FRAUEN-EISHOCKEY

Auch mit 38 Jahren noch titelhungrig: Rosenheimerin Mona Pink mit dem ESC Planegg Meister

Da kommt Freude auf: Mona Pink (rechts) mit Julia Zorn (Mitte) und Kerstin Spielberger nach dem Titel in Füssen.
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Da kommt Freude auf: Mona Pink (rechts) mit Julia Zorn (Mitte) und Kerstin Spielberger nach dem Titel in Füssen.
  • vonKarlheinz Kas
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Sie ist ein Kind des Trostberger Eisstadions und wohnt seit 15 Jahren in Rosenheim-Kastenau: Mona Pink. Mit vier stand sie erstmals auf Schlittschuhen, mit acht spielte sie mit den Buben in einer Mannschaft, mit 14 wechselte sie zur Damenmannschaft nach Augsburg und mit 15 zum ESC Planegg-Würmtal.

Rosenheim/Trostberg/Füssen– Das ist jetzt 23 Jahre her. Zuletzt feierte die gebürtige Trostbergerin mit ihrer Mannschaft den achten deutschen Meistertitel, bei drei Pokalsiegen. Mona Pink ist Kapitän, überreichte ihren Spielerinnen die Meistermedaillen und hielt den Pokal hoch. Das alles im Bundesleistungszentrum Füssen, wo erstmals der Titel in einem Final-Four-Turnier vergeben wurde.

Nicht als Favorit ins Rennen gegangen

„Ich glaube, unser Teamspirit war entscheidend. Hinzu kam, dass unsere vielen Verletzten wieder dabei waren“, sagt sie auf die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis. Pink & Co. waren nämlich keineswegs als Favorit ins Rennen gegangen. Das war der ERC Ingolstadt als Bester der Punkterunde. Die Donaustädterinnen aber scheiterten im Duell gegen den Vierten im Halbfinale an Berlin, wogegen sich der Rangzweite Planegg knapp mit 3:2 gegen den Dritten aus Memmingen durchsetzte. Im Finale gab es dann gegen die Berlinerinnen ein 4:1. Mona Pink, gelernte Mittelstürmerin, spielte im ersten Block in der Abwehr durch, kam bei Über- und Unterzahl aufs Eis und hatte großen Anteil an den beiden Siegen. Schon in der Punktrunde zuvor war sie großer Rückhalt, bestritt alle Spiele, schoss als Abwehrfrau drei Tore und buchte sieben Assist.

Von Bundestrainer Christian Künast, der auch schon in Rosenheim spielte, gab es den Meisterpokal.

Die Pandemie traf das Frauen-Eishockey zum ungünstigsten Zeitpunkt

Dabei hatte die Pandemie das deutsche Frauen-Eishockey im letzten Jahr zur Unzeit erwischt. Die Spielerinnen hatten gerade das erste Match ihrer auf maximal drei Partien veranschlagten Finalserie hinter sich gebracht, als das öffentliche Leben heruntergefahren und jeglicher Sportbetrieb eingestellt wurde. Die männlichen Kollegen hatten wenigstens die Hauptrunde zu Ende bringen können. Für die Frauen war die ungeklärte Situation völlig unbefriedigend. Umso schöner war es jetzt, dass der Meister 2021 gekürt werden konnte.

Ein paar Tage nach dem Titelgewinn kam die Planegger Meistermannschaft ein letztes Mal zusammen. Bei einem Gauditraining und einem anschließenden lustigen Kabinenfest wurden die beiden amerikanischen Spielerinnen verabschiedet, zudem den sieben deutschen Nationalspielerinnen aus Planegg für die Weltmeisterschaft im Mai in Kanada viel Glück gewünscht. Mona Pink ist nicht mehr dabei, trug aber 25 Mal das deutsche Nationaltrikot. Für den Deutschen Eishockey-Bund spielte sie 2009 die Olympia-Qualifikation für Vancouver und bestritt eine Weltmeisterschaft. Ihre Bilanz insgesamt: Unfassbare 588 Spiele, davon allein 325 in der Deutschen Frauen-Eishockey-Liga (DEFL), 136 Tore und 313 Assist.

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„Wenn ich mal in Fahrt bin, passt das“

Und wie kann sie das hohe Niveau mit ihren 38 Jahren noch so halten? „Anfahren, Starten, Stoppen ist nicht meins, aber wenn ich mal in Fahrt bin, dann passt das schon“, lacht Pink, der natürlich ihre langjährige Erfahrung zu Gute kommt. Das heißt: Ihr Stellungsspiel ist absolut top. Dort wo andere erst hinfahren müssen, steht die Trostbergerin bereits. Ihre Fitness holt sie sich im Sommer. Da geht es mit Vater Gerd oft auf die Berge oder sie radelt ihre Runden um Rosenheim, wo sie seit Jahren mit ihrem Lebensgefährten Michael Lehmann wohnt.

Apropos Lehmann: Er hat sich als Spieler und Trainer im Eishockeysport längst einen Namen gemacht, war Spieler, Trainer und Spielertrainer in Trostberg und Burgkirchen, trainierte den TEV Miesbach und diverse Damenmannschaften. Da trifft es sich natürlich gut, dass er seit Jahren sportlicher Leiter bei der Damenmannschaft in Planegg ist. Natürlich stand er in Füssen bei der jüngsten Meisterschaft seiner Damen wieder an der Bande und fieberte mit. So eng er mit Pink privat und im Eishockey verbandelt ist, so konträr sind die beruflichen Interessen. Pink arbeitet für BMW und leitet hier die Sport- und Eventmarketingabteilung Österreich von Salzburg aus, Lehmann steht bei Mercedes unter Vertrag, kümmert sich von Rosenheim aus als Händler um Nutzfahrzeuge.

Vom Karriereende noch keine Rede

Vom Karriereende will die Trostbergerin übrigens nichts wissen. „Ich habe ja schon ein paar Mal aufgehört und bin dann noch überredet worden, weiterzumachen, ich lege mich da nicht fest“, schmunzelt sie und genießt den Erfolg. „Ja, müde von der langen Saison bin ich schon. Jetzt ist erst einmal Ruhe angesagt“, ergänzt sie. Ein großes Dankeschön schickt sie übrigens nach Miesbach und Grafing. „Ohne die Unterstützung von dort, hätten wir es nie geschafft. In Miesbach durften wir immer trainieren und konnten unsere Heimspiele austragen. Als dort dicht gemacht werden musste, bekamen wir in Grafing eine neue Heimat.“

„Da gibt es noch viel zu tun“

Und wie sieht Mona Pink das Damen-Eishockey allgemein? „Da gibt es noch viel zu tun, wir stehen noch deutlich im Schatten der Herren“, stellt sie fest und wünscht sich Verhältnisse wie beim Volleyball. „Da sind Damen und Herren praktisch gleichgestellt!“ Ihr Lösungsansatz: „Wir müssen mehr Aufmerksamkeit generieren, dann erhöht sich das Interesse“, sagt Pink, lässt aber nicht unerwähnt, dass man auf einem guten Weg sei: „In dieser Saison ist fast jedes Spiel gestreamt worden, das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.“ Und mit einem Schmunzeln betont sie auch: „Unsere Mädels sind attraktiv, wenn sie sich nicht gerade hinter ihren Gitterhelmen verstecken!“

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