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20 Jahre Starbulls Rosenheim: Die Top-Spieler, die Traumduos und die Skandalnudeln

Traumduo in der DEL2: Shawn Weller (links) und Rosenheims Rekord-Konti Tyler McNeely.
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Traumduo in der DEL2: Shawn Weller (links) und Rosenheims Rekord-Konti Tyler McNeely.
  • vonManfred Eder
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  • Thomas Neumeier
    Thomas Neumeier
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Den ausländischen Stürmern hatte man im Rosenheimer Eishockey schon immer zugejubelt: Seit der Neugründung gab es allerdings erst gar keine „Kontis“, dann fand man nicht die richtigen Spieler, was erst Franz Steer gelang. Und so gab es in den 20 Jahren so einige Spieler, denen die Fans huldigten.

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Rosenheim – Den ausländischen Stürmern hatte man im Rosenheimer Eishockey schon immer zugejubelt: Angefangen von Cal Russell über Tommi Salmelainen oder Jaro Tuma bis hin zu den Meisterspielern Oldrich Machac, Jamie Masters, Robin Laycock, Jaro Pouzar und Gord Sherven. Unvergessen waren aber auch die Traumduos wie Sherven und Dale Derkatch oder Jim Hiller und Scott Beattie, Edeltechniker wie Vincent Lukac, Offensivverteidiger wie Chris Bartolone und Schlagschuss-Monster „Bum-Bum“ Hucko. Das mit den Zujubeln war bei den Starbulls seit der Neugründung etwas schwieriger: Zunächst gab es gar keine „Kontis“, dann tat man sich schwer, die richtigen Spieler zu finden – erst mit Trainer Franz Steer gelang es, herausragende Spieler zu verpflichten. Und so gab es dann in den 20 Jahren so einige Spieler, denen die Fans huldigten.

Ein Blick in die Historie der 64 Kontingentspieler im Starbulls-Dress:

Die Anfänge: Stanislav Meciar war der erste Kontingentspieler der jüngsten Rosenheimer Eishockey-Ära. Der tschechische Verteidiger blieb nur eine Saison in der Bayernliga, sein zuvor in der Oberliga noch gezeigtes Potenzial offenbarte er in Rosenheim nicht. Im Jahr darauf folgte der Kanadier Jeff Boettger, ebenfalls ein Verteidiger – und auch keine Verstärkung. Mit dem Oberliga-Aufstieg kam dann der erste große Name: Jeremy Stasiuk. Aber auch er lief in Rosenheim seiner Ausbeute früherer Zeiten hinterher. In 119 Spielen standen 66 Scorerpunkte, aber 343 Strafminuten zu Buche. Seinem Kollegen Todd Wetzel ging es nicht besser. Nach einer Verletzung brach die Leistung rapide ein und so blieb der ehemalige DEL-Akteur nur für eine Spielzeit. Einziger Lichtblick unter den ersten „Kontis“: David Struch. Der Kanadier überzeugte durch hervorragendes Auge, starke Pässe und gutes Bullyspiel – allerdings war er von Knieproblemen geplagt und beendete seine Karriere, nachdem er für die Starbulls nur 21 Spiele bestritt.

Sechs „Kontis„ schon im Nachwuchs bei den Starbulls

Die Eigengewächse: Auch eine Rosenheimer Besonderheit: Sechs „Kontis“ spielten schon im Nachwuchs für die Starbulls. Die österreichischen Zwillingsbrüder Dominik und Kevin Kraxner spielten sowohl für DNL als auch in der ersten Mannschaft, gleiches gilt für die Südtiroler Anton Bernard und Tobias Kofler. Der Slowake Tomas Kukla half für drei Spiele bei den Herren aus, der Kanadier Jacob Robinson-Smith (oder auch Jake Smith) war hingegen der letzte der 64 ausländischen Spieler – und überzeugte mit Spritzigkeit, Einsatzfreude und einem außergewöhnlichen Handgelenksschuss. Die größte Karriere hat sicherlich Anton Bernard hingelegt, der aktuell Kapitän der italienischen Nationalmannschaft ist.

Viele Spieler waren schnell wieder weg

Hin und weg: Etliche Spieler kamen zu Saisonbeginn und waren nach etlichen Wochen wieder weg – ebenso erging es Spielern, die zwischendurch einen Try-out-Vertrag erhielten und sich nicht empfehlen konnten. Hier eine Liste: Mike Wilson, Mike McCormick, Phil Aucoin, Matt Smith, Konrad Reeder, Geordie Wudrick, Greg Gibson, John Snowden und Jussi Nättinen.

Jeff Boettger war der erste von 33 Kanadiern.

