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Corona-Test vor jedem Spieltag ‒ einheimische Profisportvereine dürfen weiterhin spielen

Blocken vor den leeren Rängen: Mühldorfs Fabian Bartsch (Nummer 14) und Florian Gschwendtner (Nummer 8).
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Blocken vor den leeren Rängen: Mühldorfs Fabian Bartsch (Nummer 14) und Florian Gschwendtner (Nummer 8).
  • vonLeon Simeth
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Spieler, Trainer, Verantwortliche, Fans, Sponsoren – alle haben sich das ganze Jahr auf den mehrmals verschobenen Re-Start gefreut. Jetzt steht der Sport schon wieder still. Nur auf Profi-Ebene geht es weiter.

Rosenheim/Mühldorf – Während die Amateursportler pausieren müssen, dürfen die Profis ihre Sportarten ausüben. Die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs funktioniert aber vor allem wegen den Schutzmaßnahmen nur mit großem Aufwand. Die OVB-Sportredaktion hat bei den heimischen Profisport-Mannschaften nachgefragt, was alles zu erledigen ist, um einen reibungslosen und konformen Spielbetrieb garantieren zu können.

„Gemeinsam Kämpfen und Siegen“: Starbulls-Fans unterstützen ihre Spieler und zeigen trotz Abwesenheit ihre Präsenz mithilfe von Bannern in der Mangfall-Kurve.

Die Fieberpistole gehört dazu

In der letzten Zeit hat sich in allen Sportarten und -vereinen im Vergleich zum normalen Spielbetrieb einiges verändert. Bei den Eishockeyspielern der Starbulls Rosenheim ist die Fieberpistole im Eisstadion mittlerweile genauso gängig wie der Schläger oder die Schlittschuhe. „Alle, die zur Mannschaft gehören, sind zu Beginn der Saison negativ getestet worden. Jeden Tag oder vor jedem Spiel die ganze Mannschaft zu testen ist unmöglich, daher haben wir uns eine Alternative überlegt“, so Ingo Dieckmann, organisatorischer Leiter Sport der Starbulls. „Bei jedem Spieler wird täglich Fieber gemessen, bevor er in die Kabine geht. Außerdem müssen die Spieler zu Hause bleiben, sobald sie irgendwelche Symptome haben. Natürlich ist es für einen Spieler ärgerlich, alles einzustellen, obwohl man nur leicht verschnupft ist. Das war ja, im Herbst oder Winter, vor der Corona-Pandemie völlig normal. Aber schließlich sind das Profis und sie müssen da durch. Wir ziehen das auch konsequent durch. Alle haben sich an die vorgegebenen Regeln gehalten und trotzdem hat es uns jetzt mit drei positiv getesteten Spielern erwischt“, erklärte Dieckmann.

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Nur in der Spielbox keine Maske

Auch bei den Kolbermoorer Bundesliga-Tischtennisdamen werden alle Hygienemaßnahmen eingehalten. „Bei jedem, der die Halle betritt, wird vorher Fieber gemessen. In der Halle herrschen die Abstandsregeln und Maskenpflicht. Für die Spielerinnen gilt die Maskenpflicht in der ganzen Halle, nur in der Spielbox muss keine Maske getragen werden. Da halten sich aber auch nur die beiden Spielerinnen auf“, so Günther Lodes, Vorstand vom SV-DJK Kolbermoor. Auch in den Umkleiden gibt es strenge Vorgaben: Maskenpflicht und zwischen jedem Platz müssen mindestens 1,5 Meter Abstand sein. Der SV-DJK Kolbermoor kann alle Vorschriften erfüllen. „Wir können dank der großen Halle alles super umsetzen“, freut sich Günther Lodes.

Strengere Vorgaben bei den Volleyballern vom TSV Mühldorf

Strenger sind die Vorgaben bei den Volleyballern vom TSV Mühldorf, die in der vergangenen Saison in die 2. Bundesliga aufgestiegen sind. Jeder Spieler und alle Offiziellen, die sich in der sogenannten Wettkampfzone aufhalten, müssen vor jedem Spieltag negativ auf das Corona-Virus getestet sein. „Da Mühldorf ein Risikogebiet ist, müssen wir vor jedem Spiel getestet werden. Die Schnelltests bezahlt der Verein. Ein Test kostet acht Euro, das sind pro Spieltag an die 160 Euro, da wir immer knapp 20 Leute testen müssen. Da kommt im Laufe der Saison schon ganz schön etwas zusammen“, berichtet Stefan Bartsch, der Abteilungsleiter vom TSV Mühldorf. „Um diese Kosten stemmen zu können, müssen wir wo anders sparen. Was anderes bleibt uns nicht übrig. Die kompletten Zuschauereinnahmen fallen weg, daher müssen wir schauen, wie wir die Kosten kompensieren können. Die Spiele werden per Live-Stream übertragen, dort haben die Fans die Chance, den Verein auf Spendenbasis zu unterstützen“, erklärt Bartsch. „Ärgerlich ist, dass wir vom ‚Topf zur Förderung der Sportvereine‘ von der Staatsregierung nicht so viel bekommen. Gemessen wird das an den Zahlen der letzten Saison, als wir noch eine Liga tiefer gespielt haben. Natürlich sind wir froh, dass wir überhaupt etwas bekommen, aber in dieser Liga fallen einfach viel höhere Kosten an, als noch im letzten Jahr“, führt er fort.

Spielen weiter um die deutsche Meisterschaft: Svenja Brunckhorst (am Ball) und der TSV Wasserburg.

