gewinnt die Aubenhausenerin Jessica von Bredow-Werndl mit TSF Dalera BB Gold im Grand Prix Special und Silber in der Grand Prix Kür.

Balve – Größer hätte die Freude über den ersten Titel bei Deutschen Meisterschaften nicht sein können. Mit dem persönlichen Bestergebnis von 83,549 Prozent sicherten sich Jessica von Bredow-Werndl und ihre Championatspartnerin TSF Dalera BB in Balve den Sieg im Grand Prix Special. Schon direkt nach der Schlussaufstellung hatte die 34-Jährige gejubelt und ihre Stute überschwänglich für die herausragende Vorstellung gelobt.

Dabei war zu diesem Zeitpunkt noch nichts entschieden, denn unmittelbar nach der Aubenhausenerin ritt Isabell Werth mit Weihegold OLD ins Viereck. Wie zu erwarten ritt auch die Führende der Weltrangliste auf Sieg. Es sollte ein Duell auf Augenhöhe werden.

3:2-Entscheidung für von Bredow-Werndl

Zwei Richter setzten Werth auf Rang eins, aber die drei anderen sahen eindeutig ihre junge Herausforderin vorne. 82,569 Prozent standen am Ende für die sechsfache Olympiasiegerin auf der Anzeigetafel – die Silbermedaille. Die 51-jährige Ausnahmereiterin nahm ihre Niederlage sportlich. „Das war ein guter Battle mit Jessi“, zollte Werth ihrer einstigen Schülerin Respekt.

Von Bredow-Werndl und ihr Bruder hatten nach ihrer Junge-Reiter-Zeit mehrere Jahre bei der erfolgreichsten Reiterin der Welt trainiert. „Davon profitieren wir noch heute. Ich habe immer zu Isabell aufgesehen. Dass ich mit ihr zusammen auf dem Treppchen stehe, ist etwas Besonderes für mich“, sagte von Bredow-Werndl nach der Entscheidung.

„Ich war morgens sehr aufgeregt“

Seit 2013 nimmt die Weltranglistendritte an Deutschen Meisterschaften in der Altersgruppe der Reiter teil. Drei Bronzemedaillen hatte sie mit Unee BB gewonnen, zwei weitere Bronzemedaillen und Kür-Silber errang die Mannschaftswelt- und -europameisterin mit der inzwischen 13-jährigen Trakehnerstute TSF Dalera BB. In diesem Jahr hatte Werth in der Einlaufprüfung, dem Grand Prix, nur sechs Punkte vor von Bredow-Werndl gelegen. Der lang ersehnte DM-Titel rückte damit für sie in greifbare Nähe. Aber auch der Druck war enorm.

„Ich war morgens sehr aufgeregt“, gestand die junge Mutter. Sie sei viel spazieren gegangen an diesem Tag, mit ihrem Sohn Moritz und mit TSF Dalera BB. Atemübungen und das Einflechten der Mähne, ihre Rituale vor jeder Prüfung, hätten ihr geholfen ruhiger zu werden und sich ganz auf die Aufgabe zu konzentrieren. „Aber alles so auf dem Punkt beieinander zu haben, ist schon schwer“, sagte die 34-Jährige. Als der Titelgewinn klar war und sich die Anspannung löste, flossen auch ein paar Tränen.

Auch Bruder Benjamin überzeugte

Auch für Benjamin Werndl lief es in Balve sportlich sehr gut. Neben Werth war er der einzige, der zwei Pferde in der Meisterschaft an den Start brachte. Sowohl den erfahrenen Daily Mirror als auch den erst elfjährigen Famoso OLD präsentierte er in Top-Form. Im Special kam Werndl mit seinem Routinier weit nach vorne. Nur sieben Punkte fehlten ihm zur Bronze-Medaille.

Mit Famoso OLD platzierte er sich als Sechster. In der Kür hätte Werndl mit Daily Mirror reelle Chancen auf Bronze gehabt, doch er musste auf den Start verzichten. Am Samstagabend verunglückte der 36-jährige Olympiakaderreiter im Rahmen eines Show-Wettkampfs mit einem Segway und brach sich das Schlüsselbein.

Knappe Entscheidung in der Kür

Die beiden Favoritinnen Werth und von Bredow-Werndl ritten auch in der Kür in einer eigenen Liga und boten mit ihren Stuten Vorstellungen auf Weltklasseniveau. Starke 89,350 Prozent legte das Paar aus Aubenhausen vor. Werth sicherte sich mit 90,825 Prozent, einem neuen DM-Rekord, ihren 16. Titel bei Deutschen Meisterschaften. Von Bredow-Werndl hätte zwar „auch gerne gewonnen“, war aber hochzufrieden mit TSF Dalera BB und freute sich über ihre zweite DM-Silbermedaille. Bronze ging – wie schon im Special – an Reitmeisterin Dorothee Schneider und ihr zwölfjähriges Nachwuchspferd Faustus (81,600 Prozent).

Wie es mit dem Turniersport weitergeht, ist derzeit ungewiss. Diverse internationale Hallenreitturniere, z.B. in Stuttgart und München, wurden bereits abgesagt. Die Weltcup-Saison wird in jedem Fall weniger Stationen haben.

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