Buchbach-Coach Andi Bichlmaier: Ein Meister der Spielanalyse

Immer den Block parat, um wichtige Notizen machen zu können: Buchbachs Trainer Andreas Bichlmaier. Buchholz

Dass das Trainerteam des TSV Buchbach um Markus Raupach und Andi Bichlmaier sehr akribisch arbeitet, dürfte hinlänglich bekannt sein, ansonsten hätte der im Herbst personell gebeutelte Kultverein aus der kleinen Marktgemeinde schwerlich mit 33 Punkten in der Regionalliga Bayern überwintert. Sowohl A-Schein-Inhaber Raupach, als auch Bichlmaier sind nicht nur extrem engagiert, sondern verfügen über viel Fachwissen. So hat Bichlmaier (35) erst kürzlich beim Internationales Fußball Institut (IFI) in Ismaning erfolgreich sein Hochschulzertifikat „Spielanalyst im Profi-Fußball“ abgelegt.

Buchbach – Spielanalysten versuchen, wie Trainer auch, geplante Muster im Mannschafts-, Gruppen- und Individualtaktischen Bereich zu erkennen und von zufälligen Handlungen des Gegners zu unterscheiden. Bichlmaier: „Das muss nicht zwangsläufig die Vorgabe des gegnerischen Trainers sein, fast alle Spieler fallen in bestimmten Situationen in ihre eigenen Muster zurück, in denen Sie sich wohlfühlen. Du überlegst dir, wie du dein Team mit dem Wissen über den Gegner und über dein eigenes Team agieren lassen willst, um bestimmte Aktionen zu forcieren oder zu vermeiden.“ Grundsätzlich wird das oft in sechs Spielphasen unterteilt: Spiel gegen den Ball, Umschalten nach Ballgewinn, Spiel mit dem Ball, Umschalten nach Ballverlust, offensive Standards, defensive Standards. Die gewonnen Erkenntnisse werden dann der Mannschaft und auch den Einzelspielern möglichst kurz und prägnant mit diversen Hilfsmitteln vorgestellt. Spielanalysten agieren im Profifußball meist in der Spiel- und Datenanalyse der jeweiligen Gegner sowie der eigenen Mannschaft und haben häufig den Status des Co-Trainers. Zusätzlich übernehmen sie je nach Vereinsstruktur auch Aufgaben in der Trainingsgestaltung, im Athletiktraining und bei der Belastungssteuerung.

Prominente Referenten gehabt

„Wenn Sportdirektoren, Datenanbieter, Bundesligatrainer, Spielanalysten oder Softwarehersteller von Spielanalysetools aus dem Nähkästchen plaudern, macht das die Sache natürlich extrem spannend und praxisnah. Man erfährt aus erster Hand, nach welchen Kriterien, auf welchen Wegen und mit welchen Hilfsmitteln Bundesligisten heute Spieler scouten, wie dort Kaderplanungen ablaufen und Schattenmannschaften modelliert werden. Darüber hinaus wie die Trainingsgestaltung und Spielvorbereitung bei Bundesligisten aussieht, oder worauf Bundesligatrainer beim Coaching achten“, erzählt Bichlmaier, der unter anderem Referenten wie Manuel Baum (aktuell U20-Nationalteam), Löwen-Trainer Michael Köllner oder Spielanalyst Lars Kornetka hatte. Letzterer wirkte einst unter Pep Guardiola beim FC Bayern, war zuvor bei Leverkusen und unterstützt aktuell Ralf Rangnick und Julian Nagelsmann bei RB Leipzig.

Mit der Drohne beim Töging-Training

„Es ist schon Wahnsinn, wie sich das Drumherum um den Fußball und damit auch der Fußball selbst im Zuge der Digitalisierung in den letzten Jahren verändert hat. Vor etlichen Jahren haben sich die Leute in Töging noch an den Kopf gefasst, als ich mit den ersten Drohnen gekommen bin, um vernünftige Bilder aus einer entsprechenden Position zu bekommen“, erinnert sich Bichlmaier an seine Zeit als Coach des Landesligisten FC Töging, und fügt an: „Heute ist so etwas selbst bei Trainingseinheiten nicht mehr nur im Spitzenfußball völlig normal, um sowohl an Schwerpunkten als auch an Details arbeiten zu können.“

Selbst Spiele im Amateurbereich werden inzwischen, von einer Software gesteuert, automatisch – ohne zusätzliche Man-Power – mit Kamerasystemen abgefilmt und stehen sofort im Internet zur Verfügung. Die Spiele aus der Regionalliga Bayern werden übrigens von Analystenteams aus Russland binnen weniger Stunden aufbereitet und können dann von den Vereinen bei InStat erworben werden. Bichlmaier: „Wir haben das mal ausprobiert. Das stimmt zwar nicht zu hundert, aber zu 98 Prozent. Uns werden da Daten aus einzelnen Spielen oder kumuliert aus der gesamten Meisterschaft angeboten, die durch Datenanbieter sowohl softwaregestützt, als auch manuell generiert werden. Man weiß dann, welcher Spieler der eigenen Mannschaft oder beim Gegner wen am häufigsten anspielt, wer die meisten Kopfballduelle gewinnt oder über welche Seite Angriffe bevorzugt vorgetragen werden.“

Die Spieler „wollen sehen, was falsch gelaufen ist“

Der Heldensteiner, der als Gebietsvertriebsleiter für eine Firma aus Nordrhein-Westfalen arbeitet und selbst sowohl für den FC Töging als auch für den TSV Buchbach bis hin zur Bayernliga aktiv war, weiß: „Kein Spieler, und da war ich nicht anders, kann sich im Nachgang an genaue Szenen und Positionen im Spiel erinnern. Das geht ja auch jedem Trainer so, dass du eine Szene im Spiel völlig anders gesehen hast, als sie sich dann in der Spielaufbereitung im Video darstellt. Heute sind die Spieler sehr visuell geprägt – die wollen sehen, was falsch gelaufen ist, um bestimmte Handlungen beim nächsten Mal anders umsetzen zu können. Generell denkt man als Spieler, man sei der unentdeckte Messi – wenn du dich dann selbst siehst, kommst du meist doch zum Ergebnis, dass du in der richtigen Liga bist.“

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