Die Trainer übers Training: Der Fußball rollt schon wieder in Region – mit Abstand

Auf Abstand:Die Regionalliga-Kicker des TSV 1860 Rosenheim haben das Training in Kleingruppen wieder begonnen – hier angeleitet von Co-Trainer Gerald Straßhofer.

Die Lockerungen in der Öffnungsphase in Deutschland betreffen auch den heimischen Fußball. Das Training in Kleingruppen ist wieder erlaubt, komplette Einheiten mit Zweikämpfen und Kopfballduellen aber noch untersagt. Der Spielbetrieb ruht aber weiterhin.

Rosenheim/Mühldorf – Bis Ende August ist die Saison im bayerischen Fußball erst einmal ausgesetzt – das sind noch mehr als drei Monate. Und seit über zwei Monaten pausieren die Vereine schon. Die OVB-Sportredaktion hat sich bei den Trainern der höherklassigen Teams aus der Region umgehört, wie es nun weitergeht.

Hat ihre Mannschaft bislang noch individuell trainiert oder macht sie das aktuell noch?

Markus Raupach (TSV Buchbach/Regionalliga Bayern):„Wir lassen die Mannschaft aktuell nicht nach vorgegeben Plänen trainieren. Wir machen Angebote und die Spieler können auch die Fitness App B42 nutzen, aber ich denke, dass es momentan wichtiger ist, dass die Spieler Ausgleichssport machen, sonst droht über die Monate eine Ermüdung im mentalen Bereich und man kann keine neuen Reize setzen, wenn es wieder losgeht. Beim Training ist man ja immer auf ein Ziel fixiert, aber das lassen die Rahmenbedingungen derzeit einfach nicht zu.“

Leonhard Haas (SV Wacker Burghausen/Regionalliga Bayern):„Die Jungs machen jede Woche ein paar Läufe. Dazu machen wir drei Mal pro Woche ein gemeinsames Online-Training über die Zoom-App. Das ist ein 30 Minuten langes Workout mit viel Stabilisationstraining.“

Thomas Kasparetti (TSV 1860 Rosenheim/Regionalliga Bayern):„Wir haben das Glück, dass wir mit unserem Partner Hans Friedl und Corox drei Mal in der Woche ein virtuelles Training machen konnte. Das ersetzt zwar nie das richtige Fußballtraining, ist aber für die Übergangszeit richtig gut. Die Leihspieler waren in Unterhaching oder beim FC Bayern in ihren Vereinen gut versorgt, waren aber auch immer wieder bei uns dabei.“

Niki Wiedmann (TSV Wasserburg/Bayernliga Süd):„Im April haben wir mit der App B42 trainiert und individuell an der Fitness gearbeitet. Seit Anfang Mai haben wir der Mannschaft komplett freigegeben. Ab Mitte Juni wollen wir dann wieder individuell trainieren und hoffen, dass wir ab Juli in eine normale Vorbereitung starten können.“

Mario Reichenberger (FC Töging/Landesliga Südost):„Die letzten zwei Wochen trainieren die Jungs nur auf freiwilliger Basis.“

Harald Mandl (SB/DJK Rosenheim/Landesliga Südost):„Die Jungs haben ihr Programm bekommen, wir haben da jetzt schon das fünfte Update gemacht. Kondition und Fitness standen im Vordergrund. Die Spieler mussten das in Eigenverantwortung machen, das lief ganz gut.“

Klaus Seidel (TSV Ampfing/Landesliga Südost):„Die Jungs müssen individuell trainieren, wobei das der Verein überwacht. Es wird nach Plänen mit individuellen Schwerpunkten trainiert. Einige Spieler waren ja auch zu Beginn der Frühjahrsrunde noch nicht fit, beim ersten Spiel in Hallbergmoos hatten wir gerade mal elf Mann.“

Fangen Sie nun wieder mit dem Training in Kleingruppen an? Wenn ja, warum, wenn nein, warum nicht?

Raupach:„Da ist derzeit noch nichts in Planung. Die Entscheidung zur Öffnung der Sportstätten hat mich letzte Woche schon überrascht. Aus meiner Sicht wurde das etwas übers Knie gebrochen. Als Lehrer bin ich ja auch in die Diskussion um den Schulsport eingebunden, der ja auch nicht stattfinden darf, deswegen bin ich da schon etwas irritiert. Und da ja die Duschen gesperrt sind, wäre das bei uns gar nicht möglich. Zudem ist Training immer mit gewissen Zielen verbunden, die es derzeit gar nicht gibt, das alles geht mir noch zu sehr in Blaue.“

