DIE BAYERN-FRAUEN BEKOMMEN „ANSCHAUUNGSUNTERRICHT“ – IM NEUEN NACHWUCHSLEISTUNGSZENTRUM WARTET VIEL ARBEIT

Von Paris nach Fröttmaning

Plattgemacht: Katharina Baunach und die Bayern gegen Cristiane (Paris St. Germain). IMAGO
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Plattgemacht: Katharina Baunach und die Bayern gegen Cristiane (Paris St. Germain). IMAGO

VON ANDREAS WERNER. Paris/München – Manchmal kann ein Blick nach unten sogar ganz gut tun.

Als die Bayern-Frauen gestern von Paris nach Hause flogen, segelten sie beim Landeanflug an der Allianz Arena vorbei – und in der Nachbarschaft des Stadions entsteht gerade ein Areal, das für die Zukunft Mut machen sollte. Die Frauen waren beim Rückspiel im Viertelfinale der Champions League bei Paris St. Germain chancenlos, das 0:4 schmerzte. Beim Blick aus dem Fenster sahen sie das neue Nachwuchsleistungszentrum, in das sie im Sommer umziehen werden. Dort wartet viel Arbeit. Aber es soll ein Mosaikstein werden, um die Kluft zu Paris zu schließen.

„Das war für uns Anschauungsunterricht, wir wurden teilweise ja regelrecht vorgeführt“, analysierte Cheftrainer Thomas Wörle bei „Sport1“ ganz offen, „das Niveau war für uns definitiv zu hoch, das war ja heute fast Männerfußball.“ Schon im Hinspiel hatte man gesehen, „dass dieses Paris eine übermächtige Mannschaft ist“. Doch während die Bayern im ersten Duell noch das Glück des Tüchtigen für sich beanspruchen konnten, kamen sie im zweiten Vergleich total unter die Räder.

Sie scheiterten an einem unseligen Mix aus kapitalen Patzern, anfänglichem Nervenflattern und einem überlegenen Gegner. „Wir haben absolut verdient verloren, Paris spielt in einer ganz anderen Liga als wir“, sagte Wörle – und rückte damit auch ins Zentrum der Nachbetrachtung, dass die Münchnerinnen zulegen müssen, wenn sie künftig andere Resultate holen wollen. Man müsse die richtigen Lehren ziehen, forderte Wörle, „wir müssen erkennen, dass wir noch an einigen Schrauben drehen müssen, um irgendwann in der Lage zu sein, gegen so einen Gegner eine richtige Chance zu haben. Es muss sich viel verändern im Verein. So können wir nicht weitermachen.“ Mit den aktuellen Möglichkeiten, das sei „jedem klar, können wir nicht mit den Besten in Europa mithalten“, meinte Wörle.

 Erste Hebel wurden in letzter Zeit schon in Bewegung gesetzt. Es wurde ein neuer Physio angestellt, um die Zahl der Verletzungen zu verringern. In Kristin Demann und Jovana Damnjanovic wurden zudem bereits zwei Neuzugänge verpflichtet, die Talente Sydney Lohmann und Verena Wieder erhielten langfristige Verträge. Wenn die zahlreichen verletzten Stammkräfte zurückkehren, ist die Schlagkraft eine andere. Auf der Kippe stehen Spielerinnen wie Caroline Abbé und Nora Holstad, die ihren Zenit so langsam überschritten haben.

Im Großen und Ganzen ist die Bilanz in der Champions League trotz der Abreibung von Paris positiv. Fünf von sechs Spielen gewannen die Müncherinnen, die nie zuvor bis ins Viertelfinale vorgedrungen waren. „Der Sieg im Hinspiel gegen Paris war das absolute Highlight, vor 7300 Zuschauern“, erinnerte Wörle, „bis dahin hat es meine Mannschaft in diesem Wettbewerb klasse gemacht.“ Paris sei auf jeder Position sehr gut besetzt und auch physisch auf ganz anderem Niveau, so der Coach, „uns wurden klar die Grenzen aufgezeigt“.

„Wir hatten uns mehr erhofft, die Enttäuschung ist riesig“, sagte Nicole Rolser. Es fiel schwer, den Blick nach vorne zu richten. Am Sonntag um 17 Uhr kommt der FC Sand ins Grünwalder Stadion. Ein „ekliger Gegner“, sagte Wörle. Und die Bayern dürfen keine Punkte liegen lassen. Es droht eine Saison ohne Titel, weil nur die ersten Beiden in der Abschlusstabelle nächstes Jahr wieder in der Champions League spielen werden. Da sind die Münchnerinnen aktuell vier Punkte im Hintertreffen. Es könnte sein, dass die Kluft zwischen Paris und Fröttmaning ausgerechnet jetzt weiter anwächst.

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