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Die Philosophie war immer eine gute Jugendarbeit

„1860 Rosenheim – die Talentschmiede mit Herz“: Fußball-Regionalligist gibt Nachwuchs eine Chance

Markus Sattelberger ist einer der wenigen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, die den Sprung ins Regionalligateam geschafft haben.
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Markus Sattelberger ist einer der wenigen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, die den Sprung ins Regionalligateam geschafft haben.
  • Hans-Jürgen Ziegler
    vonHans-Jürgen Ziegler
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Der Fußball-Regionalligist 1860 Rosenheim will und wird dem eigenen Nachwuchs eine Chance geben – auch aus wirtschaftlichen, vor allem aber aus sportlichen Gründen. Die Rosenheimer haben in den letzten Jahren viel Herzblut in die Nachwuchsarbeit investiert – das soll sich jetzt auszahlen.

Rosenheim – „Uns ist natürlich bewusst, dass jetzt die schwierigste Aufgabe der letzten Jahre vor 1860 Rosenheim steht. Aber was bringt es uns, wenn der Verein weiter so vor sich hin dümpelt. Wir haben in den letzten vier Jahren, egal wie die Spieler hießen, gegen den Abstieg gespielt, unsere eigenen Nachwuchsspieler gingen zu anderen Vereinen und selbst hatte man einen hohen Kostenfaktor. Jetzt bietet sich, vielleicht auch durch Corona, die beste Chance einen nachhaltigen Weg für den Verein aufzubauen“, sagt der Sportliche Leiter Hans Kroneck über den Re-Start, den der Fußball-Regionalligist 1860 Rosenheim für sich beschlossen hat.

Hans Kroneck: „Es geht nicht um Namen, sondern um 1860 Rosenheim

Kroneck selbst konnte sich so, wie es in den letzten Jahren gelaufen ist, nicht mehr mit der ganzen Geschichte identifizieren: „Das habe ich auch zur neuen Abteilungsleitung gesagt. Wir müssen einen neuen Weg gehen und da geht es nicht um Neiser, Kaya, Teschner oder Kroneck, sondern da geht es um 1860 Rosenheim.“

Viel Herzblut in die Jugendarbeit gesteckt

Die Sechziger wollen und werden dem eigenen Nachwuchs eine Chance geben – auch aus wirtschaftlichen, vor allem aber aus sportlichen Gründen. Die Rosenheimer haben in den letzten Jahren viel Geld und Herzblut in die Nachwuchsarbeit investiert und das soll sich jetzt auch im Herrenbereich auszahlen. „In der Jugend spielen wir mit den Leistungsmannschaften U15, U17 und U19 alle in der Bayernliga und haben als Aufsteiger jeweils einen guten Tabellenplatz erreicht.

Mehr zum Fußball-Regionalligisten gibt es in unserem Dossier zum TSV 1860 Rosenheim

Das ist wirklich etwas Hervorragendes entstanden“, sagt Hans Kroneck mit Stolz, blickt aber auch kritisch zurück: „Eine gute Jugendarbeit ist auch immer ein wirtschaftliches Investment und wir haben es in der Zeit, seit ich da bin, nicht geschafft, unsere eigenen Talente im Herrenbereich zu integrieren. Natürlich hat es Ausnahmen gegeben, aber in der Masse haben uns in den letzten fünf, sechs Jahren sehr viele und sehr gute Talente mit einem kompletten Sechziger-Herz verlassen.“

Aufstieg für Talente nicht förderlich

Um die eigenen Talente einzubauen, war der Aufstieg in die Regionalliga nicht unbedingt förderlich. Die Erwartungen im Umfeld von 1860 Rosenheim waren hoch, der Druck war noch höher und und da sind junge Spieler vielleicht auch zu unerfahren. „Außerdem haben unsere Nachwuchsspieler auch nicht das Standing bei den verschiedenen Trainern gehabt“, erklärt Kroneck, der die Richtung für den Re-Start und für die kommenden Jahre mit einem Slogan vorgibt: „1860 Rosenheim – Talentschmiede mit Herz.“

Hans Kroneck, Sportlicher Leiter des Regionalligisten 1860 Rosenheim.

Das soll bei den Sechzigern nicht nur auf die Tafel geschrieben sein, „sondern das ist fest bei uns verankert. Die Philosophie von 1860 Rosenheim war immer eine gute Jugendarbeit und so etwas gehört weitergeführt und muss sogar ausgebaut werden“, fordert Kroneck, der fragt: „Auf welchem Blatt ist geschrieben, dass 1860 Rosenheim unbedingt Regionalliga spielen muss? Ich hab das Blatt jedenfalls noch nicht gefunden“.

die Regionalliga hatte für 1860 Rosenheim nicht nur positive Aspekte

Natürlich ist die Regionalliga eine attraktive Klasse, aber die Regionalliga hatte für 1860 Rosenheim nicht nur positive Aspekte. Irgendwann standen zu viele Spieler im Kader, die nur auf sich schauten und nicht auf 1860 Rosenheim. „Wir boten den Spielern die Plattform, sich zu zeigen, und die Kosten sind gestiegen.

Wir sind mit einer demütigen Mannschaft, die 1860 Rosenheim im Herzen getragen hat, aufgestiegen und zwei Jahre später war das alles vorbei. Danach war es teilweise so, dass die Spieler uns diktiert haben. Wir dachten, wenn die Spieler gehen, steigen wir ab.“ Jetzt ist es laut Kroneck so, dass es für die Sechziger kein Beinbruch wäre, „sollten wir irgendwann aus der Regionalliga absteigen“.

