„...dann ist man auf dem Holzweg“

Cheftrainer Michael Greis(links) und Sportdirektor Bernd Eisenbichler während der Einkleidung des Biathlon-Teams der USA bei Maloja in Rimsting. Wukits
+
Cheftrainer Michael Greis(links) und Sportdirektor Bernd Eisenbichler während der Einkleidung des Biathlon-Teams der USA bei Maloja in Rimsting. Wukits

2012 hat Michael Greis seine großartige Biathlon-Karriere beendet. Der dreifache Olympiasieger, dreimalige Weltmeister und Gesamtweltcup-Gewinner war in den folgenden Jahren TV-Experte für Eurosport – nun ist er wieder mittendrin statt nur dabei. Nach knapp zwei Jahren als Nachwuchstrainer in der Schweiz kehrt der Allgäuer als Cheftrainer der USA in den Weltcup-Zirkus zurück.

Rimsting– Bei der Einkleidung der Mannschaft bei Maloja in Bach bei Rimsting nahm sich der 42-Jährige Zeit für die Medien und erzählt über seine neue Aufgabe, die Erwartungen, Probleme und Ziele sowie gute Erinnerungen.

Wie sind Sie zum US-Team gekommen?

Nachdem ich mich entschlossen habe, nach der Saison mein Engagement in der Schweiz zu beenden, hat sich Bernd Eisenbichler nach meiner beruflichen Zukunft informiert. Das war der erste lose Kontakt. Anschließend haben wir uns in Pyeongchang getroffen und miteinander diskutiert. Das Jobangebot wurde dann immer konkreter und Ende April haben wir uns auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Für mich ist das eine super Herausforderung und zugleich ein kleines Abenteuer. Es ist schon eine andere Kultur und für mich auch ein Lernprozess. Bisher finde ich es super, trotz der vielen Reiserei macht es Spaß.

Wie machen Sie das mit den Entfernungen?

Der Hauptstützpunkt ist in Lake Placid, dort absolvieren wir auch die meisten Lehrgänge. Dort wohnen die meisten Athleten, aber eigentlich ist das Land riesig groß, und das ist jetzt die neue Aufgabe für Tim Burke, die Entwicklung der verschiedenen Leistungszentren voranzubringen. In der Lehrgangsplanung legen wir besonderen Wert darauf, dass die Reisestrapazen nicht zu groß sind.

Was sind Ihre ersten Erwartungen?

Das grobe Ziel ist, dass wir den Nationenplatz aus dem letzten Jahr, das war der 13., halten und Tim Burke und Lowell Bailey, die aufgehört haben, ersetzen können. Wir haben mit Sean Doherty einen Talentierten, der im Juniorenbereich schon Medaillen geholt hat. Sean und Leif Nordgren sollten in die Fußstapfen der beiden treten.

Ist es besser für einen neuen Trainer, wenn ein Team im Umbruch ist?

Schwierig zu sagen, das ist sicherlich von Typ zu Typ unterschiedlich. Ich hoffe, dass es besser ist. Man kann auf alle Fälle neue Dinge einführen. Ich habe versucht, ihnen meine Trainingsphilosophie beizubringen. Es benötigt jedoch immer einige Zeit, bis eine Adaption stattfindet. Ein Beispiel: Wenn man in Deutschland über Technik spricht, dann spricht man auch über das jeweilige Körpergefühl. Das ist in Muttersprache nicht ganz einfach, und jetzt in Englisch schon eine gewisse Herausforderung. Die Jungs merken aber, dass ich mit voller Leidenschaft dabei bin und ich will sehen, dass sie diese Saison um jede Sekunde und jedes Zehntel fighten.

War Ihnen schon früher klar, dass Sie Trainer werden wollen?

Das war nicht unbedingt klar. Ich habe nach meiner aktiven Karriere in Ansbach international Management studiert und war dann mit Eurosport als Experte unterwegs. Es war gut, wenn man Kontakt halten kann, andererseits aber auch gut, wenn man mal Abstand gewinnt. Der Trainerjob hat sich dann so ergeben.

Als Trainer haben Sie bislang zwei Jahre Erfahrung beim Nachwuchs in der Schweiz. Glauben Sie, dass das ein Problem sein kann?

Es gibt immer verschiedene Trainerphilosophien. Und auch als Trainer lernt man immer. Wenn man denkt, man weiß alles, dann ist man auf dem Holzweg. Ich habe mit Biathlon zu tun, seitdem ich 13 Jahre alt bin, von daher viel Erfahrung. Ich habe methodisch viel gemacht und mit dem Hochschulstudium eine wissenschaftliche Ausbildung. Ab einem gewissen Punkt muss man mit dem Sportler gemeinsam im Dialog etwas erarbeiten. Da ist eher die sprachliche Komponente entscheidend, wie ich die Reize setzen kann.

Sie haben die deutsche Mannschaft auch im Blick. Das mit Laura Dahlmeier ist schon speziell, dass sie später einsteigt, oder?

Ich bin zu weit weg, um das genau zu analysieren. Die Weltcup-Startplätze sind im deutschen Team sehr umkämpft, da kann es schon mal vorkommen, dass man das Startrecht an seine Kollegin verliert. Das wird Laura natürlich jetzt nicht passieren. Ich hoffe, dass sie das Richtige macht. Sie war super erfolgreich, hat jedoch zeitgleich einen enormen Leistungsdruck, damit muss man erst einmal umgehen können. Ich weiß, dass sie professionell arbeitet.

War ein Trainerjob in Deutschland für Sie persönlich überhaupt kein Thema?

Es gab mal Gespräche, ob ich nicht Interesse hätte, im Nachwuchsbereich einzusteigen. Die wurden aber nicht großartig weitergeführt, da ich bereits mit Bernd Eisenbichler in Verhandlung stand.

Wenn Sie nach Amerika fliegen, haben Sie dann Ihre erste Weltcup-Teilnahme noch im Hinterkopf? Die war in Soldier Hollow.

Ich war erst kürzlich im Lehrgang auf der Anlage. Das war ein Riesenkampf damals, dass ich überhaupt mal ein Startrecht bekomme, da es unglaublich viele gute Athleten im Anschlussbereich gab. Ich bin erst 66. geworden und dann zweimal Sechster – das hatte sich dann doch einigermaßen gelohnt. Doch, daran habe ich super Erinnerungen. Ich mag den Spirit der Olympiaanlage ganz gerne.

Wenn jetzt dann der Weltcup startet, dann ist Ole Einar Björndalen nicht mehr mit dabei. Wird er Ihnen fehlen?

Es wäre schon ganz witzig gewesen, wenn ich ihn nochmal gesehen hätte. Wenn man so eine unglaubliche Karriere hatte, dann darf man sich in diesem Alter zur Ruhe setzen. Er ist zwei Jahre älter als ich. Das war ein Profi durch und durch. Der hat sich jedes Jahr optimiert und war immer motiviert. Was mich am allermeisten gefreut hat, war sein Olympiasieg 2014 in Sotschi – das war eine taktische Meisterleistung. Vielleicht sehen wir in diese Saison mal als Experte im norwegischen Fernsehen, das kann ich mir gut vorstellen. Interview: Neumeier/Kifinger

Kommentare