Haas:„Wir werden schauen, wie man das Ganze planen kann. Wir haben ja auch Spieler, die aus München kommen – und wenn es dann regnet und die nicht duschen dürfen, dann ist es schon problematisch. Das geht nicht, dass die dann eine Stunde lang in verschwitzten Klamotten heimfahren. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ein Training in Kleingruppen Sinn macht. Das hat nicht viel mit dem Fußballtraining zu tun, das wir sonst praktizieren.“

Kasparetti:„Wir haben am Freitag damit angefangen. Das Hygienekonzept vom Bayerischen Fußballverband wird so umgesetzt, wie wir es bei uns am Sportgelände durchführen können. Wir sind Fußballer durch und durch und sitzen nicht unbedingt gerne auf dem Radl. Wir sind froh, wieder die Kugel am Fuß zu haben.“

Wiedmann:„Wir werden dieses Training einmal pro Woche anbieten. Wir sind vier Trainer und könnten dann mit 16 Spielern arbeiten. Allerdings werden wir den Spielern die Teilnahme freistellen. Die Jungs haben Bock darauf, dass sie sich wieder sehen. Wir sind alle Fußballer und können es nicht erwarten, wieder auf den Platz zu gehen. Mit mannschaftstaktischem Training hat das zwar nichts zu tun, die Hauptsache ist aber, dass wir wieder Spaß haben. Es ist besser als nichts!“

Reichenberger:„Wir wollen uns Ende Mai zusammenschließen und dann weiterschauen, eventuell ist ja ab Juni ein Training in kleinen Gruppen möglich. Die Jungs wollen endlich mal wieder auf den Ball hauen und sich als Mannschaft treffen. Wir müssen dann mit der Stadt abklären, was möglich ist. Vielleicht sieht ja in zwei bis drei Wochen schon alles ganz anders aus.“

Mandl:„Im Mai und Juni erst einmal nicht. Die Spieler kriegen im 14-tägigen Rhythmus ihr Programm, das sie durchziehen sollen. Die Vorgaben des Leitfadens machen ein fußballspezifisches Training sehr schwierig – das ist eher ein Unterhaltungsprogramm. Wir warten auch ab, wie sich das im Profibereich entwickelt – klappt das dort nicht, dann bricht das eh alles wieder auseinander.“

Seidel:„Wie ich gehört habe, sollen die Plätze in Ampfing noch eine Zeit lang geschlossen bleiben. Im Mai werden wir also sicher noch nicht trainieren, wir können ja sowieso nicht vier Monate Vorbereitung machen. Eventuell geht es ab Anfang Juni wieder langsam los.“

Womit haben Sie sich als Trainer in den letzten Wochen beschäftigt?

Raupach:„Wir halten mit den Spielern online Kontakt, aber selbstverständlich ist jetzt weniger zu tun als sonst und der persönliche Kontakt fehlt schon extrem. Deswegen haben mein Kollege Andi Bichlmaier und ich auch die Zeit genutzt, um uns fortzubilden. Andi hat beim IFI (Internationales Fußball Institut in Ismaning: Anmerkung der Red.) einen vierwöchigen Kurs ‚Modernes Ausdauertraining‘ belegt und ich habe ein vierwöchiges Online-Seminar ‚Scouting im professionellen Fußball‘ absolviert. Extrem interessant ist, an welche Daten man da kommt, die man sonst nicht einsehen kann. So habe ich zufällig bei der Daten-Plattform Scoutpanel der Firma Matchmetrics gesehen, dass unser Spieler Marco Rosenzweig an Nummer eins der persönlichen Entwicklung im April-Ranking steht. Da werden die Daten aus den letzten sechs Monate von vielen tausenden Amateurspielern aus Europa herangezogen. Ist jetzt ein wenig verzerrt das Bild, weil ja in den letzten sechs Monaten nicht so viele Spiele waren, aber trotzdem spannend.“

Haas:„Fußballerisch betätigt habe ich mich nur mit meinen Kindern in Garten. Trainingspläne zu schreiben halte ich für schwierig, da ich mich immer an den Bedürfnissen der Mannschaft orientiere. Da bräuchte ich schon einen Anhaltspunkt.“

Kasparetti:„Ich konnte den Trainern unseres Partners SpVgg Unterhaching über die Schulter schauen, das war sehr interessant. Dazu habe ich Bücher über Sportpsychologie und Talentförderung gelesen, zum Beispiel ,Teamgeist‘, an dem Adi Hütter mitgewirkt hat – ein erfahrener Trainer, der auch über den Tellerrand hinausschaut.“

