Peps Geheimnis, Ulis Freispruch und viel sNOw

Die Satirische Vorschau: Was im Sportjahr 2014 passieren wird Kaum zu glauben: Jupp Heynckes holt das nächste Triple, RTL wird zum Politik-Event-Sender, Vettel feiert Geburt mit Funkspruch

Von Günter Klein

Januar

Mit Spannung erwartet: Robert Lewandowski gibt seinen künftigen Verein bekannt. „Ich bin Borusse mit Leib und Seele und will Borusse bleiben“, sagt er, „doch ich will auch nächstes Jahr sicher in der Champions League spielen.“ Daher soll es im Sommer von Borussia Dortmund (Bundesliga-Vierter) zu Borussia Mönchengladbach (Dritter) gehen.

BVB-Trainer Jürgen Klopp nimmt die Botschaft mit freundlicher Miene hin. Er hat den Winter über wieder was an sich machen lassen. Diesmal keine Haarverpflanzung – sondern: Klopp ließ sich eine Aufzeichnung der Nachspielzeit vom legendären zweiten Champions League-Viertelfinale gegen Malaga vorführen und, als Felipe Santana auf dem Video zum Sieg und Weiterkommen traf, eine Botox-Spritze setzen. Das neue Klopp-Gesicht: nette Grübchen, hochgezogene Mundwinkel, strahlende Augen. „Sollte bis zum Halbfinale halten“, sagt er.

Franck Ribery tritt am 13. Januar hoffnungsvoll zur Kür des Weltfußballers in Zürich an, doch wird nur Dritter. Bayern-Präsident Uli Hoeneß tobt: „In der Schweiz geschehen manchmal Sachen, die sind einfach nur eine Riesensauerei.“

Tennis-Star Novak Djokovic gewinnt die Australian Open – allerdings ohne seinen neuen Trainer Boris Becker. Der nutzt den Australien-Aufenthalt zu einer Teilnahme am RTL-Dschungel-Camp, wo er zu seiner – unangenehmen – Überraschung auf Ex-Frau Barbara trifft und für eine nichtbestandene Dschungelprüfung Schläge kassiert. Dadurch: verletzt.

Februar

Obwohl es in einer subtropischen Klimazone liegt, präsentiert sich Sotschi zu den Olympischen Spielen in winterlichem Kleid. Alles weiß vor Schnee! Wie ist das möglich? Nun, der Schnee wurde gekauft. In Garmisch-Partenkirchen, das nun aber komplett grün ist. Die Alpinen Maria Höfl-Riesch, Felix Neureuther und Fritz Dopfer sowie Biathletin Laura Dahlmeier und Miriam Gössner räumen so viel Edelmetall ab, dass Deutschland im Medaillenspiegel vor Gastgeber Russland landet – denn auf ihrem Schnee haben die Werdenfelser auch im fernen Sotschi Heimvorteil.

Mit einem freudigen Empfang zuhause dürfen sie aber nicht rechnen – im Gegenteil: Während der Spiele bildet sich in Garmisch-Partenkirchen eine Bürgerinitiative gegen den zukünftigen Verkauf von Schnee: sNOw.

Der Hoeneß-Prozess wirft seine Schatten voraus. Für die Presseplätze gehen Akkreditierungsgesuche aus 203 Ländern ein. Hat aber nichts mit der üblichen Bundesliga-Verbreitung zu tun, sondern: Hoeneß hat mit Aktien aus 203 Ländern gehandelt.

März

Großer Polizeieinsatz vor dem Auftakt des Hoeneß-Steuerprozesses. Vor dem Gerichtsgebäude muss die Konfrontation zwischen 1860-Fans, die unter den Klängen des Defiliermarsches aufziehen, und FC-Bayern-Ultras („Club Uli“) unterbunden werden.

Der Prozess geht schnell über die Bühne und endet nicht nur mit einem Freispruch Hoeneß’, sondern einer fetten Steuerrückzahlung. Vor 25 000 Anhängern präsentiert Uli Hoeneß das Schreiben mit dem Urteil auf dem Rathausbalkon. Passend dazu stehen die Bayern auch schon wieder als Deutscher Meister fest.

Lindsey Vonn beendet ihre Ski-Karriere und wird Profi-Golferin. „Erstens geht das auch ohne Kreuzbänder, zweitens reizt es mich, der Beste in der Familie zu sein“, so die bekennend ehrgeizige Tiger-Woods-Freundin.

April

Sebastian Vettel wird Papa, auch im Kreißsaal bleibt der Formel-1-Weltmeister über Funk mit seinem Rennstall verbunden. „Woohoohoo – yeah. Great team effort. Thanks to everybody, good job“, lobt er Ärzte und Hebammen und schiebt noch ein begeistertes „Shake and bake, baby“ nach.

