DOPPEL-WELTMEISTERIN AUS BRUCKMÜHL

Abitur, Polizei, Olympische Spiele 2026 – Antonia Niedermaier weiß genau was sie will

Antonia Niedermaier: „Das Wichtigste ist Spaß haben.“
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Antonia Niedermaier: „Das Wichtigste ist Spaß haben.“
  • Hans-Jürgen Ziegler
    vonHans-Jürgen Ziegler
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„Eigentlich war ich ein Pferdemädchen“, sagt die 17-jährige Antonia Niedermaier aus Bruckmühl, die vor einer Woche Doppel-Weltmeisterin im Skibergsteigen wurde. Sie kommt vom Berglaufen und da hat sie auf dem Hochfelln und auf der Kampenwand für Furore gesorgt.

Bruckmühl – „Das sind nicht die Verrückten, die Narrischen, die den Berg hinaufrennen“, sagt Thomas Bösl, Bundestrainer der deutschen Skibergsteiger, über seine Sportler. Die Disziplin hat jetzt sogar Chancen ihr Randdasein in der öffentlichen Wahrnehmung hinter sich zu lassen. 2026 könnte „Skimo“ – die Abkürzung für „Ski Mountaineering“ – sogar olympisch werden. Wenn es so weit ist, will auch die 17-jährige Antonia Niedermaier aus Bruckmühl dabei sein. Sie wurde kürzlich Doppel-Weltmeisterin bei den U18-Juniorinnen und im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen erklärt sie, was das Wichtigste ist um Erfolg zu haben und wie sie den Uralt-Streckenrekord beim Kampenwandlauf geknackt hat.

Antonia, wie war beim ersten Rennen das Gefühl auf der Strecke?

Antonia Niedermaier: Beim Start des ersten Rennens war es am Anfang eine eher blöde Situation. Die Plätze werden nach Nationenwertung verteilt und weil Deutschland bei dieser Wertung nicht weit vorne ist, haben wir die letzten Startplätze gehabt. Ich bin aber dann relativ schnell nach vorne gekommen und habe mich an die Spitze setzen können.

Die haben Sie bis zum Schluss behalten, aber es wurde noch einmal knapp.

Niedermaier: Ich habe mich sogar ein bisschen abgesetzt, aber in den flachen Passagen sind die Schweizerin und die Französin wieder näher gekommen. Die letzten 200 Meter vor dem Ziel waren beide ziemlich nah dran und es ist zum entscheidenden Zielsprint gekommen. Ich habe es dann doch gerade noch geschafft und hatte eine halbe Sekunde Vorsprung.

Bis der erste Titel feststand, mussten Sie aber lange warten. Oder waren Sie sich sicher?

Niedermaier: Vom Gefühl habe ich gewusst, dass es gereicht hat und auf dem Zielfoto sieht man auch gut, dass ich vorne bin.

Unaufhaltsam nach vorne: Antonia Niedermaier, Skibergsteigerin aus Bruckmühl.

Konnte man im Vorfeld mit diesen Titeln rechnen?

Niedermaier: Ich war schon eindeutig bei den Favoriten dabei, weil ich ja schon bei den U20-Mädchen mitlaufe und da auch schon zwei Weltcups gewonnen habe. Vor zwei bei der WM bin ich auch schon Dritte geworden und hab schon einen Podestplatz zu verteidigen gehabt. Aber zwei Weltmeister, das ist schon super.

Wo liegt denn der Unterschied zwischen den beiden Disziplinen Vertical und Individual Race?

Niedermaier: Das Vertical Rennen ist eigentlich meine Parade-Disziplin. Da wird unten gestartet und oben ist das Ziel. Da geht es nur bergauf. Es haben 17 Mädchen teilgenommen und nach 20 Minuten waren wir im Ziel. Beim Individual Race gibt es mehrere Anstiege und Abfahrten. Beim WM-Rennen waren es drei Anstiege und drei Abfahrten mit insgesamt 820 Höhenmetern, die wir bewältigt haben. Da war ich nach knapp 50 Minuten im Ziel und hatte eine Minuten Vorsprung.

Das hört sich alles ziemlich anstrengend an. Wie kommt man denn als junges Mädchen zu solchen Sportarten? Sie sind ja im Sommer auch bei vielen Bergläufen am Start und das sehr erfolgreich?

Niedermaier: Ich komme eigentlich vom Berglaufen und bin als junges Mädchen einfach mal die Bergläufe in unserer Region mitgelaufen. Da war ich gleich in der Damenklasse sehr erfolgreich und als ich beim internationalen Hochfelln-Berglauf in der Damenklasse Fünfte wurde, bin ich bei den ganzen Trainern ins Gespräch gekommen. Dann hat mich auch noch der Bundestrainer Thomas Bösl angerufen und mich gefragt, ob ich bei der WM starten möchte. Das war 2019 und seitdem bin ich bei den Skibergsteigern dabei.

