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In verschiedenen Positionen beim Traditionsverein

32 Jahre beim TSV 1860 München: Der Ampfinger Roland Kneißl ist im Herzen noch Löwe

Roland „Magic“ Kneißl im Jahr 1985 mit dem TSV 1860 München im Spiel gegen seinen Heimatverein TSV Ampfing.
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Roland „Magic“ Kneißl im Jahr 1985 mit dem TSV 1860 München im Spiel gegen seinen Heimatverein TSV Ampfing.
  • VonDirk Meier
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Nur bei vier Vereinen hat er gespielt und ist 32 Jahre lang beim gleichen Verein tätig gewesen. Der Ampfinger Roland Kneißl ist noch heute im Herzen mit dem TSV 1860 München verbunden.

Ampfing/München – Wenn einer 32 Jahre lang für einen Verein tätig war, dann ist das mit Sicherheit bodenständig: Roland Kneißl (58), in Mühldorf am Inn geboren und in Ampfing aufgewachsen, hat mehr als sein halbes Leben als Fußballer, Co-Trainer, Manager und Geschäftsführer Merchandising beim Traditionsklub TSV 1860 München gewirkt und überhaupt nur bei vier verschiedenen Vereinen gespielt.

Roland Kneißl ist noch heute ein Löwen-Fan.

Als Spieler hatte sich der Oberbayer aufgrund seiner überragenden technischen Fähigkeiten den Spitznamen „Magic“ verdient. Heute lebt Kneißl in Grünwald bei München, verfolgt das Geschehen bei den Löwen noch hautnah und besucht, wenn es wieder erlaubt ist, das ein oder andere Heimspiel der Sechziger. Für viele ist Kneißl ein Löwe durch und durch, ein richtiges Vorbild.

Mit 18 Jahren schon in der dritten Liga

Fußball interessierte Roland Kneißl von Kindesbeinen an und so begann er in seinem Heimatort beim TSV Ampfing, wo er den kompletten Nachwuchsbereich durchlief. Als Kneißl, der am 5. Februar 1963 geboren wurde, im Sommer 1981 in den Herrenbereich wechselte, da spielte der TSV Ampfing bereits in der Bayernliga, in die die „Schweppermänner“ 1979 aufgestiegen waren.

Doch nach zwei Jahren, als es unter Trainer Andreas Singer nicht mehr so richtig voranging, konzentrierte sich Kneißl mehr auf seinen Beruf, er hatte 1982 seine Ausbildung bei Sport Scheck in München abgeschlossen und wechselte daher 1983 zum FC Germering, der in der A-Klasse, heute Kreisliga spielte: „Das war für mich ein großer Schritt zurück mit nur zweimal Training pro Woche“, aber im Nachhinein mit genauso großer positiver Wirkung, blickt der 1,86 Meter große Kicker zurück.

Sein Trainer in Germering war Dieter Langhans, eine zu etwas zwielichtige Person, der später noch eine wichtige Rolle für Kneißl spielen sollte. „Ich bin damals von Ampfing weg, weil mir der Spaß am Fußball etwas abhanden gekommen war. Aber nach nur einem Jahr bin ich wieder zurück nach Ampfing“, sagt Rechtsfuß Kneißl.

„Für den TSV Ampfing war das Wahnsinn“

Der Zeitpunkt schien gut gewählt zu sein. Der Coach in Ampfing hieß immer noch Singer, von daher hatte sich nichts geändert. Aber die Saison 1984/85 sollte die erfolgreichste in der Ampfinger Vereinsgeschichte werden. Am Ende landete das Team auf Rang drei, hatte lange um den Aufstieg zur 2. Liga mitgespielt. „Für einen Dorfverein wie den TSV war das Wahnsinn.“

Kneißl erinnert sich an eines noch ganz genau: „Wir hatten vor der Saison eine für damalige Verhältnisse sehr großzügige Prämienregelung ausgehandelt und zwar für die Platzierung Platz 1-3. Ab dem dritten Spieltag standen wir auf Platz drei, das kostete dem Verein reichlich viel Geld. Im Saisonverlauf musste der Vorstand dann die weiße Fahne hissen, weil das nicht mehr bezahlbar war. Wir Spieler haben das dann eingesehen und uns auf eine moderatere Prämienregelung geeinigt, sind aber trotzdem Dritter geworden.“

Mit im Team standen Spieler wie Torwart Manfred Eiben, Toptorjäger Franz Schick und Größen wie Norbert Janzon und Rainer Hörgl. „Da hatten wir eine Super-Mannschaft und mir hat es wieder sehr großen Spaß gemacht in Ampfing zu spielen“, so Kneißl, der als Libero oder im Mittelfeld zum Einsatz kam.

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Zwischenstation beim Hauptstadtklub

Die Bayernliga war ja damals dritte Liga und so rückte der erst 21 Jahre alte Kneißl mit seiner starken Technik in den Blickpunkt von Profivereinen. Sein Germeringer Trainer Langhans stellte den Kontakt zu Hertha BSC Berlin her und der Wechsel klappte. Der „Big City Club“ spielte 1985/86 seinerzeit nur in der 2. Liga. „Berlin, das war für mich ein kleines Abenteuer.