Sensationstransfer im Fußball: Für die festgeschriebene Ablösesumme von 37 Millionen Euro wechselt Mario Götze – von Nike zu Adidas. „Mir gefällt der bequeme weite Schnitt der Adidas-Sachen“, erläutert Götze auf einer Pressekonferenz. Nike kontert mit einer Resteverwertung der Götze-Artikel als „Edition Pummelfee“. Läuft in Dortmund ganz hervorragend.

Mai

Vitali Klitschko ist der neue Präsident der Ukraine. „Statt Gürtel Bruder und ich jetzt sammeln frühere Sowjet-Staaten“, sagt Vitali. Wladimir strebt die Präsidentschaften von Russland, Weißrussland, Kasachstan an. In einem neuen Vertrag mit den Klitschkos erwirbt RTL die Senderechte an den kommenden fünf Wahlen in Osteuropa.

Nachdem der FC Bayern DFB-Pokal und Champions League gewonnen hat und das Triple-Double feiern darf, wird das Geheimnis von Pep Guardiolas Erfolg verraten: Der Spanier hat seinen Spielern Gelassenheit in allen Lebenslagen vermittelt, indem er auf jedem Platz in der Kabine eine Buddha-Figur aufstellen ließ. „Das nenne ich Innovation und über den Tellerrand des Fußballs hinausschauen“, jubiliert Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, „das ist genial, das hat sich noch keiner getraut“. Nur Matthias Sammer ist nicht einverstanden mit Peps Buddhismus: „Wir dürfen bei allem berechtigten Stolz nicht übersehen, dass die Gestalt des Buddha auch für Fehlernährung und Bewegungsmangel steht“, moniert der Sportvorstand. „Buddha isse große große spirituell für meine Spieler“, rechtfertigt sich Guardiola. Und erklärt: „Buddha oder nix.“

Novak Djokovic scheidet bei den French Open in der ersten Runde gegen einen Qualifikanten aus. Dabei hatte Trainer Boris Becker ihm noch geraten: „Hier musst du Gras fressen.“

Kurz vor der Fußball-WM hat Deutschland keinen Mittelstürmer. Doch eine Chance für Stefan Kießling? Bundestrainer Löw wehrt ab: „Das ist eine Phantomdiskussion.“

Juni

Uli Hoeneß ist noch immer verstimmt über die Finalniederlage seiner Basketballer und die Gesänge der Fans von Bamberg: „Nie Deutscher Meister, ihr werdet nie Deutscher Meister.“ Der Präsident macht jetzt ernst, er kauft NHL-Superstar Dirk Nowitzki. Dass ein Basketballer bestverdienender Bayern-Angestellter ist, vergrätzt indes die Fußballer. Doch Hoeneß kann Ribery und Co. beruhigen: „Im Gehalt pro Zentimeter Körpergröße liegt ihr nach wie vor vorn.“

Fußball-WM in Brasilien: Trotz atmosphärischer Störungen – Münchner und Dortmunder Fraktion ziehen im Quartier Campo Bahia zwei Sektoren mit Grenzkontrollen auf – zieht die DFB-Mannschaft überlegen durch die Vorrunde. Gruppengegner USA scheidet trotz der variablen Motivationsreden von Coach Jürgen Klinsmann („Klatscht die Ghanaer an die Wand“ – „Klatscht die Portugiesen an die Wand“ – „Klatscht die Deutschen an die Wand“) punktlos aus.

Juli

WM-Aus im Halbfinale gegen Italien, Abwehrchef Toni Kroos hat Mario Balotelli in den entscheidenden Szenen nicht halten können. Philipp Lahm, der deutsche Mittelstürmer, wird zwar WM-Torschützenkönig, doch seine beiden Kopfballtreffer reichen eben nicht zum Sieg über Italien.

Mit dem Ausscheiden wird Co-Trainer Hansi Flick zum DFB-Sportdirektor und feuert Bundestrainer Jogi Löw. Der hat aber schon einen Anschlussjob. Löw wird vom Campo Bahia übernommen und Animateur für Beachsoccer. „Meine Gäste sollen einen schönen Strandfußball spielen, offensiv, kreativ, nicht mit klassischen deutschen Tugenden.“

Novak Djokovic, in Wimbledon früh gescheitert, trennt sich von Coach Boris Becker, der noch geraten hatte: „Kopf nicht in den Sand stecken.“ Beckers Nachfolger entdeckt er beim Frauen-Finale, das Sabine Lisicki gewinnt. „Den Typen will ich“, deutet Djokovic auf den kleinen blonden Mann, der Lisicki von der Tribüne aus antreibt: Oliver Pocher.

August

DFB-Sportdirektor Hansi Flick auf Bundestrainersuche. Er fühlt bei Jupp Heynckes vor, doch der sagt ab: „Es kann für mich keine Steigerung mehr geben. Ich habe auch 2014 das Triple gewonnen“, verweist er auf seine aktuellen Auszeichnungen Hundehalter des Jahres, Karpfenzüchter des Jahres und Obstbauer des Jahres.

