100 Jahre Skiclub Ruhpolding: Als beim Biathlon noch auf Luftballons geschossen wurde

Das Zirmberg-Springen 1963 um die Deutsche Meisterschaft vor tausenden Zuschauern.
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Das Zirmberg-Springen 1963 um die Deutsche Meisterschaft vor tausenden Zuschauern.

Sein 100-jähriges Gründungsjubiläum feiert der SC Ruhpolding am Mittwoch, 19. August im Hotel Wittelsbach. Genau dort ist der Skiclub am 19. August 1920 gegründet worden. Aus der geplanten großen Feier ist wegen der Corona-Pandemie ein kleines Fest mit 50 geladenen Gästen geworden.

Von Siegi Huber

Ruhpolding – Heute ist der Skiclub Ruhpolding, der am Mittwoch, 19. August sein 100-jähriges Gründungsjubiläum feiert, weltbekannt wegen des Biathlon-Weltcups. Lange Zeit sind aber Ski-Alpin, Langlauf und Skispringen die Kernsportarten gewesen. Hans Reuther war der erste Vorsitzende des SCR, elf Gründungsmitglieder sind es damals im Hotel Wittelsbach gewesen. Erste Wettkämpfe fanden zwei Jahre später statt und der legendäre Sportwart Toni Plenk nahm den Bau der ersten Sprungschanze am Adlerhügel in Angriff. Sprünge bis 50 Meter waren dort möglich und der Toni Plenk blieb dem Verein 40 Jahre als Sportwart treu.

Toni Zeller, Hans Speckbacher und Sepp Schreiner bei den Olympischen Winterspielen 1936

Toni Zeller, Hans Speckbacher und Sepp Schreiner nahmen an den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen teil. Danach sorgte der zweite Weltkrieg für eine Unterbrechung der sportlichen Aktivitäten. Der Neustart erwies sich als schwierig, doch bereits 1949 wurde eine alpine Abfahrtsstrecke am Unternberg errichtet. Die drei Kilometer lange Piste bot den Aktiven des SC Ruhpolding beste Trainingsbedingungen und Urlaubern ein anspruchsvolles Gelände. 1955 wurde auf Vorschlag von Sportwart Toni Plenk der Rauschberglauf ins Leben gerufen. Der Wettkampf war eine Verbindung zwischen Ski-Langlauf, Ski-Berglauf und alpinen Skilauf.

Eine neue Ära im Skispringen begann

1962 begann mit der Fertigstellung der Sprungschanze am Zirmberg eine neue Ära im Skispringen beim Skiclub. Tausende Zuschauer kamen zu den Deutschen Meisterschaften 1963 und bewunderten die damaligen Könige der Lüfte. Im Winter 63/64 war es ein gewisser Helmut Wegscheider vom SC Hammer der den Schanzenrekord auf 101 Meter schraubte.

Als ein wahrer Magnet erwies sich schließlich der Silvesterlauf der 1966 eigentlich als Volksski-Wanderung gedacht war. Bis 1986 nutzten Spitzensportler diesen Wettbewerb und die Teilnehmerzahl wuchs bis auf zu 1200 Langläufer an. Biathlon geriet zum ersten Mal 1968 in den Fokus als der unvergessene Theo Merkel an den Olympischen Spielen in Grenoble an den Start ging.

Der Bau der Biathlonanlage Ende der 60er-Jahre

Ende der 60er Jahre begannen die Planungen für ein Trainingszentrum für Biathlon am Zirmberg. Geschossen wurde in der Nähe der Fuchsau, noch mit Großkaliber und teilweise auf Luftballons. Mitte der 70er Jahre begann der Bau der Biathlonanlage am Zirmberg. Erste Rodungsarbeiten ließen auch junge Sportler wie Peter Angerer und Herbert Fritzenwenger zu Axt und Säge greifen. 1978 begann die damals unglaubliche Entwicklung des Biathlonsports in Ruhpolding mit dem ersten Weltcup und ein Jahr war die Gemeinde Ausrichter der Biathlon-Weltmeisterschaft.

Doch auch die Alpinen blieben in dieser Zeit nicht untätig. 1983 bekam Ruhpolding den Zuspruch für einen Weltcupslalom auf der Strecke am Weingarten. Leider verhinderte Tauwetter und Regen die Durchführung des Rennens. Im Biathlon ging die märchenhafte Entwicklung weiter. 1984 bei den Spielen in Sarajevo schlug die Stunde von Peter Anger vom SC Hammer, der allerdings durch das stetige Training in Ruhpolding zum Weltklassesportler reifte. Mit Bronze konnten sich in der Staffel die Ruhpoldinger Fritz Fischer und Walter Pichler dekorieren, sie liefen zusammen mit Ernst Reiter und Peter Angerer zu Edelmetall.

Legendärer Zieleinlauf von Fritz Fischer

1985 war die Anlage am Zirmberg erneut Schauplatz einer Weltmeisterschaft zu der insgesamt 30.000 Zuschauer kamen. Sie durften eine Bronzemedaille in der Staffel mit Fritz Fischer, Walter Pichler und Herbert Fritzenwenger sowie Peter Angerer bejubeln. Unvergessen war bei den Olympischen Spielen 1992 in Albertville die Goldmedaille in der Staffel als Fritz Fischer mit der deutschen Fahne als Sieger ins Ziel gelaufen kam. Mit dabei in diesem Quartett war auch der junge Ricco Groß, der sich ein Jahr zuvor den SC Ruhpolding angeschlossen hatte. Groß wurde in der Folge viermal Olympiasieger und neunmal Weltmeister und wurde damit zum erfolgreichsten Sportler des Skiclubs.

Stadion auf den modernsten Stand gebracht

Für die dritte Biathlon-Weltmeisterschaft 1996 wurde das Biathlonstadion auf den modernsten Stand gebracht. Mit insgesamt 50000 Zuschauern gab es ein bisher nie gekanntes Interesse der Fans und auch der Ansturm der Medien zeigte, dass Ruhpolding endgültig zum Mekka des Biathlons wurde. Für die die Weltmeisterschaft 2012 bekam man beim IBU-Kongress in Prag den Zuschlag. Das sorgte bei der Ruhpoldinger Delegation mit Bürgermeister Claus Pichler für große Freude. Waren doch damals als Unterstützer die Sportler Magdalena Neuner und Ricco Groß sowie Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider und Landrat Hermann Steinmaßl in die goldene Stadt mitgereist. Die Weltmeisterschaft vier Jahre später wurde zu den Superlativen und insgesamt 230000 Zuschauer sorgten für neue Maßstäbe.

Olympische Medaillen für Skispringer Andreas Wellinger

Zwei Jahre später war es Skispringer Andreas Wellinger der bei den Olympischen Spielen in Sotschi sich mit Gold im Team dekorierte. Vier Jahre später erreichte er Gold von der Normalschanze sowie Silber von der Großschanze und im Team. Aktuell ist der SC Ruhpolding wie alle anderen Vereine auch von den Hygienemaßnahmen wegen der Corona-Pandemie betroffen. So musste die Sommer-Biathlonweltmeisterschaft für Mitte August abgesagt werden. Für diese will sich die Gemeinde erneut im Jahr 2022 bewerben.

Die WM-Bronze-Staffel 1985 (von links) mit Walter Pichler, Peter Angerer, Fritz Fischer und Herbert Fritzenwenger jun.
Anton Plenk beim Rauschberglauf.

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