Kampf gegen Corona-Pandemie

Nach dem „Lockdown light“: Wo der Sport jetzt zusperrt - alle Sparten im Überblick

So sieht es aus, wenn die Starbulls Rosenheim ihre Eishockey-Heimspiele vor leeren Rängen bestreiten müssen.
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So sieht es aus, wenn die Starbulls Rosenheim ihre Eishockey-Heimspiele vor leeren Rängen bestreiten müssen.
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  • Thomas Neumeier
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  • Hans-Jürgen Ziegler
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  • Leon Simeth

„Lockdown light“ sind die Maßnahmen der Bundesregierung in der Corona-Pandemie für den November bezeichnet worden. Im Sport gilt das „light“ für den Profibereich, wo Spiel- und Trainingsbetrieb noch durchgeführt werden können. Für den Amateur- und Breitensport gilt hingegen ein kompletter Lockdown!

Rosenheim/Mühldorf – Der Profisport geht weiter, die Basis hingegen sperrt zu. Die Entscheidung der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten hat den Sport bis ins Mark getroffen – auch hier in der Region. In vielen Sportarten müssen die Verbandsfunktionäre jetzt umplanen, manche Ligen sind bereits komplett abgesagt worden. Die OVB-Sportredaktion liefert einen Überblick:

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Badminton: Hier haben sich die Sportwarte der sechs bayerischen Badminton-Bezirke und die spielleitenden Stellen der drei bayerischen Ligen auf Landesebene zusammengeschlossen und die komplette Vorrunde abgesagt. Über eine Austagung und Wertung der Rückrunde soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Sollte ein Rückrundenstart im Januar nicht möglich sein, werde man weitere Wochenenden im April, Mai und Juni als mögliche Spieltage benennen, heißt es.

Basketball: Zwischen Prof i- und Breitensport steht die Basketball-Abteilung des TSV Wasserburg. „Wir wollen nicht nur Profibasketball haben, sondern möglichst viele Jugendliche spielen lassen“, sagt Paula Zaschka aus der Abteilungsleitung. Die Jugend- und Amateurligen im Basketball ruhen allerdings ab Montag. Das betrifft dann auch die Regionalligen mit Teams vom TuS Bad Aibling (Damen und Herren) sowie SB Rosenheim (Herren). Wasserburgs Basketball-Damen zählen als Erstligist zu den Profiteams und dürfen spielen – allerdings ohne Zuschauer. Bereits das Heimspiel am Samstag gegen Hannover findet vor leeren Rängen statt, Fans können die Partie im Livestream verfolgen. „Wir wollen nicht, dass Basketball von der Bildfläche verschwindet“, sagt Zaschka.

Die Starbulls dürfen spielen, Waldkraiburgs Löwen dagegen nicht

Eishockey: Bei den Starbulls Rosenheim geht man davon aus, dass der für die Oberliga geplante Saisonstart am 6. November eingehalten wird. Grund für diese Annahme ist, dass die Oberligen auch zum Profisport gezählt werden und die 26 Vereine damit auch im „Hilfspaket Profisport“ der Bundesregierung vertreten sind. Aufgrund der aktuellen Beschlüsse werden die Starbulls im November allerdings erst einmal vor leeren Rängen auflaufen müssen. Hingegen dürfte die Saison im Nachwuchs zunächst ausgesetzt werden. Die Eishockeykommission des Bayerischen Eissport-Verbandes (BEV) hat derweil die Saison vom Montag an bis zum 30. November ausgesetzt. Dies betrifft unter anderem den EHC Waldkraiburg in der Bayernliga, den EHC Bad Aibling in der Landesliga und den DEC Inzell in der Bezirksliga. Ab dem Wochenende 5./6. Dezember soll der Spielbetrieb dann wieder aufgenommen werden, wie Obmann Frank Butz den Vereinen mitteilte. In Waldkraiburg soll die Partie am Freitag gegen Kempten noch stattfinden. „Wir werden halt ein Geisterspiel haben“, sagt EHC-Präsident Dr. Wolfgang Klose. Er betont, dass „der Seniorenbetrieb erst einmal zweitrangig ist. Viel wichtiger ist der Nachwuchs. Die Kleinen sind schon mit Tränen in den Augen am Stadion gestanden.“ Klose befürchtet den „Super-GAU für den Verein, wenn wir die Saison nicht weiterspielen können“. Es sei gut möglich, dass es keine Verzahnungsrunde mit der Oberliga und es es dadurch auch keine Auf- und Absteiger aus der Bayernliga gebe. Die beiden Kontingentspieler werde man in Waldkraiburg für den November in Kurzarbeit schicken. „Die werden wohl heimfahren. Ob sie dann wiederkommen, steht in den Sternen“, sagt Klose.