Wiedmann:„Wir Trainer und die Verantwortlichen des Vereins haben uns desöfteren über mehrere Stunden zusammentelefoniert. Wir haben viel an der Kaderstruktur gearbeitet, auch mit potenziellen Neuzugängen gesprochen und unsere Spielausrichtung definiert. Die größte Aufgabe ist es, trotz allem nahe dran an den Spielern zu sein. Wir haben deshalb wöchentlich individuell mit jedem Spieler gesprochen.“

Reichenberger:„Wir halten online Kontakt mit den Jungs und wir haben uns auch online fortgebildet, aber es ist überhaupt nicht wie sonst, wenn man wöchentlich fünf bis sechs Mal auf dem Fußballplatz steht. Dafür kommen die Projekte zuhause voran: Die Terrasse, das Gartenhaus, aber anders wäre es mir lieber.“

Mandl:„Ich bin zum Videoanalyse-Experten geworden. Die sind sehr zeitaufwendig und während der Saison ein bisschen untergegangen. Das macht mir jetzt richtig Spaß.“

Seidel:„Spezielle Aufgaben als Trainer habe ich derzeit nicht. Vielmehr muss der Verein jetzt die Zeit nutzen, um die künftige Ausrichtung in die sportlich richtigen Bahnen zu lenken. Es gibt da ja ein Konzept, das umgesetzt werden soll.“

Wenn es im September wieder losgehen sollte: Wieviel Vorlauf braucht es für die Mannschaften?

Raupach:„Ich bin mir wirklich nicht sicher, dass es im September weitergeht. Wenn ja, bräuchte man eine längere Vorbereitung als sonst. Sechs Wochen sind da fast das Minimum, aber ich fürchte, dass für echtes Mannschaftstraining gar nicht so viel Zeit bleibt, weil das dann ja alles relativ zügig umgesetzt werden muss, wenn Kontaktsport wieder möglich ist. Unter vier Wochen ist es aber nicht machbar, wobei man natürlich Lauf- und Kräftigungsprogramme individuell und Fußball spezifisch schon konkretisieren kann, wenn der Termin zum Wiederbeginn fix steht. Aber das ist alles derzeit noch sehr hypothetisch. Wichtig ist, dass man nicht übersteuert und ohne konkreten Rahmen zu früh anfängt, sonst gibt es mentale Probleme.“

Haas:„Definitiv braucht man eine neue Vorbereitung, dazu müssten aber vier Wochen reichen, weil die Spieler ja körperlich fit sind. Irgendwann muss es dann aber erlaubt sein, von den Kleingruppen in ein normales Training überzugehen.“

Kasparetti:„Mindestens die Regel-Vorlaufzeit einer normalen Vorbereitung, man spricht ja da von fünf bis sieben Wochen. Man muss die Spieler physisch wieder auf den Wettbewerb vorbereiten – haben wir die Zeit dazu nicht, dann bekommen wir ein Riesenproblem.“

Wiedmann:„Es braucht die sechs Wochen Vorbereitungszeit. Wenn es im September losgehen soll, dann wäre es sinnvoll, dass man ab Juli wieder ein normales Training durchführen darf.“

Reichenberger:„Unser Plan wäre, dass wir Mitte Juli wieder anfangen wollen, gesetzt den Fall die Jungs dürfen dann wieder ernsthaft trainieren. Theoretisch würden auch vier Wochen Vorbereitung reichen, ich gehe davon aus, dass wir da sehr flexibel sein müssen. Gut wäre zu wissen, mit welchen Spielern wir dann spielen können. Da wird es mit Sicherheit Veränderungen geben.“

Mandl:„Wir werden Anfang Juli einen Leistungstest machen, dann beginnt die ganz normale Vorbereitung. Ungeachtet dessen werden wir dann spezielle Schwerpunkte festlegen, weil die Fitness ja schon passen müsste.“

Seidel:„Das hängt davon ab, wie fit die Spieler sind. Wenn sie in einem Zustand wie im Winter sind, brauchen wir sicher acht Wochen. Momentan ist alles ungeklärt, aber ich habe schon Anfragen für Vorbereitungsspiele im August.“

Soll davor das Transferfenster noch einmal geöffnet werden?