Damals musste man ja noch die Transitstrecke durch die DDR fahren, das war manchmal etwas unheimlich. Berlin war natürlich eine ausgesprochen reizvolle Stadt für mich.“ Ganz interessant, West-Berlin hatte vor dem Mauerfall einen Sonderstatus. Da gab es zum Beispiel die Berlinzulage von sieben Prozent auf das Gehalt und ein West-Berliner brauchte nicht zur Bundeswehr.

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Die Saison verlief für die Hertha und Kneißl durchwachsen. Unter Trainer Uwe Kliemann schien der Klassenerhalt zehn Spieltage vor Schluss praktisch schon sicher zu sein. „Wir sind dann aber doch noch, völlig überflüssiger weise, abgestiegen mit zwei Punkten Rückstand auf den SC Freiburg und das, obwohl wir eine gute Mannschaft und zum Beispiel Andi Köpke im Tor hatten“, blickt Kneißl auf die Zeit in der heutigen Hauptstadt zurück.

„Fußball hatte Mitte der 80er Jahre da kein so gutes Image wie heute und wir spielten im Olympia-Stadion das ein oder andere mal vor nur 4.000 bis 6.000 Zuschauern. Manchmal kamen auch 25.000 Fans, aber das variierte. Schon vor der Saison war gar nicht sicher, dass Hertha die Lizenz bekommt.“

Kneißl wollte sich „nicht auf Wanderschaft begeben“

Kneißl in der Saison 1985/86.

Die Berliner Luft ließ Kneißl hinter sich, obwohl er noch einen Vertrag hatte. Aber dritte Liga konnte er auch daheim in Bayern spielen und so folgte mit 23 Jahren 1986 der Wechsel zum TSV 1860 München. Keiner, auch Kneißl nicht, konnte damals ahnen, dass es in seiner Karriere sein letzter Transfer werden sollte. Fahrudin Jusufi war sein erster Trainer bei den Löwen. „Ich hatte in den folgenden Jahren immer mal wieder die Möglichkeit, zu einem anderen Verein zu wechseln.

Aber ich hatte mich dazu entschieden, dass ich mich nicht auf Wanderschaft begebe.“ Sein Start war alles andere als erfolgreich: „Weil ich bei Hertha Profi war, musste ich mich reamateurisieren lassen, wurde drei Monate gesperrt. Dann habe ich ab Oktober zwei Spiele bestritten und mir dann einen Leistenbruch zugezogen, da war das erste halbe Jahr schon rum.“

„Er hätte Bundesliga spielen können“

Ab der Saison 1988/89 lief es dann unter dem neuen Trainer Willi Bierofka richtig gut für Roland Kneißl. Bierofka und Kneißl hatten ein sehr gutes Verhältnis zueinander, verstanden sich sportlich wie menschlich sehr gut und der freundschaftliche Kontakt ist bis heute nicht abgebrochen. „Roland war ein begnadeter Fußballer, der mit etwas mehr Ehrgeiz sicher die erste Bundesliga hätte spielen können. Vom Talent her hatte er jedenfalls alle Anlagen dazu. Roland ist ein toller Mensch, den ich als Spieler gerne in meinem Kader hatte. Wir verstehen uns auch heute noch gut und haben immer noch Kontakt zueinander“, lobt Bierofka seinen ehemaligen Spieler.

Eineinhalb Jahre ungeschlagen mit den Löwen

Richtig erfolgreich sollte es 1990/91 werden, als die Löwen nach neun Jahren Bayernliga endlich wieder auf der Profibühne erschienen. „Wir waren da eineinhalb Jahre und 34 Spiele ungeschlagen geblieben. „Karsten Wettberg entfachte eine unglaubliche Euphorie rund um den Club, die uns dann letztendlich bis auf den Marienplatz zur Aufstiegsfeier trug.“

Der „unnötigste Abstieg der Geschichte“

„Das erste Spiel in der zweiten Liga in Freiburg ging dann aber gleich mit 1:2 verloren“, blickt Kneißl zurück. Zur Saison-Halbzeit hatten die Löwen in Liga zwei die Meisterrunde nur um drei Tore verpasst, am Ende musste Sechzig wieder runter in die Bayernliga, was Kneißl als den „unnötigsten Abstieg der Geschichte“ bezeichnet. 1992 übernahm Werner Lorant das Zepter beim Klub von der Grünwalder Straße.

