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Zwischen Rippenbruch und Top-Erfolgen

Biathletin Karolin Horchler beendet Karriere: Das plant die WM-Silbergewinnerin jetzt

Volle Konzentration: Auch am Schießstand bewies Karolin Horchler immer wieder ihr Können.
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Volle Konzentration: Auch am Schießstand bewies Karolin Horchler immer wieder ihr Können.

Biathletin Karolin Horchler vom Stützpunkt Ruholding hat sich dazu entschieden, ihre aktive sportliche Karriere zu beenden. Trotz vieler Rückschläge ist sie letztendlich zufrieden mit ihrer Laufbahn.

Ruhpolding – Ihren Traum von einer Olympia-Medaille konnte sie sich nicht erfüllen – dennoch blickt Biathletin Karolin Horchler (WSV Clausthal-Zellerfeld) vom Stützpunkt Ruhpolding letztlich mit großer Zufriedenheit auf ihre sportliche Karriere zurück. Schließlich hatte die 32-Jährige unter anderem mit mehreren EM-Medaillen und der Silbermedaille in der WM-Staffel 2020 große Erfolge gefeiert. Fast noch wichtiger aber ist aus ihrer Sicht: „Ich habe mein ganzes Herz und meine Leidenschaft reingesteckt. Nur deshalb habe ich letztlich so lange durchgehalten.“

Alles dreht sich um den Sport

Denn der Leistungssport sei deutlich mehr als die Wettkämpfe. „Das ist ja 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche mein Leben. Alles dreht sich darum, da gehört ganz viel dazu. Der Leistungssport hat nicht umsonst auch ein begrenztes zeitliches Fenster“, weiß sie. Und betont: „Ich habe bis zum Schluss 100 Prozent gegeben.“

Sie hatte schon vor der Saison im Prinzip überlegt: „ Ob es mit Olympia klappt oder nicht, es wird einfach Zeit.“ Aber eben nur im Prinzip: „Es war dann trotzdem eine schwierige Entscheidung und es hat etwas gedauert, bis ich mir sicher war. Schließlich wäre unter anderem die Heim-WM 2023 in Oberhof noch ein reizvolles Ziel gewesen.“ Letztlich aber ist die Entscheidung immer klarer geworden.

Verletzungen warfen sie zurück

Dazu beigetragen hat auch die Zeit, die sie durch Verletzungsausfälle hatte. Horchler hat sich im Jahr 2020 im Training einen Rippenbruch zugezogen. Als sie wieder fit war und voll trainierte, brach die Rippe erneut. So konnte sie in der gesamten Saison 2020/21 keinen einzigen Wettkampf bestreiten.

Das erwies sich im vergangenen Winter als klarer Nachteil. Im Dezember 2021 „habe ich schon gemerkt, dass mir dieser Wettkampfrhythmus einfach fehlt. Ich war auch mit dem Ablauf noch etwas überfordert, und daher lief es auch von den Ergebnissen her nicht so gut.“ Doch ab Januar 2022 „war ich wieder richtig drin. Auch wenn ich zunächst ‚nur‘ beim Deutschlandpokal war, war es gut, zu sehen, dass es letztlich egal ist, auf welcher Ebene man antritt: Der Sport an sich macht einfach so viel Spaß, das wurde mir in dieser Zeit besonders bewusst.“

Zurück zu den Wurzeln

Zudem seien die Starts im Deutschlandpokal, „bei denen ich mich praktisch um alles selbst kümmern musste, eine Art „zurück zu den Wurzeln“ gewesen – und insofern eine spannende Erfahrung.“ Horchlers ansteigende Form brachte ihr sogar die EM-Nominierung. Doch das Verletzungspech ereilte sie erneut: Wegen einer Fußverletzung konnte sie nur unter Schmerzen noch am Einzellauf teilnehmen. Die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr ins Training war auch schnell dahin: Der Fuß musste wochenlang in einem festen Schuh komplett ruhiggestellt werden.

