Aus nach 92 Jahren?

SV Ostermünchen bangt wegen Brenner-Nordzulauf um seine Zukunft: 1550 Sportler verlieren ihre Basis

Mitten durch den Sportplatz des SV Ostermünchen soll nach den Plänen der Deutschen Bahn die Trasse für den Brenner-Nordzulauf gehen.
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Mitten durch den Sportplatz des SV Ostermünchen soll nach den Plänen der Deutschen Bahn die Trasse für den Brenner-Nordzulauf gehen.
  • vonWerner Stache
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Die Gemeinde Tuntenhausen ist bestürzt, Ostermünchen in Aufruhr, und der SV Ostermünchen außer sich. Nach den Plänen der Bahn führt die Vorzugstrasse für den Brenner-Nordzulauf direkt über die Fußballfelder des Sportvereins. Nach 92 Jahren könnte das das Aus für den SVO bedeuten.

Tuntenhausen – „Unser Sportgelände ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Geschichte“, befürchtet Vorsitzender Gerhard Niedermeier. Er appelliert an alle, sich Gedanken zu machen, wo es potenzielle Alternativen geben könnte. Denn ohne das Gelände gebe es keinen Fußball, kein Tennis und kein Stockschießen mehr. Dann könnten die Turner keine Gymnastik mehr anbieten und der Sparte Budo fehlten die Ersatzflächen für ihr Training.

Anlage entstand in ehrenamtlicher Arbeit

Würde die Bahntrasse wirklich so gebaut, bedeutete das für den Sportverein Ostermünchen: Es gehen drei Fußballplätze verloren. Zwei davon wurden gerade erst aufwendig mit neuem Flutlicht ausgestattet und mit einer Rasenbewässerung versehen. Die Flächen rund um das Sportheim wurden während der Corona-Pandemie in mühevoller Kleinarbeit neu gepflastert. Zudem wurden Teile der Gebäude neu gestrichen und ein Garagentrakt erstellt.

Die vollbesetzte Tribüne: Tausende von Arbeitsstunden wurden dafür in den 70er-Jahren ehrenamtlich von den Mitgliedern geleistet.

Fast 200 000 Euro investierte der Sportverein hierfür. „Mehr als 50 Sportler haben allein in den vergangenen beiden Jahren 2750 Stunden erbracht“, umreißt Niedermeier das ehrenamtliche Engagement. Verloren gingen mit der Trasse des Brenner-Nordzulaufs aber nicht nur die Fußballplätze, sondern auch vier Tennisplätze, das Tennisheim, eine 2015 extra für die Jugend gebaute Mid-Court-Tennisanlage und vier Asphaltbahnen der Stockschützen.

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Bahnen, auf denen der einstige deutsche Meister Franz Eder seine ersten Stockschießübungen machte, auf denen die Damenmannschaft in der höchsten Liga spielte und Bayrische Meistertitel errang.

Für den Ehrenvorsitzenden Hans Thiel bricht mit den Plänen für den Brenner-Nordzulauf eine Welt zusammen: „Eine Katastrophe“, sagt er. Für ihn ist es besonders schwer: Er war beim Aufbau der Sportanlage im Jahre 1978 als Vereinsvorsitzender aktiv dabei. „Beim Bau der neuen Plätze, des Sportheims mit großer Tribüne oder beim Anbau des Mehrzweckbaus Ende der 80er-Jahre“, erinnert sich Thiel.

Keine Angebote mehr für die Jugend

Mit viel Herzblut und noch mehr Überzeugungskraft gelang es ihm damals, Handwerker und Helfer für den Bau zu gewinnen. So entstand mit großer Kameradschaft, dem „Gen“ des Sportvereins, die Basis für eine gute sportliche Zukunft und eine breit gefächerte Jugendarbeit. Nun sollen die Fußballplätze der Trasse weichen. Damit hätten allein neun Jugendmannschaften keinen Platz mehr zum Kicken. Für den Sportverein ein Desaster.

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Deshalb wandte sich der Verein nun mit einem „Rettungsbrief“ an Bürgermeister Georg Weigl. Darin betont Vorstandsmitglied Uwe Kraft: „Die Existenz des SVO ist massiv bedroht.“ Der größte Verein der Gemeinde mit 92-jähriger Tradition und 1550 Mitgliedern nimmt das nicht einfach hin.

Er fordert bei Wegfall der Anlagen zeitgleich eine alternative Sportstätte im Gemeindegebiet von Ostermünchen. „Es darf nicht sein, dass der SVO als wichtige gemeinnützige Stütze einem Wirtschaftsprojekt zum Opfer fällt“, betont Kraft.

Bürgermeister Weigl will andere Lösungen suchen

„Eine absolut berechtigte Forderung“, betont Bürgermeister Georg Weigl. „Diese Trasse wäre das K.o. für den Sportverein. Wir werden diese Problematik genauso wie die Existenznöte unserer Landwirte mit den Verantwortlichen der Bahn besprechen und uns dafür einsetzen, dass andere Lösungen gefunden werden.“

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