Mit dem egozentrischen Übungsleiter sollte es für den Traditionsverein steil nach oben gehen, es folgten zwei Aufstiege hintereinander. Was bis dahin nur dem SSV Ulm 1846 gelungen war, schafften nun auch die Löwen, den Durchmarsch von der dritten in die erste Liga. Das Verhältnis zwischen Lorant und Kneißl war sehr gut, wenn gleich Kneißl sagt: „Ich glaube, dass wir uns privat nie getroffen haben. Werner Lorant war ein wilder und harter Hund, aber auch ein sehr guter Trainer. Wir haben uns gegenseitig respektiert und geachtet.“

Für einen Bundesliga- Einsatz reicht es

Als Lorant Kneißl in der Vorrunde 1994/95 nur noch selten berücksichtigte, der Spielmacher auf der Bank schmorte, beendete Kneißl im Winter 1994/95 seine aktive Karriere im Alter von 31 Jahren und übernahm noch zur Rückrunde für zweieinhalb Jahre den Posten des Co-Trainers unter Lorant. Im Sommer 1995 folgte der Aufstieg in die Bundesliga und Lorant hielt sein Versprechen, dass er Kneißl noch einmal einwechseln würde.

Kneißl 1995 als Co-Trainer.

„Das rechne ich Werner bis heute hoch an“. Das war am letzten Spieltag der Saison 1995/96 im Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (1:3). „Ich habe in den 30 Minuten alle Einwürfe, Ecken und Freistöße ausgeführt, das war mein Highlight, denn so bin ich zu einem Bundesliga-Einsatz in meiner Karriere gekommen. Aber auch die Zeit als Co-Trainer war sehr schön. Ich habe da sehr viel erlebt, es hat mir viel Spaß gemacht und auch von großem Erfolg geprägt“, zeigt sich Kneißl auch noch heute zufrieden.

Ab 1997 Geschäftsrührung der Merchandising GmbH

Per 1. Juli 1997 wurde die TSV 1860 Merchandising GmbH gegründet, deren Geschäftsführer Kneißl wurde. „Mit einem super Start haben wir im ersten Geschäftsjahr schon einen Umsatz von knapp fünf Millionen, damals noch DM erzielt. Ich habe mit einem karierten Block und einem Telefon in einem gemieteten Hotelzimmer begonnen.

Wir hatten den einen Fanshop neben dem Hofbräuhaus und den zweiten in Containern am Trainingsgelände.“ Kneißl und sein Team haben, die Sache begann unter Präsident Karl-Heinz Wildmoser, diesen Geschäftszweig aufgebaut. Dieser bewegt sich auch heute noch von den Zahlen her auf hohem Niveau. Das war Job Nummer drei bei den Löwen. Die vierte Position, die Kneißl bei den Sechzigern bekleidete, war die des Managers von 2004 bis 2006 unter Präsident Karl Auer: „Das war eine schwierige Zeit unmittelbar nach dem Abstieg aus der Bundesliga, dem Umzug in die Allianz-Arena und dem damit verbundenem Skandal. Wir wollten ja wieder in die Bundesliga aufsteigen.“

Nach knapp zwei Jahren zog sich Kneißl aber von dieser Aufgabe zurück, übernahm wieder die Geschäftsführung im Merchandisingbereich. Diese Position gab der heute 58-Jährige im Sommer 2019 mit ein paar Nebengeräuschen vor Gericht auf.

„Am Großteil des Klubs hängt mein Herz“

Der Weg des TSV 1860 München interessiert Kneißl auch heute noch: „Wenn es möglich ist, dann fahre ich 15 Minuten mit der Tram zum Grünwalder Stadion und schaue mir das eine oder andere Heimspiel an.“ Mit den Löwen ist er nach wie vor verbunden, oder wie es Kneißl so treffend formuliert: „Am Großteil des Klubs hängt mein Herz.“ Dass die Blauen in der 3. Liga als Vierter gerade den Aufstieg in die 2. Liga knapp verpasst haben, sieht Kneißl nicht kritisch: „Es kommt schließlich auf die Sichtweise an. Ich habe eine Zeit erlebt, da war ein vierter Platz in der 3. Liga grandioses Scheitern. Lange Zeit war ja der Aufstieg kein Thema, erst gegen Ende tat sich noch einmal die Chance auf. Aber es hat nicht gereicht.“ Kontakt zu seinem Heimatort Ampfing hält Kneißl nach wie vor. Dort wohnen noch seine Mutter und sein Bruder mit Familie, die er regelmäßig besucht und viele Freunde.

„Roland hätte das Zeug für die Bundesliga gehabt“

Karsten Wettberg, der den TSV 1860 München 1991 zurück in die 2. Liga führte, hatte Kneißl damals als Spieler im Kader und sagt über seinen einstigen Schützling, der für die Löwen 32 Jahre lang aktiv war: „Roland war ein ganz wichtiger Spieler und zugleich Anführer der jüngeren Fraktion in der Mannschaft. Ich kannte keinen, der so präzise Freistöße mit der Innenseite schießen konnte. Roland hätte mit seiner Technik auch das Zeug für die Bundesliga gehabt. Ganz wichtig war er für uns bei den Spielen gegen Pforzheim und in Kassel. Wir haben uns gut verstanden, auch wenn Roland kein einfacher Spieler war. Er war vom Typ her so ähnlich wie Günter Netzer.“ Kneißl ist eben einer, der bodenständig war und bis heute auch geblieben ist, ein Vorbild für viele andere.

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