Natürlich werden die Sechziger-Verantwortlichen alles versuchen die Regionalliga zu halten, aber nicht mehr um jeden Preis. „Wir wollen unsere jungen Talenten fördern und dafür haben wir mit Florian Heller auch den richtigen Trainer, der viele Spieler aus dem Nachwuchs kennt und selbst trainiert hat“, weiß Kroneck.

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Die jungen Talente gehören auf den Platz

Für die Sechziger geht es nicht mehr vorrangig darum, ein weiteres Jahr Regionalliga zu spielen, sondern es geht darum den Verein nachhaltig zu sichern – wirtschaftlich wie sportlich. „Wir müssen versuchen die jungen Burschen, die mit Herzblut bei dem Verein sind auf dem Platz zu bringen.“

Als Hans Kroneck am 1. Juli 2015 angefangen hat, war die Jugendarbeit kaputt. „Wir sind nur noch abgestiegen, die Trainer haben aufeinander geschimpft, die Eltern waren unzufrieden. Es war ein Chaos. Wir haben damals ein Jugendkonzept gehabt, das für 1860 nicht umzusetzen war. Das war ein Konzept für einen Proficlub“, erinnert sich Hans Kroneck, der dann ein neues, ganz einfaches Jugendkonzept geschrieben hat: „Es ging um Werte, um Nachhaltigkeit, wir mussten das Vertrauen der Eltern, die ihre Kinder in unsere Hände geben, zurückgewinnen.“

„Andi Kubik ist ein Glücksgriff für 1860“

Und dann gelang Kroneck ein Glücksgriff. Er holte Andi Kubik zu 1860 Rosenheim: „Ich habe erfahren, dass Kubik bei Eiselfing frei geworden ist. Wir haben uns getroffen, er fand das Konzept sehr gut und wir einigten uns auf eine Zusammenarbeit. Der Andi Kubik war und ist für die Sechziger-Jugendarbeit ein Sechser im Lotto. Neben seinem Fußballwissen ist er ein riesengroßes Organisationstalent und bildet mit dem Trainerteam eine Einheit, in die auch die Eltern eingebunden sind.“

Junge Spieler langfristig an den Verein gebunden

Jetzt haben die Sechziger wieder einen gewissen Standard erreicht und den gilt es erst einmal zu sichern. „Das ist enorm wichtig auch für die Durchlässigkeit in den Herrenbereich, damit die Jungs möglichst früh auf den jeweils höheren Standard vorbereitet sind. Das war auch lange das Problem, dass wir kaum Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in die ersten Mannschaft integrieren konnten, weil wir zu diesem Zeitpunkt maximal in der Bezirksoberliga spielten und da der Unterschied zur Regionalliga einfach riesengroß ist“, erklärt Kroneck.

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Das hat sich geändert. Einmal durch die Ligen-Zugehörigkeit und dem dadurch höheren Niveau und weil die Sechziger sich entschlossen haben den neuen Weg zu gehen. „Auch wenn wir mit der Herrenmannschaft einmal absteigen sollten und im Kader 17 oder 18 Spieler aus Rosenheim und der Region kommen, kann man meiner Meinung nach in der Bayernliga an der Spitze mitspielen und die Rückkehr in die Regionalliga schaffen“, ist sich Kroneck sicher.

Auch deshalb weil er junge Spieler längerfristig an den Verein bindet. „Mindestens drei Jahre. Alles andere kommt für uns nicht in Frage. Sollte ein Spieler oder dessen Berater sagen, einen Drei-Jahres-Vertrag unterschreibe ich nicht, dann sind wir für diesen Spieler der falsche Verein“, wird Kroneck deutlich.

„Wir geben dem Spieler eine Sicherheit“

Rosenheims Sportlicher Leiter will, dass die jungen Spieler einen Teil der Sechziger-Philosophie mitgehen und die Zeit haben, sich zu entwickeln. „Wir geben dem Spieler eine Sicherheit, auch wenn er im ersten Jahr nicht gleich einschlägt, dass er sich drei Jahre entwickeln und zeigen kann – wenn er will.

Sollte ein Spieler durch die Decke schießen und ein anderer Verein kommen, dann wird es immer eine Lösung geben. Dann wollen wir aber auch eine Ausbildungsentschädigung und nicht mit dem Ofenrohr ins Gebirge schauen. Es muss fair für den Spieler und für den Verein sein. Schließlich hat die Ausbildung im Jugendbereich eine Menge Geld gekostet“, erklärt Kroneck.

Verträge unabhängig von der Liga

1860 Rosenheim hat übrigens alle aktuellen Kaderspieler für die neue Saison ligen-unabhängig unter Vertrag. „Wenn man irgendwann mal absteigt und 18 Söldner sind plötzlich weg, kann der Verein auseinanderbrechen. Da steige ich lieber mit einer leidenschaftlichen Truppe ab, mit der es sportlich einfach in dieser Liga nicht gereicht hat und hab dann in der Bayernliga wieder das gemeinsame Ziel aufzusteigen“, blickt Kroneck in die Zukunft und sagt abschließend: „Wichtig ist, dass das gesamte Team um die Mannschaft herum, die Vorstandschaft und auch unsere Partner hinter unserem Weg stehen. Auch wenn es einmal eng werden sollte“.

Vor den Sechzigern steht definitiv eine schwierige Zeit, vielleicht aber auch die spannendsten und richtungsweisendsten Jahre.

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