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119. Paris-Roubaix

Rekord-Hatz nach Roubaix: „Nicht mal zum Pinkeln angehalten“

Dylan van Baarle
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Triumphator in der „Hölle des Nordens“: Dylan van Baarle.

Die deutschen Top-Fahrer John Degenkolb und Nils Politt verfehlen bei Paris-Roubaix ihre persönlichen Ziele knapp. Am Ende der schnellsten Ausgabe der Geschichte siegt ein Außenseiter-Tipp.

Roubaix - Verschwitzt, verdreckt und am Ende seiner Kräfte ließ sich John Degenkolb auf den Rasen im Herzen des berühmten Velodroms von Roubaix fallen und musste erst einmal kräftig durchpusten.

Am Ende des schnellsten Paris-Roubaix der Geschichte stand für den Sieger von 2015 Platz 18 in der Statistik, was ihn angesichts der chaotischen Hatz über die staubigen Kopfsteinpflasterpisten im Norden Frankreichs milde stimmte. „Ich habe nicht mal zum Pinkeln angehalten. Das war von Anfang bis Ende Vollgas“, sagte der 33 Jahre alte Rad-Profi dem „CyclingMagazine“ und ergänzte: „Ich gebe den Traum nicht auf, hier noch einmal ganz vorn dabei zu sein. Ich liebe dieses Rennen einfach.“

Außenseiter-Tipp van Baarle triumphiert

Ganz vorn war am Ende Dylan van Baarle. Und obwohl der Niederländer bei der Flandern-Rundfahrt bereits auf Platz zwei gefahren war, galt er eher als Außenseiter-Tipp. Letztlich brachte van Baarle bei der mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 45,792 km/h gefahrenen „Hölle des Nordens“ das zu Ende, was sein Team Ineos-Grenadiers schon 209 Kilometer vor dem Ziel initiiert hatte. Dort zerriss die britische Mannschaft das Feld an einer Windkante und hängte zahlreiche Favoriten ab.

Auch Degenkolb fand sich hinten wieder. „Das war ärgerlich. Es hat viel Kraft gekostet, da nicht dabei zu sein. Man konnte nicht viel mehr machen, als die Ruhe zu bewahren. Und das hat natürlich die Helfer aufgeraucht, weil alle fahren mussten“, sagte Degenkolb. Erst nach dem berüchtigten Sektor im Wald von Arenberg gut 90 Kilometer vor dem Ziel fand sich Degenkolb in den vorderen Positionen wieder.

Der Kölner Nils Politt, 2019 Zweiter bei der Königin der Klassiker, war hingegen von Anfang an vorn dabei. „Ich habe mich gut gefühlt und bin aufmerksam gefahren“, gab der 28-Jährige zu Protokoll. „Vor Arenberg bin ich noch mal losgefahren, um dem Stress aus dem Weg zu gehen. Das hat gut geklappt, ich war bei den Favoriten dabei.“

Platz 22 ärgert Politt

Dass er am Ende nur Platz 22 in seinem Palmares stehen hatte, ärgerte Politt. Es zeigt aber auch, dass auf den sich über insgesamt 55 Kilometer streckenden 30 Kopfsteinpflastersektoren jede Position wichtig ist. „Als Wout van Aert losgefahren ist, hat Greg van Avermaet eine Lücke gelassen und die Gruppe war weg. Zwei Positionen weiter vorn und ich wäre dabei gewesen. Meine Beine waren noch gut. Es ist ärgerlich, ein Rennen so zu verlieren“, sagte Politt.

Als Verlierer fühlte sich am Ende wohl auch der zweitplatzierte van Aert. Kurz nach seiner Corona-Erkrankung inklusive einwöchiger Isolation hatte der belgische Meister vor dem Start noch tiefgestapelt. Im Rennen war er klar der stärkste Fahrer, attackierte immer wieder und schloss Lücken. Den entscheidenden Antritt von van Baarle kurz vor dem brutalen Fünf-Sterne-Sektor Carrefour de l'Arbre verpasste aber auch van Aert.

„Ich konnte es nicht glauben, als ich allein ins Velodrom fuhr. Ich habe geschaut, wo die anderen sind. Aber ich war allein. Das war verrückt“, sagte van Baarle nach dem 254,5 Kilometer langen Ritt. Bei der Auflage 2021 war er noch aus dem Zeitlimit gefallen, die aktuelle wird er als größten Erfolg seiner Karriere in Erinnerung behalten. Und als noch längst nicht alle Fahrer im Ziel waren, stemmte van Baarle überglücklich den massiven Pflasterstein in die Höhe.

Am Ende waren alle Fahrer wieder gleichauf, egal ob Sieger, Zweiter oder Letzter. Man traf sich wie üblich in den alten Betonduschen im Bauch des Velodroms und wusch sich den Dreck des Sonntags vom Körper. Auch Degenkolb. Der Routinier will sich nun ein wenig erholen und dann bei seinem „Heimrennen“ Frankfurt-Eschborn glänzen. dpa

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