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Letztes Spiel in Rain am Lech

Der TSV 1860 Rosenheim verabschiedet sich aus der Regionalliga - wie geht es weiter? 

Sascha Marinkovic erzielte in den letzten vier Spielen vier seiner insgesamt sechs Saisontore.
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Sascha Marinkovic erzielte in den letzten vier Spielen vier seiner insgesamt sechs Saisontore.
  • Thomas Neumeier
    VonThomas Neumeier
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  • Hans-Jürgen Ziegler
    Hans-Jürgen Ziegler
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Seit einigen Wochen steht der Abstieg des TSV 1860 Rosenheim in die Bayernliga fest. So geht es in der kommenden Saison weiter.

Rosenheim – Auch das Saisonfinale wird zum Dilemma: „Wir müssen schauen, dass wir zehn einsatzfähige Feldspieler haben“, sagt Michael Wallner, Co-Trainer des TSV 1860 Rosenheim vor dem vorerst letzten Auftritt in der Fußball-Regionalliga Bayern am Samstag ab 14 Uhr beim TSV Rain/Lech. Hatten die Sechziger schon zuletzt beim Heimspiel gegen den TSV Buchbach gerade mal drei Feldspieler-Wechselmöglichkeiten, so sind diese nun noch weniger geworden: Stürmer Christoph Fenninger fehlt nach seiner Rotsperre, Offensivkraft Laurin Demolli fällt nach doppeltem Bänderriss im Sprunggelenk aus. Dazu ist mit Thomas Steinherr ein weiterer Akteur aus der Buchbach-Anfangsformation fraglich. Zurückkehren könnten möglicherweise Kapitän Christoph Wallner und Leo Benz, „aber auch das ist noch nicht sicher“, sagt Wallner.

„Wollen die 100 Gegentore vermeiden“

Auch wenn der Abstieg bereits seit einiger Zeit feststeht, hat der junge Co-Trainer noch Ziele: „Wir können zumindest noch Vorletzter werden und wollen die 100 Gegentore vermeiden.“ Für den Sprung weg vom Tabellenende braucht es einen Rosenheimer Sieg bei den bereits geretteten Blumenstädtern, dazu darf der Vorletzte SV Schalding-Heining, der momentan zwei Punkte voraus ist, seine Begegnung gegen Greuther Fürth II nicht gewinnen. Bei den Gegentoren hält 1860 derzeit bei 97.

Insgesamt bleibt eine verheerende Saisonbilanz: Vor dem letzten Spieltag steht bei den Rosenheimern der letzte Platz zu Buche, in 37 Spielen gab es nur fünf Siege, zwei in der Hinrunde, drei in der Rückserie. In der Fremde gab es in 18 Spielen sieben Punkte und nur einen Sieg – ausgerechnet mit 4:0 beim Meister SpVgg Bayreuth. In elf Spielen gab es vier oder mehr Gegentore, drei Mal kassierten die Sechziger gleich acht Stück. „So etwas darf nicht passieren. Das war auch für uns ein Desaster“, sagt der Sportliche Leiter Hans Kroneck. Und er muss eingestehen: „Die Tabelle lügt nicht. Wenn man nach 38 Spielen hinten steht, dann ist das so.“ Und doch stellen sich Fragen, sportlich und im Umfeld, zur Vergangenheit und Zukunft.

Welche Fehler wurden gemacht?

„Es sind nicht so viele Fehler passiert“, sagt Kroneck, „aber wir haben von der Qualität gegenüber den anderen nicht mithalten können“. Man habe seit dem Wiederaufstieg bis auf eine Saison in jeder Spielzeit gegen den Abstieg gespielt, erklärt der Sportliche Leiter, für 1860 sei es „aufgrund der Infrastruktur und der finanziellen Möglichkeiten unheimlich schwierig, in der Regionalliga zu spielen. Das ist das Höchste der Gefühle.“

Wurde der Kader zu spät zusammengestellt?

Kroneck verweist auf die Umstellung der Philosophie. „Wir haben viele junge Spieler im Kader. Man hat gesehen, dass die noch brauchen. Die Ausbildung im Jugendbereich ist sehr gut, wir schaffen es aber nicht, dass die Spieler sofort in der Regionalliga Fuß fassen“, stellte er fest.

Etliche Akteure wie Sascha Marinkovic oder Thomas Steinherr, die Führungsrollen einnehmen sollten, kamen erst spät in der Vorbereitung, auch Tim Kießling, der im Saisonverlauf eine zentrale Rolle besetzte. „Wir mussten da auch pokern, weil am Ende die Preise fallen“, sagt Kroneck, und bekennt: „Es ist nie einfach, wenn Spieler spät kommen.“ Zumal zum Saisonstart gleich jede Menge Wochenspieltage auf dem Plan standen.

