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Interview mit zwei Bora-Youngstern

26000 Kilometer im Jahr mit dem Rad: Wie hart das Leben als Jungprofi ist

Der Belgier Cian Uijtdebroeks (Mitte) bei der Tour of the Alps 2022. Der 19-Jährige bot im Vorjahr starke Leistungen im Team Auto Eder
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Der Belgier Cian Uijtdebroeks (Mitte) bei der Tour of the Alps 2022. Der 19-Jährige bot im Vorjahr starke Leistungen im Team Auto Eder
  • Hans-Jürgen Ziegler
    VonHans-Jürgen Ziegler
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Cian Uijtdebroeks und Luis-Joe Lührs sind seit Anfang des Jahres Profis beim Raublinger Radsportteam Bora - hansgrohe. Die Konzentration gilt zu 100 Prozent dem Radsport, trotzdem studieren die beiden 19-Jährigen nebenbei noch, wie sie im Interview mit der OVB-Sportredaktion verraten.

Raubling – Der 1,85 Meter große Belgier Cian Uijtdebroeks (19 Jahre) dominierte im Vorjahr im Bora-Farmteam Auto Eder die Rennen zusammen mit Luis-Joe Lührs (1,79 Meter/19 Jahre) fast nach Belieben. Der Sprung ins Raublinger Profiteam Bora - hansgrohe war vorgezeichnet, doch jetzt wartet eine ganz andere Radsportwelt auf die beiden Nachwuchsfahrer.

Wie die ersten Monate waren, welche Ziele sie haben und wie sich zum Beispiel das Training verändert hat, erzählen die Radsportprofis im Gespräch mit der OVB-Sportredaktion.

Cian Uijtdebroeks hat sich bewusst für das Team Bora - hansgrohe entschieden.

Herr Uijtdebroeks, Herr Lührs, wie muss man sich eine Verpflichtung durch das Team Bora – hansgrohe vorstellen, wie kam der Kontakt zustande?

Joe-Luis Lührs: Ich war ja schon im U19 Team Auto Eder unter Vertrag. Von da her ist man am Profiteam nah dran und quasi immer unter Beobachtung. Gegen Ende der Saison gab es dann erste Signale, dass es für einen Vertrag bei Bora – hansgrohe reichen könnte.

Cian Uijtdebroeks: Bei mir war das etwas anders. Ich hatte schon einen Profivertrag in der Tasche, als ich bei Team Auto Eder unterschrieben habe. Ich habe mich genau darum für Bora – hansgrohe entschieden, weil es mit dem Team Auto Eder eben auch ein Nachwuchsteam in der U19 gibt.

Welche Aufgaben habt ihr im Team?

Lührs: Für mich geht es einfach darum zu lernen. Einerseits muss sich der Körper an das viel höhere Niveau und die neuen Belastungen anpassen, andererseits laufen die Rennen auch taktisch ganz anders. Ich will da einfach zum Erfolg des Teams beitragen.

Uijtdebroeks: Grundsätzlich ist das bei mir gleich. Aber ich durfte schon beim einen oder anderen Rennen auf Ergebnis fahren. Mit meinem 16. Rang bei der Tour of the Alps war ich zum Beispiel sehr zufrieden.

Wie haben sich die Trainingsumfänge oder -inhalte seit dem Wechsel verändert?

Lührs: Die Trainingsumfänge sind circa 20 Prozent höher geworden. Die Inhalte selbst sind sehr ähnlich. Dazu kommen dann noch die Rennen, die natürlich viel länger als in der U19 sind.

Uijtdebroeks: Das ist bei mir ähnlich.

Wie viele Kilometer müsst ihr im Training und bei den Rennen in der Saison abstrampeln?

Lührs: In diesem Jahr werden es circa 20000 Trainingskilometer und 6000 Rennkilometer sein.

Uijtdebroeks: Bei mir sind es etwas mehr Trainingskilometer, die Rennkilometer sind auch in etwa 6000.

Wie sieht eure normale Trainingswoche aus?

Lührs: Das hängt davon ab, ob Wettkämpfe waren oder anstehen. Aber wenn man von einem Rennen nach Hause kommt, dann stehen mal zwei bis drei Tage lockeres Training an. So ein bis zwei Stunden. Dann trainieren wir in Blöcken, meistens drei Tage am Stück so vier bis fünf Stunden mit unterschiedlichen Intensitäten. Und dann hat man noch zwei Tage lockerere Einheiten mit der Vorbereitung auf den Wettkampf.

Luis-Joe Lührs ist seit dem 1. Januar Radsport-Profi. LM.Media GmbH

Müsst ihr auf eine spezielle Ernährung achten?

Lührs: Natürlich. Es ist wichtig, sich sehr gesund zu ernähren, aber auch darauf zu achten, dass man dem Körper genügend Energie zuführt. Wir haben da ein eigenes Programm, bei dem wir je nach Trainingsintensität Kalorienvorgaben bekommen.

Hattet ihr in eurer Laufbahn einen Plan B, falls es nicht als Profi klappt?

Lührs: Ich habe Abitur gemacht, das war Vorgabe meiner Eltern. Und im Augenblick studiere ich nebenbei BWL. Aber der Fokus gilt zu 100 Prozent dem Radsport.

Uijtdebroeks: Bei mir ist das auch so. Letztes Jahr musste ich die Schule fertigmachen. Das wollten meine Eltern so. Ich studiere nun auch nebenbei Psychologie.

Bereut ihr es manchmal, Radrennfahrer geworden zu sein?

Lührs: Nein auf keinen Fall. Klar, man hat Respekt vor Stürzen, aber die Leidenschaft überwiegt.

Uijtdebroeks: Für mich es auch das Schönste überhaupt meinen Traum leben zu dürfen. Klar, es gibt Rückschläge. Aber das gehört eben dazu.

Dachtet ihr schon mal ans Aufgeben?

Lührs: Harte Momente gibt es, da muss man durch, sonst schafft man es nicht. Das unterscheidet vielleicht auch die richtig Guten, die sich durchsetzen, von denen, die es nicht schaffen.

Der 19-jährige Deutsche Luis-Joe Lührs (vorne) bei der Tour of Turkiye 2022.

Wie seid ihr eigentlich zum Rennradfahren gekommen?

Lührs: In meiner Familie waren alle sportlich. Meine Mutter hat dann zufällig im Fitnessstudio den Trainer des örtlichen Radclubs kennengelernt. Da habe ich dann begonnen, MTB zu fahren und bin später auf die Straße gewechselt.

Uijtdebroeks: Bei mir war das irgendwie total spielerisch. Ich bin im Garten immer mit einem Go-Cart Rennen gefahren, auf Kursen die ich mir selber gesteckt hatte. Irgendwann war ich für das Go-Cart zu groß und bin auf das Fahrrad umgestiegen. So hat sich die Lust am Rennfahren entwickelt.

Luis-Joe Lührs hat für diese Saison einen Profivertrag beim Team Bora - hansgrohe unterschrieben und erhält auch die bestmögliche Unterstützung auf vier Rädern. Bei Auto Eder Kolbermoor holte er sich seinen roten Ford Focus Active Turnier ab, den ihm Verkaufsberater Bernhard Kullil übergab.

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um Radsport-Profi zu werden?

Lührs: Ich glaube, man muss einfach sehr konsequent sein. Das ist wichtiger als Talent. Wobei; ganz ohne Talent klappt es natürlich auch nicht.

Uijtdebroeks: Genau, man muss bereit sein hart zu arbeiten.