Eishockey Oberliga

Beim 5:3 der Starbulls: 40 Minuten lang im DEL2-Tempo und trotzdem ein fader Beigeschmack

Jubel bei Yannic Bauer nach seinem Treffer zum 2:0 am Samstagabend in Riessersee. Es war das erste Tor für den jungen Rosenheimer Stürmer.
+
Jubel bei Yannic Bauer nach seinem Treffer zum 2:0 am Samstagabend in Riessersee. Es war das erste Tor für den jungen Rosenheimer Stürmer.

Da boten die Starbulls Rosenheim beim Oberliga-Gastspiel in Garmisch 40 Minuten eine Topleistung und das „im ersten Drittel das Beste was wir in dieser Saison gespielt haben“, laut Trainer John Sicinski. Und trotzdem übte der Coach in der Pressekonferenz Kritik an seinem Team.

Garmisch-Partenkirchen – Durch einen mehr als verdienten 5:3-Erfolg beim SC Riessersee schoben sich die Starbulls Rosenheim an den zwangspausierenden Eisbären aus Regensburg vorbei in die Pole-Position der Selb-Verfolger, sprich auf den zweiten Platz der Oberliga Süd. Über zwei Drittel passte das Gesamtpaket, ehe sich der Sachverhalt durch reduzierte Aufmerksamkeit und ein wenig Schlendrian auf Seiten der Gäste beinahe noch maßgeblich verändert hätte. Die Zeit zur Aufarbeitung ist knapp bemessen. Gleich am Montag (19.30 Uhr) gastiert der EV Füssen im Rofa-Stadion.

Mittwoch-Spiel in Regensburg wurde abgesagt

Das für Mittwoch geplante Gastspiel der Rosenheimer in Regensburg wurde abgesagt. Die Corona-Zwangspause der Eisbären verlängert sich. Nächster geplanter Termin für den Regensburger Restart ist das Auswärtsspiel in Lindau am 3. Januar.

Nach dem zweiten Drittel zierte ein 5:0 die Anzeigentafel

Ausklammern wollte John Sicinski die Schlussphase in seiner Analyse nach dem Spiel nicht. Dazu hatte sich zu viel ereignet, was dem Starbulls-Coach gar nicht schmeckte. Zur zweiten Pause noch zierte ein satter 5:0 Vorsprung die Anzeigetafel des Olympia Eissportzentrums. Und dennoch hätte die Sache schief gehen können. Man habe sich vorgenommen, die Null zu halten und das Augenmerk auf die Defensive zu legen“, verriet Sicinski beim Pressegespräch. Das klappte überhaupt nicht. „Tut mir leid für Andi Mechel“, schickte der 46-Jährige eine Entschuldigung in Richtung seines famos haltenden Torhüters.

Die große Chance zum 4:5-Anschlusstreffer für Riessersee

Lange Zeit war es nicht viel, was der SCR offensiv anbot, aber genau das macht es einem Goalie ja bisweilen so schwer. Oft tauchen die Stürmer durch Zufall oder aus dem Nichts auf. So tanzte der Puck bei Benni Kronawitter gefährlich nahe an dessen einschussbereiter Kelle. Top-Scorer Eetu Ariomaa nahm Mechel durch sein Herausstürzen gekonnt den Winkel zum erfolgreichen Abschluss, und gegen Christopher Chyzowski, Filius des früheren SBR-Cracks (1995/96) und Trainers (2002 bis 2007) Ron Chyzowski, bestach der Goalie durch sein Stellungsspiel.

Im Schlussabschnitt aber drifteten Mechels Vorderleute immer wieder von der taktischen Disziplin ab. Ein Umstand, der die Faktenlage durchaus hätte verändern können. Als Kronawitter mit entschlossener Einzelaktion im Powerplay das 3:5 erzielte, tat sich gleichem Spieler wenig später die Chance zum vierten Treffer auf. Da waren noch gut drei Minuten zu gehen. Sicinski erkannte die Gefahr und handelte. In Form einer Auszeit, bei der er seine Eleven noch einmal einschwor. „Ich habe die Jungs beruhigt, ihnen gesagt, es gibt keinen Grund zur Panik.“ Letztlich half der finale Eingriff den Gästen, das Ergebnis über die Ziellinie zu transportieren.

Dominanz wie selten in Riessersee

Alles andere wäre Farce und Genickschlag zugleich gewesen. Denn Rosenheim dominierte dieses Derby wie selten in jüngerer Vergangenheit. Ehe SCR-Coach Schorschi Kink nach dem 0:3 zur Auszeit griff, beobachtete Sicinski „unsere beste Phase“ dieser Spielzeit. In der Tat. Die Starbulls bestachen durch formidables DEL2-Tempo und unerlässliches Forechecking. Hinter dem eigenen Tor angelaufen zu werden schmeckte dem – dieses Jahr naturgemäß überschaubaren Kader der Werdenfelser überhaupt nicht. „Wir haben Garmisch keinen Raum gegeben“, lobte Sicinski. Kink indes anerkannte das „wahnsinnige läuferische Niveau“ einer „starken Rosenheimer Mannschaft“.

Die Führung durch Tobias Draxingers erstem Saisontor

Einmal unter Dampf, präsentierten sich die Gastgeber anfällig für Fehler. Tobi Draxingers Schlenzer mag leicht die Richtung geändert haben, wirklich souverän sah SCR-Schlussmann Christian Schneider gleichwohl nicht aus. Wirklich entscheidend war die Kurskorrektur des Pucks erst beim Schuss von Maxi Vollmayer, von dem Yannic Bauer in Form des 2:0 profitierte. Curtis Leinwebers Powerplaytreffer war der endgültige Weichensteller.

Ganz so leicht ging es nach der Pause dann nicht mehr. Doch fehlte Riessersee Scheibenglück und mentale Frische. Kink sprach von einer „langen Leitung“, die die Umtriebe seines Teams konterkariert hätten. Obgleich die Präsenz im Angriffsdrittel anwuchs, waren die Starbulls mit flotten Gegenstößen ungleich gefährlicher. Einiges davon blieb ungenutzt, immerhin aber netzten mit Kyle Gibbons und Tobi Meier die besten Scorer der Grün-Weißen ein.

„60 Minuten so konsequent spielen“ – Heimspiel gegen Füssen

Dann kam das eingangs erwähnte Schlussdrittel, in dem der SCR Kink zufolge „etwas einfacher und mit aggressiverem Zug zum Tor“ gespielt, und so die Starbulls ins Schwanken gebracht habe. Sicinski wollte hinterher den Sieg keinesfalls schlecht reden. Doch müsse sein Team lernen, „über 60 Minuten so konsequent zu spielen“. Beste Gelegenheit dazu bietet sich am Montag, 19.30 Uhr, im Heimspiel gegen Füssen.

Mehr zum Thema

Kommentare