Unbestritten war, dass die Sechziger ein Torwartproblem hatten. Erst mit der Rückkehr von Alin Goia (1,94 Gegentore im Schnitt) kehrte Stabilität ein, die Joey Brenner (2,67), der junge Thomas Wimmer (3,25) und Stefan Schönberger (4,25) nicht geben konnten.

Dass es im Kader zudem immer wieder brannte, darauf deuten auch die Abgänge von Julian Höllen (während der Vorbereitung), Danijel Majdancevic (im Herbst) und Armin Majanovic (im Frühjahr) während der laufenden Spielzeit hin.

Gab es einen Knackpunkt in der Saison?

Ja, gleich der Frühjahrsauftakt vor heimischer Kulisse gegen den SC Eltersdorf. Gegen den direkten Konkurrenten führten die frisch mit den drei Hachingern Julien Richter, Stephan Mensah und Dominik Bacher verstärkten Sechziger zur Halbzeitpause mit 3:1 und verloren am Ende durch einen Gegentreffer in der Nachspielzeit mit 3:4. „Da ist mit uns allen irgendwas passiert, davon haben wir uns nicht mehr erholt.“

Wie steht es um die Finanzen?

Ein Etat von über 700000 Euro, abspringende Sponsoren, Zahlungsrückstände von mehreren Monaten und Spielerklagen via Anwalt – die Gerüchteküche brodelte in den letzten Wochen gewaltig. Zumal es noch keine zehn Jahre her ist, dass die Stadt Rosenheim mit Grundstückskäufen einspringen musste, um den Schuldenstand beim TSV 1860 zu bereinigen. Ein heikles Thema also. „Wir haben ein Liquiditätsproblem“, erklärt Abteilungsleiter Alexander Neiser, blickt aber zugleich nach vorne: „Wir können zum 30. Juni unser Wort halten.“ Dass Anwaltsschreiben bei den Rosenheimern eingetroffen sind, bestätigte der Abteilungsleiter, allerdings seien dies keine Klagen. „Das ist ein reines Informationsschreiben, was die Verjährung betrifft.“

Bleibt Trainer Florian Heller?

Dass der ursprüngliche Drei-Jahres-Vertrag reduziert wurde, hat Heller der OVB-Sportredaktion bestätigt. Klar ist aber auch, dass er weiterhin 1860-Trainer bleiben soll. Was auch der Wunsch von Hans Kroneck ist: „Flo ist ein bodenständiger Mensch, der unser Konzept verinnerlicht hat.“ Der Schachzug, Heller in den letzten Spielen als Trainer der A-Jugend einzusetzen, ist hingegen misslungen. Die U19 der Sechziger muss aus der Bayernliga absteigen.

Wie geht es mit der Kooperation weiter?

Seit drei Jahren besteht die Kooperation mit der SpVgg Unterhaching, am 30. Juni läuft der Vertrag aus. „Wir sind in regem Austausch“, sagt Kroneck. Auch Neiser erklärt: „Wir würden gerne verlängern.“ Im Gespräch ist eine weitere Vereinbarung über drei Jahre, nachdem auch Unterhaching die Verbindung fortsetzen will.

Wie sieht die Zukunft aus?

„Da wir eine Top-Jugendarbeit haben, werden wir – was die Spieler betrifft – keine Probleme haben“, sagt Abteilungsleiter Neiser. Wichtig sei aber auch der wirtschaftliche Standpunkt: „Es werden keine Sachen mehr gemacht, die uns Probleme bereiten.“ Auch Kroneck betont: „Wir müssen uns aufgrund der fehlenden Infrastruktur und der finanziellen Möglichkeiten erst einmal konsolidieren und die nächsten zwei, drei Jahre mehr in die Juniorenausbildung investieren. Es darf aber auch nicht passieren, dass wir in der Bayernliga hinten spielen – das darf man nicht unterschätzen.“

Dies war beim Abstieg 2014 der Fall. Anders als damals soll es diesmal keine Spielerflucht geben. „Es ist nicht so, dass wir auseinanderbrechen“, sagt Kroneck und verweist darauf, dass viele Spieler – unter anderem Kapitän Christoph Wallner, Linor Shabani und Sascha Marinkovic – auch in der kommenden Spielzeit noch unter Vertrag stehen. „Wir haben aber aus dieser Phase gelernt und werden uns vielleicht auch von Spielern verabschieden, die noch Verträge haben“, sagt Kroneck.

Richter und Bacher gehen zurück

Sicher ist, dass die Leihspieler Julien Richter und Dominik Bacher wieder nach Unterhaching gehen, die Verträge von Tormann Alin Goia, Stephan Mensah, Christoph Fenninger, Laurin Demolli, Thomas Steinherr und Sam Zander laufen aus. Zander will in der Regionalliga bleiben, Steinherr wird mit Landesligist Traunstein in Verbindung gebracht. Mit Goia, Demolli und Fenninger sollen die Sechziger-Verantwortlichen in Gesprächen stehen.