Ampfings Sportlicher Leiter Adrian Malec: „Glaube nicht an einen Fußball-Start im September“

Sieht auf den TSV Ampfing große Probleme zukommen: Ampfings Sportlicher Leiter Adrian Malec. Buchholz

Etwas mehr als zwei Drittel aller bayerischen Fußballvereine von der Bayernliga bis zur C-Klasse haben am Wochenende für eine Fortsetzung der aktuellen Saison ab September votiert, das Präsidium des BFV will im Laufe dieser Woche rechtverbindlich entscheiden, wie es weitergeht.

Rosenheim/Mühldorf – Unterschiedlich fallen die Reaktionen der heimischen Landesligisten aus, zumal die Vereine ja auch verschiedene Voraussetzungen haben.

Gemischt sind die Gefühle der Clubs aus Rosenheim, Ampfing, Töging und Traunstein auch hinsichtlich des möglichen Wiederbeginns im September, hier werden zum Teil erhebliche Bedenken vorgetragen. „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass wir im September wieder Fußball spielen“, sagt etwa Tögings Fußball-Boss Klaus Maier.

Günther Güttler: Wir brauchern jeden Euro“

Auch wenn der SB Rosenheim nicht gerade als Zuschauermagnet bekannt ist, waren für den Sportlichen Leiter Günther Güttler Geisterspiele im Amateurbereich nie ein Thema: „Auch wir brauchen jeden Euro. Im Profibereich machen die Zuschauereinnahmen etwa zehn Prozent aus, der Rest kommt durch Sponsoren und Vermarktung rein. Im Amateurbereich ist bei den meisten Vereinen umgekehrt.“ Dass die jetzt angedachte Lösung nur ein Kompromiss sein kann, ist für Güttler klar: „Ich möchte nicht in der Haut des Präsidenten stecken. Wie auch immer es weitergeht, zu hundert Prozent kann man es natürlich den Vereinen nicht recht machen.“ Der freiwillige Verzicht auf die Aufwandsentschädigungen kam beim Sportbund direkt aus den verschiedenen Mannschaften, dass der SBR gerüstet sein wird, wenn die Saison fortgesetzt, macht Güttler deutlich: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, die Spieler haben Verträge über den Juni hinaus, also gehe ich davon aus, dass die Mannschaft größtenteils zusammen bleiben wird. Gespräche mit für uns interessanten Spielern werden zwar geführt, aber das bleibt in der aktuellen Situation natürlich alles in der Schwebe.“ Güttler befindet sich die ganze Zeit im regen Austausch mit der Abteilungsleitung und Trainer Harry Mandl, aber in den nächsten 14 Tagen werden die Gespräche erst mal ruhen und die aktuellen Entwicklungen abgewartet.

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„Es wäre besser gewese abzubrechen“

„Wenn ich zu hundert Prozent wüsste, dass die Saison im September fortgesetzt werden kann, wäre alles noch okay. Das wäre dann die fairste Lösung, aber ich glaube da nicht wirklich daran. Aus meiner Sicht wäre es besser gewesen die Saison abzubrechen und die Meister aufsteigen zu lassen“, sagt Ampfings Sportlicher Leiter Adrian Malec, der überzeugt ist: „Wenn es im Herbst weitergeht, wäre wir stark genug uns noch zu retten.“ Riesenprobleme sieht Malec aber auf sich zukommen sieht, wenn erst im März nächsten Jahres wieder gespielt werden kann: „Ich weiß nicht, ob wir dann noch eine Mannschaft haben. Bei uns kommen viele Spieler von auswärts, das kann keiner abschätzen, ob die Spieler dann noch bereit sind, diese Fahrtstrecken auf sich zu nehmen. Und zudem stehen ja auch bei einigen Jungs berufliche Veränderungen ins Haus, insofern können wir schlecht abschätzen, ob die Burschen dann überhaupt noch in der Lage sein werden, bei uns zu spielen.“ Malec fordert deswegen, dass spätestens im Winter ein Transferfenster geöffnet wird, damit die Vereine entstandene Lücken im Kader wieder schließen können. Existentielle Probleme sieht Malec auf Ampfing trotz der Einschnitte erst einmal nicht zukommen, Gespräche mit den Spielern, wie es jetzt in den nächsten Monaten weitergehen soll, stehen erst in den nächsten Wochen auf dem Programm.

Umwandlung von Vertragsamateuren in Amateure ins Spiel gebracht

Peter Mallmann, beim SB Chiemgau Traunstein unter anderem fürs Sponsoring zuständig, folgt der Auffassung des Verbandes: „Wir haben ganz klar für die Fortführung gestimmt, weil ja sonst im schlimmsten Fall zwei Spielzeiten beschädigt würden.“ Die Traunsteiner Spieler haben sich mit dem Verein solidarisch erklärt und üben Verzicht, dennoch hat Mallmann eine Umwandlung von Vertragsamateuren in Amateure ins Spiel gebracht: „Präsident Rainer Koch hat versprochen den Vorschlag zu prüfen.“

Eine etwas andere Variante schwebt Tögings Abteilungsleiter Maier vor: „Aus meiner Sicht wäre es hilfreich, wenn man den Mindestverdienst bei Vertragsamateuren von 200 Euro auf zehn Euro herabsetzen würden, dann würde man auch die Sozialabgaben in den Griff bekommen.“ Auch Maier hat für die Fortsetzung der Saison votiert, da sonst zwei Spielzeit kaputt gemacht würden. Der Spartenchef ist überzeugt, dass erst im nächsten März wieder gespielt werden kann: „Bei einem Kontaktsport wie Fußball brauchen wir erst Medikamente und Impfstoff. Wöchentliche Tests auf das Virus sind im Amateursport ja gar nicht finanzierbar. Ich kann mit vorstellen, dass es beim Tennis, beim Golf und beim Tischtennis demnächst Lockerungen geben wird, beim Amateurfußball sind wir davon meilenweit entfernt.“

Profis sollen den Amateuren unter die Arme greifen

Auch die Töginger Spieler haben Verständnis für die Situation und verzichten einheitlich auf Zahlungen. „Chapeau und Respekt an alle Spieler“, so Maier, der glaubt, dass Töging finanziell so einigermaßen über die Runden kommen wird. Klärungsbedarf besteht für ihn, was mit Verträgen ist, die für die neue Saison abgeschlossen wurden: „Ab wann gelten diese Verträge, das müsste man festlegen.“ Insgeheim rechnet sich Maier bei einer Fortsetzung der Saison ab kommenden März noch Chancen auf die Aufstiegsrelegation aus: „Das ist zwar jetzt zweitrangig, aber wenn im Juli nächsten Jahres die Saison 2021/22 losgeht, werden eine bärenstarke Mannschaft haben. Soweit will Mallmann erst mal noch nicht hinausdenken, er ist sich sicher, dass der Verband auch im Sommer ein Wechselfenster öffnen muss, zumal es ja immer Spieler gibt, die sich beruflich verändern oder die zum Studieren anfangen und so praktisch zu einem Vereinswechsel gezwungen sind. Generell hofft Mallmann, dass alle Spieler im Amateurbereich so vernünftig sind und sich solidarisch erklären, damit die Vereine überleben können. Und er würde sich auch erhoffen, dass die Profis den Amateuren unter die Arme greifen: Nach dem Vorbild des großen Benefizkonzertes im Pop- und Rockbereich könnte sich Mallmann eine Benefizveranstaltung der Bundesliga-Profis zugunsten der Amateurvereine vorstellen.

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