STOCKSCHIEßEN

Corona-EM als Olympia-Hoffnung?

In der Arena Ritten am Klobenstein waren die deutschen Sportler – hier Peter Rottmoser vom SV Schechen – schon desöfteren zu Gast.
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In der Arena Ritten am Klobenstein waren die deutschen Sportler – hier Peter Rottmoser vom SV Schechen – schon desöfteren zu Gast.

Deutsche Weitschützen kämpfen in Südtirol um Medaillen und die Zustimmung des IOC. Bei der Europameisterschaft will sich der Stocksport präsentieren, um 2026 bei den Olympischen Spielen an den Start gehen zu dürfen.

Klobenstein– Kaum zu glauben: Obwohl aktuell in ganz Deutschland kein Stocksport betrieben werden kann, ist die deutsche Weitschützen-Elite am kommenden Wochenende bei den Europameisterschaften in Südtirol. Dabei ist die DESV-Equipe um Welt- und Europameister Markus Schätzl (SV Oberbergkirchen) nicht nur als schwarz-rot-goldener Kämpfer um Edelmetall unterwegs, sondern auch als Botschafter für den gesamten Eisstocksport. Denn auf dem Eis der spektakulären Arena Ritten in Klobenstein geht es nicht nur um persönliche, mannschaftliche und nationale Ehren, sondern auch um den Traum Olympia.

Die internationale Stocksportfamilie wähnt sich bezüglich der Anerkennung durch das International Olympic Committee (IOC) kurz vor dem Durchbruch und hofft, 2026 bei den Olympischen Winterspielen in Italien als anerkannte Sportart dabei sein zu können. Daher war es der International Federation Icestocksport (IFI) um ihren deutschen Präsidenten Christian Lindner aus Peiting ein großes Anliegen, dass in diesem Winter die Europameisterschaften stattfinden.

Kaderathleten zählen zu den Spitzensportlern

Wie die Skispringer, Skifahrer, Langläufer, Biathleten und Kombinierer zählen die Eisstockschützen in Deutschland auch zu den Spitzensportlern. Unter strengsten Corona-Auflagen dürfen die Nationalmannschaftsmitglieder trainieren. „Aber sie wollen nicht nur trainieren, sondern unbedingt wieder schießen“, betont Matthias Winkler. Um ihnen dies zu ermöglichen, müssen die Verantwortlichen des Deutschen Eisstock-Verband (DESV) vor, während und nach der EM allerdings einen „Mega-Aufwand betreiben“, beteuert der DESV-Weitenfachwart.

„In diesem besonderen Jahr wird die Europameisterschaft in einer anderen Art und Weise stattfinden. Laufende Schnelltests, FFP2-Masken und Abstand halten werden uns vor Infektionen schützen. Trotz aller Umstände freuen wir uns, endlich wieder schießen zu dürfen. Die Teilnehmer sind allesamt heiß darauf, die Titel zu gewinnen. Wir freuen uns auf Ritten 2021!“ ist der offiziellen DESV-Website www.weitschiessen.de seit einigen Wochen zu entnehmen.

Der IFI-Ausschreibung sind die notwendigen Corona-Maßnahmen zu entnehmen: Jeder Teilnehmer (Sportler und Funktionär) muss einen negativen PCR Test mitbringen, der nicht älter als 72 Stunden ist. Jeder Teilnehmer wird vor dem Wettkampf mit einem Schnelltest (SARS-CoV-2 Anti-Gen-Test Roche) getestet. Zusätzlich werden alle Teilnehmer vor der Abreise nochmals mit einem Schnelltest getestet. Jeder Teilnehmer muss zu jeder Zeit eine FFP2-Maske tragen. Der/Die Sportler/in darf die Maske zu seinem Versuch ablegen. Die deutschen Sportler und Funktionäre müssen außerdem noch die 32 Seiten umfassenden, für Corona allgemeingültigen Hygienestandards des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) beachten.

Möglicherweise nur vier Nationen am Start

In Südtirol starten Sportler aus Österreich, Slowenien, Deutschland und dem Gastgeber Italien. Frankreich könnte kurzfristig noch aufspringen. In den meisten anderen Nationen, wie der Schweiz, sind die Weitschützen nicht als Spitzensportler anerkannt und müssen daher passen. Untergebracht sind die Teilnehmer in zwei separaten Hotels in jeweils getrennten Bereichen, wobei sich auch das Personal mehrmals täglich testen lassen muss.

Sollte ein deutscher Athlet oder Funktionär am Ritten positiv auf COVID-19 getestet werden, dann muss er sich in Klobenstein für zwei Wochen in Quarantäne begeben und darf am Sonntag nicht mit der deutschen Nationalmannschaft nach Hause reisen.

Olympischer Kanal sendet bereits von der EM

Da die Olympischen Winterspiele 2026 in Italien stattfinden, ist es für den Eisstocksport äußerst wichtig, dass er regelmäßig auch in der Öffentlichkeit als Spitzensport wahrgenommen wird. In Anbetracht der seit Jahren anvisierten Zustimmung des IOC hoffen die IFI-Funktionäre am Samstagabend auf positive Gespräche mit den Vertretern des Nationalen Olympischen Komitees Italiens. Dabei soll auch ein Resümee zu dieser ganz speziellen Europameisterschaft gezogen werden. Speziell auch deshalb, weil mit den enthusiastischen Fans das Salz in der Suppe dieser spannungsgeladenen, von seiner Explosivität lebenden Sportart fehlt. Denn Zuschauer sind am Ritten nicht zugelassen. Außerdem kann es keine Live-Fernseh-Übertragung geben. Allerdings wird live gestreamt, wobei sogar schon der olympische Kanal (www.olympicchannel.com) aufgesprungen sein soll. Garantiert ist zudem der populäre Live-Ticker unter www.weitschiessen.de.

Olympia 2026 in Italien ist durchaus realistisch. Vielleicht können wir den Eisstocksport mit seinen Disziplinen Mannschaftsspiel, Ziel- und Weitenwettbewerb sogar schon nächstes Jahr in China in irgendeiner Weise präsentieren“, gibt sich IFI-Präsident Lindner zuversichtlich.

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