Antonia Niedermaier bei einem ihrer Berglaufsiege.

Kampenwand-Streckenrekord von 1992 gebrochen

Sie sprachen 2019 an, da haben Sie beim Kampenwandlauf auch noch den Streckenrekord der Damen geknackt.

Niedermaier: Das stimmt und das war eine relativ lustige Geschichte. An diesem Tag hat es brutal geregnet und wir wollten eigentlich gar nicht starten. Weil wir aber schon da waren, sind mein Papa und ich doch gestartet. Als ich im Ziel war und ich erfuhr, dass ich Streckenrekord gelaufen bin, habe ich das gar nicht fassen können.

Haben Sie schon immer Ausdauersportarten betrieben?

Niedermaier: Früher war ich immer so das Pferdemädchen und bin als Kind viel geritten und habe viel mit Tieren gemacht. Mit meinem Papa bin ich damals schon viel Rad gefahren und Skitouren gegangen. So richtig mit Ausdauersport habe ich mit elf oder zwölf Jahren angefangen.

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Was sind denn die Grundvoraussetzungen um in der Weltspitze dabei zu sein?

Niedermaier: Man braucht natürlich schon das Talent und die körperlichen Voraussetzungen, aber ganz wichtig ist, und das gilt für jede Sportart, dass man diszipliniert ist und ehrgeizig ist. Und das Allerwichtigste – man muss Spaß bei der Sache haben.

Trotz den häufigen und harten Trainings?

Niedermaier: Klar muss man viel trainieren, aber ich habe mit Dan Lorang auch einen sehr guten Trainer. Er ist auch Trainer des Weltklasse-Triathleten Jan Frodeno und vom Radsportteam Bora – hansgrohe. Dan trainiert mich jetzt seit einem Jahr und bei ihm bin ich sehr gut aufgehoben. Wir telefonieren jeden Sonntag und da sprechen wir den Plan für die nächste Woche durch.

Doppelweltmeisterin Antonia Niedermaier auf den Schultern ihrer Mannschaftskollegen.

Und wie sehen die Trainingsinhalte für eine Woche aus?

Am Montag ist erst mal ein Ruhetag, weil Sonntag ein hartes Training war. Meistens folgt auf einen sehr intensiven Tag mit vielen Intervallen ein ruhigerer Tag mit Grundlagen-Ausdauer statt. Das sind dann eher die ruhigeren Tage mit einer langen Radtour oder mit einer Stunde laufen. Was für mich ruhiger is, könnte für andere möglicherweise ein hartes Training sein. Freitag ist dann der nächste Ruhetag. Vielleicht mit ein bisschen Krafttraining und einem lockeren Lauf.

Dieses harte Training ist ja auch mit einem Ziel verbunden.

Niedermaier: Ganz klar. Skimo soll 2026 olympisch werden und die Chancen stehen ganz gut. Die Italiener wollen unbedingt, dass das Skibergsteigen olympische Disziplin wird und nicht das Naturbahnrodeln. Und das große Ziel heißt natürlich Olympische Spiele. Da dabei zu sein wäre auf alle Fälle ein richtiges Highlight. Ich war ja schon den Youth Olympique Games in Lausanne dabei. Allein das war schon ein tolles Erlebnis.

Bleibt bei soviel Training überhaupt noch Zeit für Hobbys?

Niedermaier: Meistens gehe ich am Montag mit meiner besten Freundin zum Pferd und mache ansonsten viel mit meinen Freundinnen. Einfach nur Spazierengehen oder ganz locker auf dem Berg, damit man einfach auch mal abschalten kann. Aber der Sport ist ja auch mein Hobby und ich mache das auch richtig gern und hab eine riesengroße Freude.

Macht die Schule auch Freude?

Niedermaier: Auf alle Fälle. Ich bin sowieso mehr unterwegs als ich in der Schule bin. Ich mache im Juni auf dem Gymnasium in Bruckmühl mein Abitur und bin sehr dankbar, dass unser Direktor und die Lehrer so viel Verständnis für mich haben. Unser Direktor freut sich auch immer, wenn ich erfolgreich bin, und schickt Glückwünsche per Email.

Und was kommt nach der Schule?

Niedermaier: Ich hoffe, dass ich mein Hobby zum Beruf machen kann und zur Polizei gehen kann, die in Ainring ein Spitzensport-Förderprogramm speziell für Skibergsteiger anbietet. Da möchte ich auf alle Fälle reinkommen.

Haben Sie auch ein Vorbild?

Niedermaier: Anton Palzer ist auf alle Fälle ein Vorbild für mich. Den habe ich bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren kennengelernt. Das ist so ein herzensguter Mensch, der mir so viel weitergeholfen und Tipps gegeben hat. Es ist eigentlich schade, dass er vom Skibergsteigen weg zum Radsport wechselt und für das Team Bora - hanshrohe startet. Natürlich wünsche ich ihm für diese neue Herausforderung alles Gute.

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