Buchbach und 1860 für Saisonfortsetzung in der Fußball-Regionalliga: Ein „Sieg der Vernunft“

Das Rückspiel der Saison 2019/20 zwischen dem TSV Buchbach und dem TSV 1860 Rosenheim wird es nun definitiv geben. Im Hinspiel siegten die Buchbacher zuhause mit 2:0, das Bild zeigt den Führungstreffer.
+
Das Rückspiel der Saison 2019/20 zwischen dem TSV Buchbach und dem TSV 1860 Rosenheim wird es nun definitiv geben. Im Hinspiel siegten die Buchbacher zuhause mit 2:0, das Bild zeigt den Führungstreffer.

Die Saison in der Fußball-Regionalliga Bayern wird fortgesetzt. Das steht seit Donnerstag fest, auch wenn nicht alle Vereine dafür sind. Zwei der drei einheimischen Vertreter in der Regionalliga stimmten für eine Fortsetzung..

Buchbach/Rosenheim/Burghausen– . Dass die am Mittwochabend in einer Videokonferenz gefundene und einen Tag später vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV) offiziell bestätigte Kompromisslösung nicht allen 18 Vereinen der Fußball-Regionalliga Bayern hundertprozentig gefällt, war von vornherein klar. Dennoch: Das Votum für eine Fortführung der aktuellen Saison plus Ligapokal stellt trotz unterschiedlicher Interessenlage für alle Clubs einen gangbaren Weg dar. „Die schlechteste Lösung wäre gewesen, wenn es keine Entscheidung gegeben hätte, so aber kommen alle mit einem blauen Auge davon“, ist Rosenheims Sportlicher Leiter Hansjörg Kroneck überzeugt.

Buchbachs Georg Hanslmaier; „Wir reden hier nicht von einer Superlösung“

In die gleiche Kerbe schlägt auch Buchbachs Sportlicher Leiter Georg Hanslmaier; „Wir reden hier nicht von einer Superlösung, die es in dieser Situation gar nicht geben kann, sondern von einer Lösung, die es uns ermöglicht, vernünftig über das Jahr zu kommen. Für mich ist die gefundene Lösung einfach ein Sieg der Vernunft.“ Während der TSV 1860 Rosenheim und der TSV Buchbach in der Abstimmung am Mittwochabend für die Saisonfortführung votiert haben, hat der SV Wacker Burghausen für einen Abbruch gestimmt.

Für 1860 wären sogar Geisterspiele eine Option gewesen

„Jeder Verein hat seine Eigenheiten und Zwänge und daher andere Interessen, wir können mit der Lösung leben. Wir wissen ja jetzt, wie es weitergeht und können uns in aller Ruhe vorbereiten“, sagt Sportlicher Leiter Karl-Heinz Fenk. Für Kroneck, dessen Verein ja nicht gerade als Zuschauermagnet bekannt ist, wären sogar Geisterspiele eine Option gewesen, aber der 50-Jährige weiß auch: „Wir sind da ein Sonderfall, für andere Vereine wäre das gar keine Option gewesen. Für alle Vereine geht es unterm Strich darum, dass sie wirtschaftlich einigermaßen überleben. Ob alle Vereine, die jetzt gegen den Abstieg spielen, dann auch den Kader haben, um unten rauszukommen, ist eine andere Frage. Aber diese Frage hätte sich ja ohne Corona gestellt.“

Das könnte Sie auch interessieren: Hans Kroneck: „Ich würde die Saison annullieren“

Neun Clubs haben für eine Saisonfortführung plädiert

Insgesamt neun Clubs haben für eine Saisonfortführung plädiert, nur vier waren für den Abbruch, fünf Vereine haben sich enthalten. „Es waren konstruktive Gespräche zwischen Verband und Vereinen“, lobt Kroneck und auch Fenk findet: „Es ist schon schön zu sehen, dass sich die Liga geeinigt hat.“ Bei allen Diskrepanzen, am Ende ist die Einigung schon auch ein Zeichen der Solidarität der Clubs untereinander. „Alle Streitereien sind beigelegt worden, die kleineren Vereine waren überwiegend fürs Weiterspielen“, so Hanslmaier, der die Lösung mit dem Liga-Pokal gut findet: „Dieser zusätzliche Wettbewerb garantiert den Vereinen genug Spiele bis Mai nächsten Jahres, bietet aber auch die Möglichkeit, die Saison vernünftig zu Ende zu bringen, sollte die Pandemie zurückkehren oder eine Fortsetzung der Saison erst im Oktober möglich sein. Das ist die Lösung mit der größtmöglichen Flexibilität und zudem können die Trainer in diesem Pokal-Wettbewerb auch junge Spieler testen.“ Beim Liga-Pokal, der mit regionaler Gruppenphase und ab dem Viertelfinale im K.o.-Modus ausgetragen werden soll, winkt dem Gewinner der DFB-Pokal-Startplatz für 2021/22, den normalerweise das am Saisonende in der Tabelle bestplatzierte Amateurteam erhält. Die drei weiteren Halbfinalisten sollen jeweils ein Ticket für die Hauptrunde des Bayerischen Totopokals 2021/22 erhalten.

