Lukas Jastraunig hat an den Erfolgen des TC 1860 großen Anteil: Mit Gänsehaut in die 1. Liga

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Leidenschaft pur:Lukas Jastraunig hat als Spieler bei 1860 überzeugt, nun trägt er den Mannschaftsgedanken und den Erfolgshunger als Teamkapitän weiter.
  • Thomas Neumeier
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Er hat seinen eigenen Tennisplatz beim TC 1860 Rosenheim, er ist mit den Sechzigern von der Bezirksliga in die 1. Bundesliga aufgestiegen und er übernimmt jetzt als Teamkapitän andere Aufgaben als vorher auf dem Platz: Seine Name Lukas Jaustraunig. Der Österreicher kam vor 13 Jahren nach Rosenheim.

Rosenheim – Wenn man von Lukas Jastraunig im Zusammenhang mit dem TC 1860 Rosenheim spricht, dann kommt einem schnell der Gedanke an das Wort „Galionsfigur“. Der Name des 30-Jährigen ist fest mit dem rasanten Aufstieg der Sechziger ins Tennis-Oberhaus verbunden. Seit 13 Jahren spielt der Niederösterreicher für Rosenheim, hat in der Bezirksliga angefangen und seine aktive Phase in der „Ersten“ mit dem Meistertitel in der 2. Bundesliga Süd beendet. Ohne Jastraunig geht es aber auch in der 1. Bundesliga bei den Sechzigern nicht. Er geht als Teamkapitän voran. Im Interview mit der OVB-Sportredaktion spricht der 30-Jährige über seine Anfänge in Rosenheim, seine neue Rolle und den eigenen Platz.

Tür an Tür mit der OVB-Sportredaktion:Lukas Jastraunig am Rande eines Sponsorenabends im Porsche Zentrum Inntal mit Sportredakteur Thomas Neumeier.

Das ist schon unglaublich, wenn ich daran denke, wie wir damals begonnen haben. Der Didi (Vorstand Dieter Dörfler, d. Red.) hat damals mit seinem Privatgeld einen Spieler finanziert und gehofft, dass er das Geld im nächsten Jahr wieder zurückbekommt. Und jetzt stehst du da im Kreis mit wirtschaftlich erfolgreichen Leuten und bist Bundesliga. Das verursacht schon Gänsehaut.

Wie war das damals?

Vor 13 Jahren habe ich immerhin mit Gerald Melzer in der Mannschaft gespielt, der war dann auch unter den Top 100. Dann hat mich der Didi gefragt, ob ich noch Spieler kenne. Und die habe ich dann einfach angerufen und gefragt, ob sie Zeit und Lust haben, hier zu spielen – und fertig.

Und jetzt?

Jetzt sind wir hier Anfang Februar – und das Team ist fast komplett, das Sponsorenbudget ist schon ziemlich weit und die Spieltermine mit den Spielern werden langsam fixiert. Wir stehen viereinhalb Monate vor Ligabeginn sehr, sehr gut da.

Wie groß ist die Vorfreude bei Ihnen?

Für mich ist es eine ganz andere Herausforderung. Ich habe bislang immer selbst gespielt und mich darauf vorbereitet. Jetzt geht es darum, dass ich mich noch mehr um die Spieler kümmere. Und dass ich sie am Platz unterstütze. Mit der Coaching-Rolle habe ich schon Erfahrung, aber ich freue mich riesig darauf, weil ich gegen unsere neuen Top-Spieler wie Aljaz Bedene oder Lorenzo Sonego selbst auch schon gespielt habe.

Wie sehen Sie Ihre Rolle? Sie sind ja nicht nur der Gute-Laune-Onkel!

Sicher nicht. Ich handele auch Budgets mit den Spielern aus – natürlich in einem gewissen Rahmen, den ich vom Didi vorgegeben bekomme. Meine Rolle sehe ich während der Liga-Saison mehr am Platz bei den Spielern, dass ich sie auf der Bank unterstütze. Ich kann mich einfach mehr in die Rolle des Spielers hineinversetzen und damit taktische und mentale Inputs geben.

1860 hat der Teamgeist zum Erfolg geführt. Ist es nun die schwerste Aufgabe, dass sich dieser Teamgeist auch mit den vielen neuen Spielern einstellt?

Vollkommen richtig. Das Team wird teilweise neu zusammengewürfelt. Wir schauen aber, dass sich die Spieler untereinander schon kennen, dass sie miteinander harmonieren. Da achten wir schon bei der Auswahl der Spieler drauf. Wir wollen es schaffen, um jeden Spieler ein sehr harmonisches Kollektiv zusammenzustellen. Wir wollen keine vier Einzelgänger, denen der andere komplett egal ist. Der Teamgedanke ist unser Erfolgsgeheimnis – und da müssen wir dran bleiben. Ich sage: 70 Prozent ist die Spielstärke der Spieler, 30 Prozent macht das Drumherum aus.

