1860 Rosenheim unterliegt Nürnberg trotz großer Moral: Eine „wilde Fahrt“ mit bitterem Ende

Es ging auch zur Sache:Linor Shabani räumt einen Nürnberger ab, erhielt dafür die gelbe Karte und in der zweiten Halbzeit sah er Gelb-Rot.

Es fegte ein eisiger Wind durch das Rosenheimer Jahnstadion, der Schneeregen machte die äußeren Umstände noch ungemütlicher und als die Gäste im Fußball-Regionalligaspiel gegen 1860 Rosenheim in der 82. Minute auch noch das 2:0 erzielten, gingen viele Zuschauer - ein Fehler.

Rosenheim – Als die Gäste aus Nürnberg im Fußball-Regionalligaspiel gegen 1860 Rosenheim das 2:0 erzielte, machten sich viele Zuschauer auf den Nachhauseweg. Das war allerdings eindeutig die falsche Entscheidung, denn ab der 85. Minute ging es rund auf dem Fußballplatz neben der Mangfall. Es folgten die wohl verrücktesten zehn Minuten in einem Heimspiel dieser Regionalliga-Saison. Beide Mannschaften heizten den Fans ordentlich ein: Erst die Rosenheimer, die trotz Unterzahl den 2:2-Ausgleich schafften und in der Nachspielzeit die Gäste aus Nürnberg, denen mit zwei Tore doch noch der glückliche, aber nicht unverdiente Sieg gelang.

Ein weiteres kurioses Kapitel

Damit ist die Regionalliga-Geschichte des TSV 1860 Rosenheim um ein weiteres kurioses Kapitel reicher. Verspielten die Rosenheimer im letzten Spiel vor der Winterpause noch einen 3:0-Vorsprung in Schweinfurt, so tat dieser verlorene Punkt nach großer Moral in der Schlussphase im Abstiegskampf mindestens genauso weh. Die Rosenheimer Spieler, kurz vorher noch im großen Jubel nach dem Ausgleichtreffer (89.) des eingewechselten Georg Lenz vereint, schlichen mit hängenden Köpfen vom Platz.

Extrem enttäuscht

„Wir sind extrem enttäuscht. Nach dem ersten Gegentreffer haben wir nicht aufgesteckt. Wir wussten, dass wir da sind, wenn der Gegner schläft. Nach den 0:2 haben wir volles Risiko gespielt und so kamen wir auch zum verdienten Ausgleich. Am Ende standen wir jedoch mit leeren Händen da“, umschrieb Sechziger-Trainer Thomas Kasparetti die 90 Minuten aus seiner Sicht.

Marek Mintal, Trainer 1. FC Nürnberg II, in der Pressekonferenz: „Ich bin natürlich sehr glücklich über den Sieg. Wir führten mit zwei Toren, doch plötzlich kam Rosenheim zurück. Wir waren zwar mit einem Mann mehr auf dem Feld, aber Rosenheim steckte nie auf. Hier muss man anders spielen. Nach dem Ausgleich hatten wir die Hosen voll. Aber zum Schluss sind uns noch die wichtigen Tore gelungen.“

Zwei Tore nach dem gleichen Strickmuster

Tore nach dem gleichen Strickmuster, die Rosenheim hätte verhindern müssen. Angriff über links bis zur Grundlinie, Rückpass, Tor. Das durfte in dieser Phase nicht mehr passieren – auch nicht in Unterzahl. Dass die Sechziger ab der 61. Minute einen Spieler weniger auf dem Platz hatten, wäre zu verhindern gewesen. Der mit Gelb vorbelastete Linor Shabani, ein Spieler, der von seiner Körperlichkeit lebt, hätte zur Halbzeit wohl besser in der Kabine bleiben sollen. Als Vorsichtsmaßnahme. So aber blieb Schiedsrichter Jürgen Steckermeier bei einem erneuten Shabani-Foul keine andere Wahl. Der Unparteiische stand in der ersten Halbzeit bereits zweimal im Mittelpunkt. Erst beim Führungstreffer der Gäste, als die Rosenheimer nach einem Freistoß von links wohl zurecht lautstark eine Abseitsposition reklamierten und kurz vor der Pause, als Nürnbergs Paul-Philipp Besong den Rosenheimer Moritz Moser ohne Chance auf den Ball von hinten niedergrätschte. Das war Rot und nichts anderes.

1860 Rosenheim mit dem Mut der Verzweiflung

Bis dahin hatten die Sechziger kaum eine Torchance und auch in der zweiten Halbzeit lebte das Spiel nicht gerade von prickelnden Torraumszenen. Erst als Nürnberg das scheinbar entscheidende 2:0 erzielte und die Sechziger mit dem Mut der Verzweiflung und mehr Offensivpower durch die eingewechselten Danijel Majdancevic und Luftetar Mushkolaj enormen Druck machten, nahm die Partie Fahrt auf.

Mushkolaj eröffnete mit einem herrlichen Freistoßtor die „wilde Fahrt“ in der Schlussphase, Georg Lenz glich aus, ehe die Gäste durch Latteier und Schleimer den Sieg doch noch fixierten. Ob verdient oder nicht – sie taten es einfach und der eisige Wind im Jahnstadion war Sinnbild für Rosenheims Situation im Abstiegskampf.

1860 Rosenheim: Mayer – Moser, Wallner, Heiß, Fambo (66. Lenz) - Shabani - Linner, Ehlich, Madsen, Mensah (72. Majdancevic) - Demolli (72. Mushkolaj).

Schiedsrichter:Jürgen Steckermeier (Altfraunhofen) - Zuschauer: 180

Tore: 0:1 Heußer (37.), 0:2 Tengstedt (82.), 1:2 Mushkolaj (85.), 2:2 Lenz (89.), 2:3 Latteier (90. + 1), 2:4 Schleimer (90. + 2)

Gelb-Rot: Shabani (61.).

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