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„Keine schöne Entwicklung“

Radsport-Zukunft: Sehnsucht nach goldener Rad-Generation

Simon Geschke
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Bergspezialist Simon Geschke hat beim Team Cofidis noch ein Jahr Vertrag.

Jan Ullrich löste vor 25 Jahren eine Radsport-Hysterie in Deutschland aus. Nun verabschieden sich die Kinder des Booms nach und nach - und sorgen sich um die Zukunft.

Carcassonne - Marcel Kittel glänzt als TV-Experte beim niederländischen Fernsehen, Tony Martin ist als Fan des Teams Jumbo-Visma an der Strecke und André Greipel schaut sich die Tour de France im Fernsehen an.

Die deutschen Protagonisten des vergangenen Jahrzehnts sind im verdienten Ruhestand - und damit auch die Erfolge.

Bergkönig Simon Geschke und John Degenkolb sind aktuell bei der Frankreich-Rundfahrt die letzten Vertreter der Generation Jan Ullrich, die beim Tour-Sieg vor 25 Jahren gerade kurz vor der Pubertät war und vom Boom in Deutschland profitierte.

Eine goldene Generation ist nicht in Sicht

„Es ist keine schöne Entwicklung. Die letzten Jahre waren wir bei der Tour verwöhnt mit Etappensiegen durch André Greipel oder Marcel Kittel. Das wird die nächsten Jahre deutlich schwerer“, sagt Geschke der dpa, betont aber: „Die Generation nach mir, ist immer noch sehr gut. Es ist auch eine Generation, die vom Boom profitiert hat.“

Maximilian Schachmann, Nils Politt und Lennard Kämna haben allesamt bereits Etappen bei der Tour gewonnen. Georg Zimmermann fährt offensiv und zeigt sich oft in Fluchtgruppen. Die Frage ist: Was kommt danach? Natürlich gibt es Talente wie den neuen U23-Europameister Felix Engelhardt oder den enorm talentierten Marco Brenner. Doch die große Masse, eine goldene Generation, ist nicht in Sicht. „Dieses Jahr sind wir noch neun Fahrer bei der Tour, das wird bestimmt nicht mehr“, meint Geschke.

So wenige Tour-Starter wie in diesem Jahr waren es zuletzt vor 20 Jahren. Die drohende Nachwuchsmisere hat Deutschland keinesfalls exklusiv. Doch Radsport-Nationen wie Belgien, Frankreich oder Italien tun sich leichter, Talente zu finden. Das fängt bei den Nachwuchsrennen an. „Wir haben in Deutschland sehr kleine Starterfelder. Der Pool an Talenten wird immer kleiner. Das fällt uns auf die Füße“, sagt Ralph Denk, Chef des besten deutschen Teams, Bora-hansgrohe. Durch immer umfangreichere Auflagen von Behörden würde Veranstaltern die Lust genommen werden: „Das geht in Belgien oder Italien einfacher. Da merkt man zwei Stunden vor dem Start nicht mal, wenn da gleich ein Rennen stattfindet.“

Nachwuchsrennen fallen in Deutschland weg

Doch nicht nur die deutsche Vorliebe für Vorschriften und Auflagen ist der Grund für wegbrechende Rennen. Die Entwicklung begann bereits früher. „Nach den großen Skandalen sind halt Nachwuchsrennen in Deutschland fast alle weggefallen. Wir haben mit Bora ein World-Tour-Team, was auch sehr international aufgestellt ist. Als deutscher Nachwuchsfahrer ist es super schwer, überhaupt den Sprung ins Profilager zu schaffen“, sagt Geschke. Ein ProConti-Team in der zweiten Liga des Radsports gibt es nicht und den wenigen guten Conti-Teams fehlt die Plattform aufgrund der fehlenden Rennen.

Hinzu kommt die Coronavirus-Pandemie als jüngster Treiber der Nachwuchssorgen. „Wenn man im Jugendbereich zwei Jahre keine Rennen fahren kann, dann verliert man die Lust an dem Sport, wenn man sich nicht messen kann. Das hat dem Sport geschadet, nicht nur dem Radsport“, sagte der deutsche Meister Politt. Der Kölner sieht in diesem Punkt den Verband in der Pflicht: „Ich hoffe natürlich, dass die Lücke geschlossen wird und sich der Verband etwas einfallen lässt. Dann werden wir auch wieder mehr Fahrer bei der Tour haben.“

Zunächst werden die bekannten Gesichter allerdings weniger. Geschke hat noch ein Jahr Vertrag und würde gern im nächsten Jahr den Giro fahren. Degenkolb wird ebenfalls nicht mehr ewig dabei sein. „Wir müssen die jungen Fahrer unterstützen“, sagt der Roubaix-Sieger von 2015. „Wir müssen ihnen Perspektive geben und Vorbild sein. Dann halten sie an ihren Träumen fest.“ Dass aus kleinen Träumen große Siege werden können, haben Degenkolb, Greipel, Martin und Co. gezeigt. dpa

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