Sie hatten eine 7:0-Bilanz in der 2. Liga und sagen selbst, dass Sie nicht mehr das Niveau für die 1. Liga haben. Warum?

Lukas Jastraunig: Makellose Einzelbilanz im Vorjahr mit 7:0-Siegen.

Ich bin berufstätig, arbeite im Büro und gebe Trainerstunden. Daheim in Niederösterreich komme ich auf 40 bis 50 Stunden die Woche. Für mich selbst sind dann manchmal nicht mehr als zwei Stunden Training am Tag möglich. Um 1. Bundesliga spielen zu können, müsste ich aber schon vier bis fünf Stunden täglich trainieren, mehr internationale Turniere spielen und beruflich deutlich zurückstecken. Und man darf nicht vergessen: In der 2. Liga gibt es sechs Einzel und ich habe an Position sechs gespielt, in der 1. Bundesliga nur vier. Ich könnte das Level für ein, zwei Spiele abrufen, aber sicher nicht für acht oder neun.

Schmerzt es, wenn man den ganzen Weg von der Bezirksliga weg mitmacht und dann das Ende da ist, wenn die 1. Bundesliga vor der Tür steht? 

Ja, sicher. Es wäre bestimmt schön gewesen, diesen Weg noch weiter zu gehen. Man darf aber auch nicht vergessen: Es steckt viel Geld und viel Arbeit dahinter – und da muss ich meine persönlichen Bedürfnisse dann auch hinten anstellen. Es wäre verantwortungslos, wenn ich mich aufdränge, meine Partien verliere und die Mannschaft deshalb absteigt. Das möchte ich auf keinen Fall.

Das Ziel wird erst einmal der Klassenerhalt sein.

Ja, klar. Man muss schon sagen, dass wir eine Katastrophen-Auslosung haben. Meister Mannheim zu Beginn ist sicherlich kein Vorteil.

Warum nicht?

Weil die Spieler zu Beginn der Saison besser zur Verfügung stehen, als am Ende, wenn es dann auf der Profi-Tour in Richtung Amerika zu den Hartplatz-Turnieren geht. Nicht zu vergessen auch die Olympischen Spiele. Und da wird Mannheim sicherlich mit der bestmöglichen Mannschaft kommen. Aber wir haben einen sehr guten und sehr ausgeglichenen Kader. Zu uns braucht keiner kommen und sagen, er fährt über uns drüber – schon gar vor unseren super Zuschauern. Man darf auch Rosenheimer Verhältnisse nicht vergessen.

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Die da wären?

Rosenheim liegt knapp 500 Meter über dem Meeresspiegel. Durch die leichte Höhenlage fliegt der Ball weiter und schneller und springt höher. Das macht das Spiel viel schwerer, wenn du das nicht gewohnt bist. Wenn wir unsere Spieler schon drei, vier Tage vorher herbringen können, dann macht das einen Riesenunterschied.

Was erhoffen Sie sich von den Rosenheimer Zuschauern?

Verdient hätten wir uns, dass es vierstellig wird – vor allem mit unserem Kader. Also die Zuschauer kommen definitiv auf ihre Kosten. Ich gehe auch davon aus, dass wir teilweise vierstellig werden, vor allem am Anfang und beim Derby sowieso.

Sie haben Ihren eigenen Platz in Rosenheim. Wer darf auf dem Lukas-Jastraunig-Court spielen?

Grundsätzlich darf jeder darauf spielen. Erst kürzlich bin ich gekommen und habe dann auf einem anderen Platz gespielt, weil schon jemand auf meinem Platz war. Es ist für mich eine Ehre und eine hohe Anerkennung, dass ich so eine Auszeichnung bekommen habe. Und ich freue mich, wenn Leute auf meinem Platz spielen.

Sie sind auch auf dem Fußballplatz aktiv. Wie ist es dazu gekommen?

Wir haben einen eigenen Fußballverein, den 1. TFC (Tennis-Fußball-Club, d. Red.) in Niederösterreich, bei dem auch Dominic Thiem mit dabei ist. Wir wollten eigentlich in der Liga spielen, in der niedrigsten Klasse ist es aber zu gefährlich. Wir versuchen nun, Spiele für den guten Zweck zu organisieren. Wir haben schon zwei Matches mit den Austria-Wien-Legenden bestritten und damit Geld gesammelt.

Auf welcher Position spielen Sie dort?

Mittlerweile in der Innenverteidigung oder als Sechser. Bis ich mich für Tennis entschieden habe, war ich Zehner und habe bis zur U16 auch für die Auswahl in Niederösterreich gespielt. Jetzt bleibt der Zehner natürlich unseren Aushängeschildern – Jürgen Melzer und Dominic Thiem – vorbehalten.

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