Raupach:„Da fehlen ja aktuell noch alle Entscheidungsgrundlagen, das Thema muss man besonnen angehen. Ohne belastbare Rahmenbedingungen kann man dazu praktisch nichts sagen, da bewegen wir uns noch komplett im Rahmen der Spekulation. Man weiß ja noch nicht mal, ob es in allen Vereinen überhaupt so weitergeht wie bisher.“

Haas:„Das muss schnellstmöglich geklärt werden. Bei uns laufen zehn Verträge aus. Philipp Maier steht eigentlich ab 1. Juli in Schweinfurt unter Vertrag – für welchen Verein spielt er dann? Dieses Thema ist nun eines der Wichtigsten, darüber hat aber noch keiner so richtig gesprochen.“

Kasparetti:„Das sehe ich sehr emotionslos, denn wir können das nicht entscheiden oder ändern.“

Wiedmann:„Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen. Es gibt sicherlich Härtefälle, aber für die Vereine wäre es schon wichtig.“

Reichenberger:„Das Transferfenster muss aufgemacht werden. Viele Spieler verändern sich ja beruflich, dann gibt es die Studenten, die eventuell ihren Abschluss machen und andere Leute zieht es in ihre Heimat zurück. Wenn das Fenster nicht geöffnet wird, sind einige Vereine mit Sicherheit nicht mehr konkurrenzfähig. Wenn ein Vertragsspieler, dessen Vertrag am 30. Juni ausläuft, nicht mehr spielen mag, hat man ja keine Handhabe. Das ist für mich eine der wichtigsten Entscheidungen, damit die Vereine handeln können. Hier besteht dringend Handlungsbedarf.“

Mandl:„Das wird sicherlich spannend und muss dringend entschieden werden. Wobei wir nicht unter Druck stehen, weil wir mit vielen Spielern vor Corona bereits verlängert haben. Die Frage ist aber, wie es bei unserem Kooperationspartner 1860 Rosenheim mit den jungen Spielern weitergeht. Wir haben den Auftrag, dass wir die Spieler einbauen sollen und planen eigentlich auch damit.“

Seidel:„Wenn die aktuelle Saison zu Ende gespielt wird, dürfte das Transferfenster eigentlich nicht geöffnet werden. Auf der anderen Seite muss es geöffnet werden, weil wir ja quasi dann einen dritten Saisonabschnitt haben und es mit Sicherheit Veränderungen geben wird. Aus meiner Sicht hätte man die Saison beenden sollen, dann hätte man Verträge zum 30. Juni auflösen können und man hätte einen sauberen Schnitt gehabt. So haben wir eine unendliche Diskussion um die Entlohnung von Vertragsspielern, da müssen die Mindestbeiträge zwingend herabgesetzt werden, sonst ist das alles gar nicht machbar. Ich hoffe immer noch, dass abgebrochen wird und es eine neue Saison gibt. Man muss sich das mal vorstellen, dass es vielleicht bis Mai nächsten Jahres nur noch zehn oder elf Spieltage gibt, wenn die Saison fertig gespielt wird und die Saison 2020/21 ausfällt.“

Welche Langzeitverletzten sind bis dahin wieder fit, bei wem dauert es wohl noch länger?

Raupach:„Außer Moritz Sassmann hatten wir keine Langzeitverletzten. Ob er dann wirklich wieder voll einsatzfähig ist, wenn es wieder losgeht, ist schwer kalkulierbar, weil ja erst dann die Wettkampfbelastung wieder voll da ist. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass es in der Krise gar keine Profiteure gibt.“

Haas:„Andi Scheidl hatte eine Verletzung an der Syndesmose und einen Haarriss im Mittelfuß. Er wäre bis Saisonende ausgefallen und steht im September wieder zur Verfügung. Auch Christoph Buchner hätte nach seiner OP im Frühjahr noch gefehlt.“

Kasparetti:„Unser Torwart Alin Goia ist nach seiner Gesichtsverletzung wieder dabei, auch unser junger Stürmer Mike Keereerom (Bänderriss) ist wieder fit. Niclas Anspach, der im Winter aus Unterhaching gekommen ist, konnte sich nach Verletzung wieder heranarbeiten. Und bei Markus Sattelberger, der sich in der Vorbereitung das Kreuzband angerissen hat, verläuft der Heilungsprozess optimal. Er kann vielleicht im Herbst schon wieder eingreifen.“

Wiedmann:„Matthias Haas hätte die ersten Spiele noch nicht machen können, auch Albert Schaberl hatte Probleme mit dem Schambein. Die haben jetzt Zeit, um wieder fit zu werden.“

Reichenberger: „Wir hatten zum Zeitpunkt des Abbruchs keinerlei Verletzte, alle waren nach der Wintervorbereitung fit, für uns wäre es optimal gewesen.“

Mandl:„Unser Torjäger Marko Dukic wurde zweimal am Knöchel operiert. Der macht derzeit Reha-Training und könnte im September schon wieder fit werden.“

Seidel:„Wahid Alemi hat ja nach einem Kreuzbandriss seine Laufbahn beendet, aber Kevin Kostner hat sich im März an der Achillessehne operieren lassen. Für ihn könnte die Pause ein Vorteil sein.“

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