Notnagel und Bessermacher: Weil Kontingentspieler ausgetauscht wurden, gab es auch Neuverpflichtungen unter der Saison. Die meisten von ihnen schlugen ein und überzeugten. Auch hier eine Liste: Frederic Cloutier, Jeff Boettger, Jason Lundmark, Joonas Valkonen, David Struch, Janne Kujala, Ryan Smith, Dylan Stanley, Tommi Hannus, Stephen Werner, Patrick Asselin, Stephen Schultz, Krys Kolanos, Vitezslav Bilek, Chase Witala, Tadas Kumeliauskas und Jacob Robinson-Smith.

Ex-NHL-Profi Krys Kolanos war keine Verstärkung.

Zahlreiche Topdous

Die Traumduos: In der Tradition von Derkatch/Sherven und Beattie/Hiller konnten vor allem in der Ära von Trainer Franz Steer einige Angreifer ihre Spuren hinterlassen. In der Oberliga waren das Ron Newhook (171 Punkte in 114 Spielen) und Dylan Stanley (173 Punkte in 100 Spielen), in der DEL2 kamen zunächst Stephen Werner (80 Punkte in 59 Spielen) und Tommi Hannus (35 Punkte in 28 Spielen), dann Cory Quirk (84 Punkte in 65 Spielen) und Patrick Asselin (59 Punkte in 44 Spielen), danach Tyler McNeely (259 Punkte in 231 Spielen) und Shawn Weller (86 Punkte in 55 Spielen) sowie Wade MacLeod (68 Punkte in 58 Spielen) und C.J. Stretch (65 Punkte in 58 Spielen). Vielleicht in der Fan-Gunst nicht so auffällig, aber ebenfalls effektiv: Greg Squires (67 Punkte in 60 Spielen) und Matt Caruana (62 Punkte in 60 Spielen). Vielleicht bilden die Neuzugänge Curtis Leinweber und Kyle Gibbons ja ein neues Duo, das sich hier einreiht?

Traumduo bei der Oberliga-Meisterschaft: Dylan Stanley (links) und Ron Newhook.

Werner und Quirk stechen heraus

Die Top-Spieler: Aus diesen Traumduos ragten sicherlich Werner und Quirk heraus – zumal Werner die Starbulls zum DEB-Pokal-Sieg führte und Quirk die Rosenheimer ins DEL2-Finale brachte. Zu beiden Erfolgen gehörte allerdings auch Norm Maracle im Tor, der seine Qualitäten zwei Jahre lang unter Beweis stellte. Sein Nachfolger Pasi Häkkinen stand ihm da aber in Nichts nach. In diese Kategorie gehört auch Angreifer Mitch Stephens, der drei Jahre lang für Rosenheim stürmte und das entscheidende Tor zur Oberliga-Meisterschaft schoss. Für Stephens standen am Ende 197 Punkte in 178 Spielen zu Buche. Ein großer Name war auch Kim Staal. Der Däne, der bei zwölf WM-Turnieren spielte, markierte in 47 Spielen insgesamt 53 Punkte für die Starbulls. Herausragende Offensivqualitäten hatten auch etliche Verteidiger: Der Schwede Robin Weihager, der in der DEL2 auf 54 Punkte in 64 Spielen kam. Ryan Fairbarn, der in der Oberliga in 62 Spielen satte 78 Punkte errang. Und sein Vorgänger Duncan Dalmao war mit 59 Punkten in 56 Spielen auch stark – wenn man zudem bedenkt, dass er in dieser Saison auch noch 206 Minuten auf der Strafbank absaß.

Cory Quirk führte die Starbulls ins DEL2-Finale.

Beim SBR waren schon einige Skandalnudeln

Die Skandalnudeln: Ein Strafbankkönig gehört zu dieser Bilanz noch gar nicht dazu. Eher ein Shawn Weller, der spätabends alkoholisiert mit dem Fahrzeug in eine Verkehrsampel krachte. Oder Spieler wie Matt Smith (ein Spiel, zwei Tore) und Phil Aucoin (neun Spiele, 15 Punkte), die das Zeug zu Top-Kontis gehabt hätten, sich aber in Nacht- und Nebel-Aktionen in den Flieger setzten und verschwanden. Nicht zu vergessen John Snowden, der mit 64 Punkte in 38 Oberliga-Spielen überzeugte, dann aber wegen lustloser Aktionen unter dem Spiel suspendiert wurde – und dem gleich danach der Vertrag aufgelöst wurde. Bei den Starbulls gab es schon einige verschiedene Geschichten.

Pechvögel und Schockmomente:

Pechvögel und Schockmomente: So einen Abgang hatte Norm Maracle nicht verdient: Dem Bären im Tor machten familiäre Probleme zu schaffen und so stand er völlig entnervt in seinem letzten Spiel im Rosenheimer Tor – nach dem 1:7 im DEL2-Finale gegen Landshut ging es zurück in die Heimat. Schwere Zeiten hat auch Wade MacLeod durchzustehen, der bereits vier Mal wegen eines Gehirntumors operiert wurde. Zuletzt bestritt er wieder Spiele in einer Hobbyliga in der Heimat. Greg Gibsons Rosenheim-Zeit war mit 15 Punkten in 23 Spielen nicht von Erfolg gekrönt. Dafür startete er später in Heilbronn durch, ehe er wegen einer Gehirnerschütterung seit 2019 kein Spiel mehr bestreiten konnte. Und vergangene Saison schockte Josh Mitchell die Rosenheimer Fan-Gemeinde, als er während des Trainings einen Zusammenbruch erlitt. Hier ging alles gut, er spielte nach einem Wochenende Pause schon wieder.