Eisschnelllauf: Die für dieses Wochenende in Inzell geplante Deutsche Meisterschaft ist abgesagt worden. „Nur wenn es uns gelingt, den wirklich sehr komplexen Anforderungen, die uns diese so besondere Krise auferlegt, gerecht zu werden, wird es auch wieder Wettkämpfe geben können“, wird Matthias Große, Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), zitiert.

Eisstockschießen: Bereits im September hat der BEV den Wintersportbetrieb für alle Ligen im gesamten BEV-Bereich von der 2. Bundesliga bis zur untersten Kreisliga sowie alle Pokalbewerbe abgesagt. Auch Wettkämpfe der 1. Bundesliga wird es in Bayern nicht geben. „Zu den Pflichten eines Verbandes gehört nicht nur die Verantwortung zur Durchführung eines geregelten Spielbetriebs, sondern auch der Schutz eines jeden Mitglieds“, heißt es.

Faustball: Eigentlich hätten am 7. November die Hallen-Bundesligen starten sollen. er komplette Spielbetrieb ist nun aber erst einmal ausgesetzt. Ob es noch eine Hallensaison geben wird, ist offen“, meldet die Deutsche Faustball-Liga (DFBL). Man denke über eine einfache Spielrunde nach, die ab Januar beginnen könnte, heißt es. Weitere Beschlüsse sollen im Dezember vom DFBL-Präsidium gefasst werden.

Fortführung der Regionalliga Bayern im November noch offen

Fußball: Der Profibereich spielt ohne Zuschauer weiter, von der Bayernliga bis zu den C-Klassen ist ab Montag bis Ende November Schluss, dies gilt auch für Frauen, Mädchen und Junioren. Offen ist noch, wie es mit der Regionalliga Bayern weitergeht. Dies will der Bayerische Fußball-Verband nach dem Wochenende beschließen. Dann soll über ein Vorziehen der Winterpause im gesamten bayerischen Amateurfußball abgestimmt werden. Im Kreis Inn/Salzach hatte man vor Wochenfrist bereits die Spiele im Ligapokal ausgesetzt. Die Hallensaison hat der BFV übrigens schon komplett abgesagt, es gibt keine offiziellen Turniere auf Kreis-, Bezirks- und Verbandsebene. „Es wäre das falsche Signal in dieser Zeit“, so BFV-Verbandsspielleiter Josef Janker. Auch das im Landkreis Rosenheim beliebte Privatturnier um den Hallenfußball-Sparkassenpokal ist frühzeitig abgesagt worden.

Handball: Der Bayerische Handball-Verband (BHV) hat schon frühzeitig reagiert und schon vor einigen Tagen den Spielbetrieb ausgesetzt. Im November sollen die Vereine über das weitere Vorgehen in der gerade begonnenen Spielzeit informiert werden. „Der BHV ist sich seiner Verantwortung gegenüber den Vereinen, Spielern, Schiedsrichtern sowie ehrenamtlichen Mitarbeitern bewusst.“

Hockey: Der Bayerische Hockeyverband hat seine Hallensaison komplett abgesagt – auch mit weitreichenden Konsequenzen: „Der Bayerische Hockeyverband meldet dem Süddeutschen Hockeyverband keinen Aufsteiger für die 2. Bundesliga Süd. Die Hallensaison der bayerischen Ligen wird 2021/22 mit denselben Mannschaften gespielt, welche in den jeweiligen Ligen der Saison 2020/21 gespielt hätten.“

Kegeln: Auch die Kegler haben ihre Bundesliga-Spieltage erst einmal verschoben. Am 18. November wolle man die weitere Vorgehensweise in Bezug auf den Spielbetrieb bekannt geben.