Bei Wasserburgs Basketballdamen wird jeden Mittwoch getestet

Auch bei den Bundesliga-Basketballerinnen vom TSV Wasserburg werden die Spielerinnen wöchentlich auf das Corona-Virus getestet. „Die Tests werden jeden Mittwoch gemacht, so haben wir am Donnerstag die Ergebnisse und wissen, ob wir am Wochenende spielen können. Dabei müssen alle, die etwas mit der Mannschaft zu tun haben – also alle Spielerinnen, die Trainerin, alle Betreuer und Physios – getestet werden. Ohne die Tests würde das alles aber auch nicht gehen. Bevor das die Vorgabe gewesen ist, mussten viele Spiele verlegt oder abgesagt werden“, so Wasserburgs Abteilungsleiterin Paula Zaschka. Die Tests seien eine Vorgabe vom Deutschen Basketball-Bund, der das Ganze auch organisiert und einen Vertrag mit einem Labor abgeschlossen hat. Dabei sei aber noch vieles ungeklärt: „Aktuell muss der Verein die Tests zahlen. Ob wir dafür irgendwelche Zuschüsse vom Verband bekommen wissen wir noch nicht, da ist vieles noch relativ offen. Es ist auch erst die zweite Testwoche, wir befinden uns hier noch in der Testphase“, erklärt Zaschka. „Ich weiß nicht, wo das hinführt und wir hoffen, dass wir nicht die ganze Saison selber zahlen müssen. Ohne Zuschauereinnahmen wird es dann extrem schwierig. Die finanzielle Situation ist im Moment nicht überschaubar.“

Mit der ganzen Mannschaft im großen Bus zu den Auswärtsspielen

Auswärtsfahrten sind für die heimischen Profisportvereine noch das geringste Problem. „Wir dürfen mit der ganzen Mannschaft in einem großen Bus zu den Auswärtsspielen fahren. Dabei müssen aber die Abstandsregel und die Maskenpflicht beachtet werden. Die Spieler sitzen also immer alleine in einer Busreihe, sodass der nötige Abstand gegeben ist“, so Dieckmann über die Gastspiele der Starbulls Rosenheim. Bei den Tischtennisdamen vom SV-DJK Kolbermoor läuft das anders ab: „Die meisten Spielerinnen wohnen nicht in der Region, und reisen einzeln an“, erklärt Abteilungsleiter Lodes.

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Beim TSV Wasserburg und dem TSV Mühldorf ist die Busreise zu den Auswärtsspielen unkompliziert. „Nachdem die ganze Mannschaft und alle, die bei den Spielen dabei sind negative Tests abgelegt haben, ist das natürlich gar kein Problem“ so Paula Zaschka.

Profi-Teams sind Geschäftsreisende

Da die gegnerischen Mannschaften aufgrund der hohen Spielklassen aus ganz Deutschland stammen, sind die Mannschaften bei Auswärtsspielen oft dazu gezwungen, zu übernachten. Laut der Bundesregierung dürfen Geschäftsreisende weiterhin in Unterkünften über Nacht bleiben. Da es sich um Profi-Teams handelt, zählen die Auswärtsfahrten zu Geschäftsreisen – also dürfen sie weiterhin problemlos in Hotels schlafen. „Wir werden das Übernachten bei Gastspielen so lange es geht aufrecht erhalten. Es ist einfach besser für die Leistung der Spieler“, erklärt Mühldorfs Abteilungsleiter Stefan Bartsch. „Bisher hat es keine Schwierigkeiten gegeben zu übernachten, allerdings muss man im Vorhinein Essen organisieren, das dann natürlich nur auf dem Hotelzimmer oder im Bus gegessen werden kann“, so Bartsch. Im Großen und Ganzen seine die Auswärtsfahrten keine großen Schwierigkeiten. „Man findet schon eine Lösung, es muss im Voraus nur mehr organisiert werden“.

Probleme bei der Verpflegung

Auch die Basketballerinnen aus Wasserburg übernachten gelegentlich an Auswärtswochenenden. „Wir können es den Busfahrern nicht zumuten, dass sie spät abends noch so weit nach Hause fahren“, stellt Paula Zaschka klar. „Wir haben letztens erst in Freiburg übernachtet und da war es überhaupt kein Problem. Die Verpflegung war dabei die größere Schwierigkeit. Einerseits kann man nirgendwo mehr zum Essen hingehen und andererseits haben viele Restaurants zu den Zeiten, wenn unsere Spiele zu Ende sind, schon geschlossen. Man muss halt davor etwas ausmachen und beispielsweise Pizza bestellen, die es natürlich nur ‚to go‘ gibt“, erklärt Wasserburgs Abteilungsleiterin.

Svetlana Ganina vom SV-DJK Kolbermoor reist zu den Spielen selbstständig an.

Keine Probleme mit den Übernachtungen

Bei Kolbermoors Tischtennis-Spielerinnen ist es jedem selbst überlassen, ob sie über Nacht bleiben oder nicht. „Da die einzelnen Spielerinnen selbst anreisen, hängt es natürlich von der Enfernung vom jeweiligen Wohnort ab, ob unsere Damen in einem Hotel übernachten. Dabei gibt es aber keine Probleme, da es für die Akteurinnen Arbeit ist. Auch bei unserem ersten Heimspiel hat mit der Gastmannschaft alles gut funktioniert“, so Günther Lodes.

Bei den Rosenheimer Eishockeyspielern wird im Normalfall bei einem Auswärtsspiel nicht übernachtet. „Während der Saison ist es bei jedem Gegner möglich, nach dem Spiel wieder heimzufahren, da die Entfernungen in der Oberliga überschaubar sind“, so Ingo Dieckmann und ergänzt: „Mit der U20 sind zwei Spiele in Dresden geplant gewesen – eins am Samstag und eins am Sonntag. Die Spieler sind aber keine Profis, also ist es nicht möglich gewesen dort zu übernachten.“ les

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