Also bleibt nur ein ausländischer Coach. Flick gelingt es, Jose Mourinho zu verpflichten. Der Portugiese, vom FC Chelsea kommend, nominiert gleich mal alle deutschen Spieler des FC Bayern: „Die sollen ja auch mal ein gutes Training erleben.“

Zweitligist TSV 1860 München wird als sozialster Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet. Begründung der Jury: der souverän-nachsichtige Umgang mit Stürmer Benny Lauth, der seit einem Jahr torlos ist, von seinen Vorgesetzten aber nicht unter Druck gesetzt wird.

September

Die Formel-1-Weltmeisterschaft ist auch schon wieder gelaufen, obwohl Sebastian Vettel nachträglich zwei Siege aberkannt werden, weil er ein Babyphone an Bord hatte. Seitdem hält er eben etwas länger beim Boxenstopp, steigt aus und ruft zuhause an. Reicht trotzdem, um der Schnellste zu sein.

Der EHC Red Bull startet unter dem Namen EHC Wodka Red Bull in die neue Eishockey-Saison – er will die Kernzielgruppe direkt erreichen. Die Mannschaft wird gewaltig umstrukturiert, nachdem sich zehn kanadische Spieler auf einer Trainingslagerreise nach Russland abgesetzt und aus Angst vor Trainer Pierre Pagé um Asyl gebeten haben.

Oktober

Der „FC Bayern Traditional“ führt ohne Punktverlust und Gegentor die Bundesliga an, die Fans liegen dem neuen Cheftrainer Hermann Gerland zu Füßen. Pep Guardiola betreut diese Saison den im Zuge der Internationalisierung der Marke als hundertprozentige Tochter geschaffenen „FC Bayern Munich Global“, der Turniere in China, den USA und der arabischen Welt bestreitet.

Das gefallene Radsport-Idol Lance Armstrong startet eine neue Karriere – im Fernsehen. Erster Gast in der „Lance Armstrong Show“ ist Oprah Winfrey.

Boris Becker kündigt fürs kommende Jahr sein Comeback als aktiver Tennisspieler an: „Als Doppel.“

November

Der Schalker Trainer Jens Keller gewinnt die 2014er-Staffel von „Das Supertalent“. Ist ja auch unglaublich, was für ein Kunststück er beherrscht: „Ich bin jede Woche von Montag bis Freitag tot – und am Samstag lebe ich wieder.“ Mit seinem Charisma überzeugt er die Jury.

In Dortmund ist die Welt nicht mehr so heil wie einst. Erstmals kritisiert der große Boss Hans-Joachim Watzke Trainer Jürgen Klopp: „Wir wollen da kein immer freundliches Schmunzelmonster an der Linie stehen haben, sondern einen Mann mit Kanten, der sich auch mal mit dem vierten Offiziellen anlegt.“

Dezember

Sportlich läuft es für den TSV 1860 nicht schlecht, er steht in der Spitzengruppe der 2. Liga. Doch Investor Hasan Ismaik droht mit Einstellung seiner finanziellen Unterstützung, nachdem er die Facebook-Seite von Gerhard Mayrhofer entdeckt hat. Dort schreibt der Löwen-Präsident über seine Liebe zu Rock’n’Roll und Heavy Metal und dass für diese kernigen Töne auch die Mannschaft stehen solle. „Unmuslimische Musik“, ist Ismaik empört.

In München, Ulm und Nürnberg eröffnet die Investmentbank „Hoeneß & friends“. Einer der ersten Großkunden ist Borussia Dortmund. „Wie sind denn die Zinsen, wenn ich 120 Millionen Euro auf ein Festgeldkonto einzahle?“, fragt BVB-Geschäftsführer Watzke, der nicht weiß wohin mit dem Geld von Real Madrid für die Transfers von Reus, Hummels und Gündogan.

Der Traum von Olympischen Winterspielen in Bayern lebt wieder auf. In Schwaben. Für 2026 bewirbt sich Augsburg (Ice-Cluster) mit Memmingen (Flughafen), Ofterschwang, Oberjoch (Ski alpin), Oberstdorf (Ski nordisch, Biathlon) und den Füssener Königsschlössern (IOC-Unterkunft). Die Augsburger erinnern daran, dass sie 1972 den olympischen Kanuslalom veranstalteten und argumentieren: „Es hätte Charme, der erste Ort zu sein, der nach Sommer- auch Winterspiele ausrichtet.“ Das Konzept steht für Nachhaltigkeit pur. Auf den Bau einer Bob- und Rodelbahn wird verzichtet, „weil da eh die Deutschen gewinnen würden“. Auch Passau und der Bayerische Wald bekunden ihr Olympia-Interesse.

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