Ringen: Der Bayerische Ringer-Verband hat seine Ligasaison komplett abgesagt. Viele Vereine hatten nicht gemeldet, darunter auch der TV Traunstein. „Die Anzahl der verbliebenen Teams lässt uns keine andere Wahl als diesen Schritt zu gehen“, so Ligenreferent Jens Heinz.

Schießen: Die Bayernliga-Rundenwettkämpfe werden in diesem Jahr nicht mehr stattfinden. Der Ligaleiter der Bayernliga Süd-West und Süd-Ost, Christian Schiller, teilte den Vereinen mit, dass „alle vier Süd-Ligen sowohl für Luftgewehr als auch Luftpistole bis zum Ende des Jahres 2020“ ausgesetzt werden. Die Bayernliga sei damit aber nicht vorzeitig beendet, ein möglicher Neustart beziehungsweise eine Wiederaufnahme der Wettkämpfe werde frühestens am zweiten Januar-Wochenende 2021 stattfinden. Ob die Liga im Januar fortgeführt wird, soll Mitte November entschieden werden.

Kein Tischtennis in Bayern bis zum Jahresende

Tischtennis: Wie es in den oberen Ligen, also für die Damen des SV-DJK Kolbermoor in der 1. und 2. Bundesliga, weitergeht, ist am Donnerstagabend in einer Sitzung der Verantwortlichen entschieden worden. Der Bayerische Tischtennis-Verband (BTTV) jedenfalls setzt das Geschehen bis 31. Dezember aus. Der Geschäftsführer des BTTV, Dr. Carsten Matthias, begründet das Vorgehen des Präsidiums damit, dass aufgrund der Corona-Infektionszahlen, diversen bereits erfolgten Hallensperrungen, Rückziehungen von Mannschaften und die Sorgen von Spielerinnen und Spielern kein geregelter Spielbetrieb mehr möglich ist. Dies bedeutet nun, dass in allen Spielklassen von der Verbandsoberliga bis hin zur Bezirksklasse keine Mannschaftskämpfe stattfinden. Im Dezember soll dann darüber entschieden werden, ob und wie der Spielbetrieb fortgesetzt wird. Fest steht allerdings schon jetzt, dass der Pokalspielbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt wird. Er wird auch nach dem 1. Januar 2021 nicht wieder aufgenommen; somit entfallen in allen Klassen die Final-Four-Turniere. Der Bayerische Tischtennis-Verband wird bis zum 31. Dezember auch keine weiterführenden Turniere durchführen und empfiehlt zudem allen Vereinen, die bis zum 31. Dezember angesetzten Ortsentscheide der Mini-Meisterschaften auf einen Zeitpunkt nach dem 1. Januar zu verschieben.

Volleyball: Der Bayerische Volleyball-Verband wird nicht erst ab Montag den Spielbetrieb aussetzen, sondern schon zum Wochenende hin, „um jede Form der Unsicherheit auszuschließen“, wie der Verband mitteilte. Dies sei bis Ende November gültig, danach soll der Spielbetrieb fortgesetzt werden. Deutschlandweit sind die 3. Ligen und Regionalligen ausgesetzt, die 2. Bundesliga mit dem TSV Mühldorf spielt hingegen weiter – allerdings ohne Zuschauer. „Es ist schade, weil es gerade erst wieder angelaufen ist, aber es hilft ja nix“, sagt TSV-Abteilungsleiter Stefan Bartsch. Er hofft, dass vor allem der Jugendspielbetrieb nach dem November wieder fortgesetzt wird, denn: „Wir merken schon, dass die Kinder abtreiben.“ Und wenn der Nachwuchs die Zweitliga-Mannschaft nicht mehr besuchen kann, dann fehlen auch die Vorbilder für die Zukunft des Sports. Mitarbeit: Erlich

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