2019 war für Reiterin Katharina Schedel das Jahr ihres Lebens „Immer noch unglaublich“

Szene von der EM im niedersächsischen Westerstede:Katharina Schedel auf Carla (mit Bundesadler auf der Kruppe) beim Wassersprung. Schönlinner
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Szene von der EM im niedersächsischen Westerstede:Katharina Schedel auf Carla (mit Bundesadler auf der Kruppe) beim Wassersprung. Schönlinner

Es war das bisher beste Jahr ihres Lebens: Die Obinger Vielseitigkeitsreiterin Katharina Schedel gewann bei der Europameisterschaft Mannschaftsgold mit der deutschen Equipe. Für 2020 hat sie sich die nächsten hohen Ziele gesetzt wie sie bei einem Interview mit der Sportredaktion erklärte.

Obing – 2019 war für Katharina Schedel das „Jahr ihres Lebens“: Bei der EM für ländliche Vielseitigkeitsreiter in Westerstede gewann sie nicht nur Mannschafts-Gold mit der deutschen Equipe, sondern belegte auch in der Einzel-Konkurrenz den sechsten Rang, „wobei sogar mehr möglich gewesen wäre“, wie die 38-jährige Obingerin im Gespräch erklärt. Das Unternehmen Titelverteidigung steht zwar erst 2021 in der Schweiz im Wettkampfkalender, doch auch für 2020 setzt sich Schedel hohe Ziele – vor allem die Teilnahme an der international ausgeschriebenen Deutschen Meisterschaft in Luhmühlen peilt sie an.

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Europameisterin mit der Mannschaft – wie fühlt sich dieser Titel mit ein paar Monaten Abstand an?

Das ist für mich immer noch unglaublich, und ich staune immer noch darüber, was mein Pferd Carla so alles möglich macht. Eine derartige Team-Veranstaltung bringt mir als Reiterin unheimliche Erfahrung. Auch die eine oder andere Freundschaft wurde geschlossen, diese EM war ein sehr schönes Miteinander.

Platz sechs im Einzel – wie stufen Sie diese gute Platzierung auf kontinentaler Ebene ein?

Für mich als Amateur war es schon ein Riesenerfolg, überhaupt dabei sein zu dürfen. Für die Trainer war schon länger klar, dass sie mich mitnehmen – was ich jedoch erst im Nachhinein erfahren habe. Ich selbst dagegen hatte bis zuletzt meine Zweifel, ob’s klappt. Umso glücklicher war ich, als ich per E-Mail die Nominierung erhalten hatte. Bei der EM hat Carla dann in allen drei Teilbereichen – Dressur, Gelände und Springen – einen super Job gemacht. Und der sechste Platz in diesem hochklassigen Starterfeld ist für mich sensationell.

Im neuen Jahr ist es die „Deutsche“, die Sie sehr reizen würde. Der Stellenwert dieser Veranstaltung ist auch sehr hoch, dort sind unter anderem Weltstars wie Michael Jung und Ingrid Klimke am Start.

Luhmühlen ist eine Veranstaltung auf Vier-Sterne-Niveau, die ländliche Euro hat nur drei Sterne – daran kann man schon erkennen, wie anspruchsvoll diese Konkurrenz im Sommer 2020 werden wird. Auch die Qualifikation für die „Deutsche“ war nicht leicht, wenngleich ich die Kriterien bereits erfüllen konnte. Ich bin also zuversichtlich und gehe davon aus, dass ich einen Startplatz bekomme. Wenn ich dabei sein sollte und die Prüfung dort positiv beenden könnte, wäre das der Wahnsinn.

Westerstede war im gerade ablaufenden Jahr nicht Ihr einziges Erfolgserlebnis!

Stimmt. Der erste große Erfolg war Platz fünf bei einer Vier-Sterne-Konkurrenz im Rahmen des großen Wiesbadener Pfingstturniers. Dann kam Westerstede, und danach haben wir noch zwei CCI***-Turniere in Italien gewonnen: in Taipana und Palmanova.

Können Sie kurz beschreiben, wie hoch der Aufwand ist, um überhaupt Chancen zu haben, bei solchen Events dabei zu sein?

Das funktioniert natürlich nur, wenn die ganze Familie dahintersteht. Als Mutter einer fünfjährigen Tochter (Greta, d. Red.) und Osteopathin für Pferde bin ich ganz schön eingespannt und muss alles geschickt koordinieren – sonst wird es eng. Um auf dieses Niveau zu kommen, sind viel Zeit, Nerven und auch Glück nötig. Mit Carla arbeite ich selbstverständlich täglich, darauf besteht sie auch, und es macht uns beiden großen Spaß.

In welchem Stall sind Sie beheimatet? Haben Sie mehrere Pferde?

Der Stall befindet sich in Chieming, Gut Fasanenhöhe. Dort haben wir top Trainingsmöglichkeiten, und die Pferde sind hier bestens aufgehoben. Neben Carla habe ich noch ein zweites Pferd, L’Amie de Fleur. Sie ist drei Jahre jung und deshalb erst am Anfang ihrer Ausbildung. Die nächsten Jahre baue ich also noch fest auf mein „Carlchen“. Meine Tochter hat übrigens noch den „Kleinen Onkel“, ein Shetland-Pony, das tatsächlich aussieht wie der „Kleine Onkel“ von Pippi Langstrumpf.

Dann werden Sie auch Weihnachten, zumindest teilweise, im Stall verbringen?

Mit Sicherheit – weil sich die Pferde auch an den Feiertagen bewegen wollen. Trotzdem werden wir es da etwas ruhiger als sonst angehen lassen. Interview: cs

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