„Es zählt die ganze Reise“

Das Verletzungspech und andere Rückschläge ereilten Horchler immer wieder in ihrer Laufbahn. So fiel sie beispielsweise eine Saison aus dem Kadersystem heraus: Als sie im Sommer 2017 beim Skiroller-Training von einem Lastwagen angefahren worden war und sich das Schultergelenk gebrochen hatte, arbeitete sie sich dennoch zurück – und gewann im folgenden Winter die IBU-Cup-Gesamtwertung. Das brachte ihr auch den Start beim Weltcup-Saisonfinale ein, dort wurde sie nach Rang elf im Sprint sogar Fünfte in der Verfolgung. „Der Sieg im Cup spricht schon für eine konstante Saison. Das Ergebnis im Weltcup hat mir dann gezeigt, dass ich, wenn alles passt, auch mal ganz vorne mithalten kann. So ein Erfolg trägt einen.“

Klar ist auch: „Es geht nicht allein um Medaillen, sondern auch um den Weg, den man gemacht hat – es zählt die ganze Reise.“ Auf dieser Reise musste sie bei ihrer ersten WM-Teilnahme 2019 in Östersund (Schweden) noch tatenlos zusehen. 2020 aber gab’s in Antholz die Silbermedaille in der Staffel mit ihren Stützpunkt-Kolleginnen Vanessa Hinz (SC Schliersee), Franziska Preuß (SC Haag) und Denise Herrmann (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal). „Besonders, dass es gemeinsam mit den Mädels war, hat einen Traum wahrgemacht.“

Kämpferherz liegt in der Familie

Dass Horchler nach Rückschlägen immer wieder zurückkam, hat seinen Grund: „Das Kämpferherz liegt wohl bei uns in der Familie“, weiß sie. Ihre drei Jahre ältere Schwester Nadine hat bis 2020 ebenfalls Biathlon auf höchstem Niveau betrieben, ebenso im Jugendalter Karolin Horchlers wenige Minuten ältere Zwillingsschwester Kristin. „Solange es einen kleinen Funken Hoffnung gab, habe ich immer versucht, alles zu geben. Das hat mich schon auch ausgemacht.“

Ihre Planungen für die Zukunft sind noch nicht abgeschlossen. „Ich will auf jeden Fall neue Bereiche kennenlernen, aber ich will erst noch alles abklären. Der Olympia-Stützpunkt München hilft einem da viel mit der Beratung.“ Ebenfalls hilfreich ist für die Sportsoldatin, „dass ich nicht nur bis Ende September gut abtrainieren kann, sondern auch durch den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr super abgesichert bin.“

Abtrainieren in Ruhpolding, dann die Veränderung

Abtrainieren wird die 32-Jährige zu einem großen Teil in ihrer Wahlheimat Ruhpolding, in der sie seit 2014 lebt. Auch wenn es sie danach „wohl eher woandershin ziehen wird, habe ich mich hier immer superwohl gefühlt. Es ist wunderschön hier zu leben, und die Freundschaften mit den Kolleginnen werden auch für immer bleiben. Außerdem war es toll, was ich gerade in den vergangenen drei Jahren mit dem Trainerteam bei uns – Kristian Mehringer, Florian Steirer und Rudi Schöllmann – erleben durfte. Wie da die Zusammenarbeit war, das war unglaublich.“ Ebenso sei ihr früherer Trainer Remo Krug ein wichtiger Ansprechpartner gewesen: „Gerade in der Zeit, als ich ohne Kaderstatus war, hat er mir sehr geholfen.“

Nachdenklich: Sie war sich zeitweise noch nicht sicher, jetzt aber hat sich Karolin Horchler doch zum Rücktritt vom Leistungssport entschieden.

Noch ist unklar, wohin Horchlers neue „Reise“ nach dem Biathlon hinführen wird. Fest steht aber: „Ich werde sicher immer wieder gerne nach Ruhpolding kommen.“who

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