Vom Verband gekürt

Auszeichnung für Martina Seidl: Olympiasiegerin ist Biathlon-Trainerin des Jahres

Engagiert bei der Trainingsarbeit: Martina Seidl betreut in Ruhpolding 26 Nachwuchs-Biathleten.
+
Engagiert bei der Trainingsarbeit: Martina Seidl betreut in Ruhpolding 26 Nachwuchs-Biathleten.

Traditionell werden bei der Einkleidung der Wintersportler des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) auch Sportler und Trainer ausgezeichnet. Angefangen vom „Goldenen Ski“ gibt es auch Ehrungen in den einzelnen Disziplinen. So wurde Martina Seidl vom SC Hammer zur Trainerin des Jahres im Biathlon gekürt.

Ruhpolding – Traditionell werden bei der Einkleidung der Wintersportler des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) auch Sportler und Trainer ausgezeichnet. Angefangen vom „Goldenen Ski“ gibt es auch Ehrungen in den einzelnen Disziplinen. So wurde Martina Seidl vom SC Hammer zur Trainerin des Jahres im Biathlon gekürt. Die 46-jährige ist Gautrainerin im Skiverband Chiemgau/Inngau und betreut 26 Nachwuchs-Biathleten im Schülerbereich. Zum Team gehören zusätzlich sechs Trainer.

Auszeichnung als Motivation für alle Trainer und Trainerinnen

„Die Auszeichnung freut mich sehr und hat mich auch überrascht. Es zeigt aber auch die Wertschätzung und Wichtigkeit der Trainertätigkeit im Schülerbereich. Die Auszeichnung soll auch Motivation für alle sein, die in diesem Bereich arbeiten“, so die ehemalige Olympiasiegerin und Weltmeisterin. Diese Titel holte die gebürtige Schlechingerin unter ihren Mädchennamen Zellner. „Die Medaillen habe ich im Keller verstaut“, sagt sie. Diese werden eigentlich nur zu Fotoshootings hervorgeholt.

Seidl ist nicht nur Trainerin

Neben ihrem Engagement im Biathlon-Nachwuchsbereich leitet Seidl eine Agentur für betriebliches Gesundheitsmanagement. Wegen der aktuellen Corona-Maßnahmen sind in diesem Bereich die Aktivitäten für sie eingeschränkt. Daneben ist sie aber auch Hausfrau und Mutter von zwei Kindern, die ebenfalls sportlich sehr aktiv sind. Der 16-jährige Sohn Elias ist mittlerweile erfolgreich im Biathlon unterwegs, die jüngere Schwester Antonia liebäugelt mit einer Karriere beim Biathlon.

Lesen Sie auch:

Biathlon: Alle Termine für den Weltcup 2020/21

Normalerweise ist Martina Seidl beim Biathlon-Weltcup in der heimischen Chiemgau Arena eine der über 1000 ehrenamtlichen Helferinnen und betreut bei dieser Gelegenheit auch Sponsoren. Dieses Mal wird es aber im Januar ganz anders aussehen. Der Weltcup in Ruhpolding wird wegen der Corona-Pandemie zum ersten Mal überhaupt ausfallen. „Die Absage hat mich überrascht, aber ich kann das auch verstehen.“

„Ich bin nicht der Typ gewesen, der bei Platz 35 lächelnd durchs Ziel gefahren ist.“

18 Jahre nach dem Ende ihrer Karriere als Biathletin überwiegen bei ihr die schönen Erinnerungen. „Bei Misserfolgen habe ich oft länger gebraucht, diese zu verarbeiten“, gibt sie zu. „Ich bin nicht der Typ gewesen, der bei Platz 35 lächelnd durchs Ziel gefahren ist. Ich habe immer versucht zu analysieren, was schiefgelaufen ist, und mich gefragt, wie ich besser werden kann.“ Den Boom im Biathlon der damals Ende der 90er-Jahre begonnen hat, konnte sie noch ein paar Jahre miterleben.

Lesen Sie auch:

Biathlon: Ruhpolding aus dem Weltcup-Kalender 2020/21 gestrichen

Angefangen hat es aber schon mit den Erfolgen von Peter Angerer und Fritz Fischer. „Die Deutschen lieben Sportarten, in denen wir erfolgreich sind“, so die 46-Jährige. Mit der Einführung von Wettkämpfen wie Massenstart und Verfolgung sei die Sportart auch für das Fernsehen noch attraktiver geworden. „Das hat man bei ARD und ZDF schnell gemerkt und ist auf den Zug aufgesprungen.“

„In guten und in schlechten Zeiten sind die da gewesen“

Großen Anteil an ihrem Erfolg hatte vor allem ihr Vater Karl, mit dem ist sie als Trainer und Techniker groß geworden. Aber auch Peter Angerer oder Martin Hobmaier haben ihr Talent erkannt und gefördert, später Bundestrainer Uwe Müßiggang. Die soziale Absicherung hat Seidl beim Bundesgrenzschutz, heute Bundespolizei, gefunden. Dort ist sie von Engelbert Sklorz und Roland Biermeier trainiert worden. „In guten und in schlechten Zeiten sind die da gewesen“, sagt sie dankbar.

Zu Seidls Zeit hat es „noch mehr gemenschelt“

Ihr Karriereende 2002 hatte sie überlegt gewählt. „Das ist genau richtig gewesen und ich habe es nicht bereut. Ich habe noch eine Zeit erlebt, die sehr persönlich gewesen ist.“ Gerne erinnert sie sich an die Mannschaftsabende, in der das Wort „Biathlon-Familie“ im Mittelpunkt gestanden ist. „Natürlich haben wir auch damals schon professionell trainiert, aber anders halt. Alles hat sich mittlerweile weiterentwickelt. Es wird mehr Geld verdient und man kann richtig berühmt werden. Unsere Zeit ist anders gewesen, da hat es noch mehr gemenschelt.“

Kommentare