Interview

Bernd Kühnhauser über Starbulls-Saison 2000: "Check von Torhüter Müller war sensationell"

Die Autogrammkarte von Bernd „Bobo“ Kühnhauser aus der Saison 1999/2000.
  • Hans-Jürgen Ziegler
    vonHans-Jürgen Ziegler
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Bernd „Bobo“ Kühnhauser war live dabei, als die Star Bulls (die richtige Schreibweise vor 20 Jahren) ihr bis dato letztes DEL-Spiel in der Vereinsgeschichte bestritten. Der heute 48-jährige gebürtige Rosenheimer, der bei der Veranstaltungs- und Kongress GmbH für das Rosenheimer Kuko als Hallenwart arbeitet, kann sich aber zumindest an dieses eine Spiel nicht mehr erinnern.

Rosenheim – Vielleicht lag es auch an der 1:7-Niederlage in Nürnberg, dem letzten DEL-Spiel der Starbulls Rosenheim vor genau 20 Jahren oder weil „Bobo“ Kühnhauser zu diesem Zeitpunkt mit einer Fortsetzung seiner Eishockey-Karriere in Rosenheim schon abgeschlossen hatte. In einem Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen erzählt Kühnhauser über die Saison 1999/2000 und über einen „sensationellen Check“ von Torhüter Robert Müller.

Herr Kühnhauser, Sie erinnern sich zwar nicht an das letzte DEL-Spiel, aber bestimmt an die Saison 1999/2000.

Bernd Kühnhauser: An dieses spezielle Spiel am 11. April 2000 kann ich mich tatsächlich überhaupt nicht erinnern. Von dem Jahr weiß ich allerdings noch einiges. Wir sind furios in die Saison gestartet, waren unheimlich heimstark, aber auswärts haben wir gar nichts gerissen. In der Heimtabelle waren wir definitiv vorne dabei.

Das reichte aber nicht, um die Meisterrunde zu erreichen.

Kühnhauser: Nein, und deshalb musste wohl auch Trainer Gerhard Brunner gehen. Sein Co-Trainer Paul Sommer übernahm und wir schafften den Klassenerhalt ganz sicher, obwohl feststand, dass es nicht mehr weiterging und die Lizenz verkauft wird.

Bernd Kühnhauser heute: Er arbeitet als Hallenwart im Kuko.

Ab wann habt ihr gewusst, dass nach der Saison Schluss ist?

Kühnhauser: Wir haben es schon länger läuten gehört, aber plötzlich ist alles ganz schnell gegangen. Als das Aus feststand, ist alles noch zu Geld gemacht worden. Das sind die Einrichtungen von Spieler-Wohnungen ins Eisstadion transportiert und verkauft worden. Bei mir allerdings nicht, weil ich ja zu Hause gewohnt habe.

Sie mussten dann wieder ihre Koffer packen...

Kühnhauser: Genau, denn ich hatte zum zweiten Mal einen Vertrag in Düsseldorf unterzeichnet, und auch viele andere Spieler waren schon bei neuen Vereinen untergekommen.

Weil die Spieler des 2000er-Teams auch ziemlich begehrt waren. Ihr hattet eine gute Mannschaft.

Kühnhauser: Unsere Mannschaft war alles andere als schlecht. Vom Team her hat es echt gut gepasst, und wir hatten überragende Einzelspieler. Wie zum Beispiel Didi Hegen, Mondi Hilger, Derek Cormier, Klaus Kathan, Chris Due-Boje, der Allstar-Verteidiger bei der WM war, oder den schussstarken Verteidiger Patrik „Bum-Bum“ Hucko. Und unsere beiden finnischen Verteidiger Teemu Sillanpää und Kari Haakana, der auch kurz für die Edmonton Oilers in der NHL spielte, waren ebenfalls stark.

Sie erinnern sich an viele Spieler, gibt es auch eine Szene, die Ihnen im Gedächtnis geblieben ist?

Kühnhauser: Auf alle Fälle, und zwar mit unserem Torhüter Robert Müller. Ich saß zusammen mit Didi Hegen verletzt auf der Tribüne. Ich hatte einen Riss in der Bauchmuskulatur. Nach einem langen Pass an der Bande entlang stürmte Robert Müller aus seinem Tor, erreichte den Puck aber nicht ganz und verpasste deshalb dem Krefelder Spieler einen super Check. Der Helm ist in die eine Richtung, das Plexiglas in die andere Richtung geflogen. So etwas habe ich auf alle Fälle noch nie gesehen. Ein fairer Check, aber Robert kassierte trotzdem zwei Minuten. Weil er als Torhüter geschützt ist und deshalb auch keine Checks fahren soll – so die Begründung des Schiedsrichters.

Ehre:D er Name von „Bobo“ Kühnhauser ist jedem Düsseldorfer Eishockeyfan ein Begriff – der zweimalige deutsche Meister ist über einem Eingangstor im ISS-Dome, der Spielstätte der DEG, verewigt.

Haben Sie noch Kontakt zu dem einen oder anderen Spieler?

Kühnhauser: Ja. Zu einigen, und zwar deshalb, weil mein Sohn in der U15 von den Starbulls spielt, und da trifft man sich auch bei Turnieren oder Spielen. Frank Hohenadl trainiert in München die U15 und Chris Du-Boje habe ich im Sommer in Stockholm getroffen, weil da mein Sohn zu einem Camp eingeladen gewesen ist. Due-Boje arbeitet bei Djurgardens Stockholm. Didi Hegen treffe ich immer wieder mal, wenn es Legenden-Spiele in Düsseldorf gibt, Mondi Hilger sehe ich sowieso in Rosenheim öfter, und beim Abschiedsspiel von Klaus Kathan in Bad Tölz war ich ebenfalls mit dabei. Außerdem telefoniere ich mit Klaus immer wieder mal. Auch Mitch Pohl treffe ich mindestens einmal im Jahr, wenn man in Südtirol ist oder dort ein Turnier stattfindet.

Sie sind in Ihrer Karriere zweimal nach Rosenheim zurückgekehrt...

Kühnhauser: Sogar dreimal. Zu meiner Juniorenzeit hatte ich bereits immer mit der „Ersten“ mittrainiert, habe mir dann aber das Innenband gerissen. Ich bin dann das erste Jahr, als ich für Geld Eishockey gespielt habe, nach Augsburg in die 2. Liga gewechselt und kam in der Saison 1991/1992 zurück nach Rosenheim. Danach ging es fünf Jahre nach Düsseldorf, wieder für zwei Jahre zurück nach Rosenheim und 2000 wieder für sechs Jahre zur DEG. Und dann spielte ich 2005/2006 noch ein Jahr Oberliga für die Starbulls, bis ich mir die Achillessehne gerissen hatte und aufhören musste.

Welche Verbindungen haben Sie, außer durch Ihren Sohn, zum Rosenheimer Eishockey?

Kühnhauser: Nach meiner aktiven Zeit war ich erst einmal komplett raus. Mit fünfeinhalb Jahren wollte mein Sohn unbedingt Eishockey spielen. Dann war ich wieder voll dabei und habe die Liebe zu diesem Sport wieder entdeckt. Zu Spielen der ersten Mannschaft bin erst weniger gegangen, aber als mein Freund Manuel Kofler das Traineramt übernahm, war ich regelmäßig im Stadion.

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