Dann hätte man einen Monsterkader gebraucht

„Wenn man im Herbst mit einer neuen Spielzeit an den Start gegangen wäre, hätte das so viele Englische Wochen bedeutet, dass dies den Spielern, die normal arbeiten, gar nicht zuzumuten gewesen wäre. Von der Verletzungsproblematik ganz zu schweigen. Das wäre Wahnsinn geworden“, sagt Kroneck, und Hanslmaier ergänzt: „Dazu hätte die Vereine ja alle einen Monsterkader gebraucht – und das in Zeiten, in denen die meisten Clubs finanziell am Krückstock gehen.“

Personell nachlegen will man in Burghausen, nachdem ja mit Philipp Maier, Julien Richter, Muhamed Subasic und Mathis Lange bereits vier Abgänge feststehen.

„Wir müssen mit Unterhaching und Schweinfurt mal reden“

„Bei Richter und Maier müssen wir die nächsten Tage mit Unterhaching und Schweinfurt mal reden, wie die Sache aussieht. Irgendwie werden wir uns da schon einigen, wobei ja Philipp uns eigentlich zugesagt hat, die Saison bei uns fertig zu spielen“, sagt Fenk, der natürlich weiß, dass arbeitsrechtlich wohl nichts zu machen ist, wenn die Verträge am 30. Juni enden: „Bei uns sind ja auch Sponsorenverträge und das ganze Budget so ausgerichtet, dass die Saison am 30. Juni endet. Das gibt jetzt eine ganz andere Situation, in der viele Gespräche geführt werden müssen, aber wenn man drei Leistungsträger verliert, muss man schon schauen, dass man auch Ersatz bekommt. Da sind wir auch schon seit geraumer Zeit dran.“ Gerade auch mit Spielern wie Alex Riemann, die sich im Frühjahr wieder für höherer Aufgaben empfehlen wollten, will Fenk reden, um sie länger an den Verein zu binden: „Alex hat sich vor einem Monat noch einer kleineren Knieoperation unterzogen, insofern ist für ihn die Pause ganz willkommen gewesen.“

3. Liga: Türkgücü München oder Schweinfurt?

Klar scheint, dass die Saison nur mit 17 Mannschaften fortgeführt wird, wenn es im September weitergeht, weil Türkgücü München oder Schweinfurt ab der neuen Drittliga-Saison eine Etage höher antreten. Insofern ist auch klar, dass es nur einen Fixabsteiger geben wird. Die vier Erstplatzierten der Abschlusstabelle 2019/20 werden im Frühjahr 2021 – sollte im Herbst die Saison zu Ende gespielt werden können – zudem im „Best-of-5“-Modus den Relegationsteilnehmer zur Drittliga-Saison 2021/22 ausspielen, so es überhaupt vier aufstiegswillige Clubs gibt. Der Sieger tritt dann in Hin- und Rückspiel gegen den Meister der Regionalliga Nord an, sodass es aus einer Saison zwei Aufsteiger aus der Regionalliga Bayern geben könnte – wobei das Sinn macht, weil die Saison 2020/21 ja entfallen wird.

Alle hoffen auf den 1. September

Letztlich hoffen alle Beteiligten, dass es wirklich am 1. September wieder losgeht. „Noch ist ja kein Kontaktsport erlaubt, sechs Wochen Vorbereitung brauchen wir schon, wenn so lange nicht gespielt wurde“, sagt Hanslmaier und Kroneck meint: „Wichtig ist, dass jetzt der Rahmen bekannt ist und vor allem, dass überhaupt wieder Fußball in Bayern gespielt wird. Schließlich hängen ja am Fußball so viele Leute dran, die man so nicht Blick hat. Da geht es um die Busunternehmer, die örtlichen Metzger und Bäcker, Vereinswirte, die Brauereien, die Sportgeschäfte und auch um die Journalisten.“

Kommentare