64 Kontingentspieler aus zehn Nationen: Tyler McNeely führt die Statistiken an

Insgesamt 64 Kontingentspieler haben die Starbulls Rosenheim in den 20 Jahren ihres Bestehens verpflichtet. Darunter waren drei Torhüter. Insgesamt spielten nur acht Akteure mindestens zwei volle Saisonen für Rosenheim. 30 Spieler bestritten mindestens 50 Begegnungen, elf Spieler waren nicht einmal zehn Partien lang am Werk. Sechs der „Kontis“ – Dominik Kraxner, Kevin Kraxner, Anton Bernard, Tobias Kofler, Tomas Kukla und Jacob Robinson-Smith – waren bereits für den Starbulls-Nachwuchs aufs Eis gegangen. Ein Blick auf die Statistik:

  • Die meisten Spiele: Tyler McNeely 231, Mitch Stephens 178, Jeremy Stasiuk 119, Ron Newhook 114, Tim Kunes 113.
  • Die meisten Scorerpunkte: Tyler McNeely 259, Mitch Stephens 197, Ron Newhook 181, Dylan Stanley 173, Ryan Smith 89.
  • Die meisten Tore: Tyler McNeely 96, Dylan Stanley 71, Mitch Stephens 69, Ron Newhook 61, Vitezslav Bilek 43.
  • Die meisten Assists: Tyler McNeely 163, Mitch Stephens 128, Ron Newhook 120, Dylan Stanley 102, Ryan Smith 62.
  • Die meisten Strafminuten: Tyler McNeely 356, Jeremy Stasiuk 343, Duncan Dalmao 206, Ron Newhook 181, Mitch Stephens 127.
  • Die besten Verteidiger: Ryan Fairbarn (22 + 56 = 78), Tim Kunes (16 + 55 = 71), Duncan Dalmao (7 + 52 = 59), Robin Weihager (19 + 35 = 54), Ryan Gaucher (8 + 29 = 37).
  • Die wenigsten Einsätze: Matt Smith 1, Mike McCormick, Tomas Kukla, Tobias Kofler je 3, Krys Kolanos 7.
Einer blieb nur ein Spiel, der andere dafür drei Jahre: Matt Smith (links) und Mitch Stephens, Zugänge 2009.

Die Nationalitäten der 64 Kontingentspieler: Kanada 33 Spieler, USA 15, Finnland 6, Österreich, Italien, Tschechien je 2, Schweden, Dänemark, Slowakei, Litauen je 1.

Nur acht Spieler blieben mindestens zwei volle Saisonen: Auf vier Jahre brachte es Tyler McNeely, drei Saisonen bestritt Mitch Stephens. Jeremy Stasiuk blieb zweieinhalb Jahre, auf zwei Saisonen kamen Anton Bernard, Ron Newhook, Tim Kunes sowie die Torhüter Norm Maracle und Pasi Häkkinen.

Ein Küsschen für die Fans: Jeremy Stasiuk.

26 Spieler wurden direkt aus Nordamerika verpflichtet, davon kamen zwölf aus der East Coast Hockey League (ECHL), jeweils vier aus der American Hockey League (AHL), der Central Hockey League (CHL) sowie der College-/Juniorenliga. Jeweils ein Akteur spielte vor seinem Rosenheim-Engagement in der United Hockey League (UHL) und in der Southern Professional Hockey League (SPHL).

21 Spieler kamen von europäischen Clubs nach Rosenheim

Insgesamt 21 Spieler kamen von europäischen Clubs an die Mangfall: Vier aus Schweden, jeweils drei aus Dänemark, Italien und Finnland. Je zwei Akteure wurden aus Großbritannien und Österreich verpflichtet, ein Spieler kam aus Frankreich, Tschechien, den Niederlanden und Weißrussland.

20 Kontingentspieler der Starbulls waren direkt zuvor bei Vereinen in Deutschland aktiv. Einer kam direkt aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), fünf aus der 2. Liga beziehungsweise der DEL2, neun aus der Oberliga und fünf Spieler aus der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL), wo sie für den Starbulls-Nachwuchs aktiv waren.

Letztlich waren es 64 Kontingentspieler, allerdings wurden mehr Wechsel getätigt. Das kommt deshalb, weil Janne Kujala, Ryan Smith, Dylan Stanley und Tim Kunes jeweils zwei Mal bei den Starbulls Rosenheim anheuerten.

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