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„Ohne die Ski-WM hätten wir Probleme“

Der Deutsche Skiverband hofft auf finanzielle Unterstützung des Innenministeriums – Bewerbung für alpine WM 2023 ? Von Jörg Köhle.

München – Der kommende Weltcup-Winter begann im Süden, auf Zypern und Sardinien. Nicht auf Ski, sondern auf dem Rad. Die alpinen Männer um Felix Neureuther starteten ihre Vorbereitung mit einer schweißtreibenden Woche auf Zypern, wo der Deutsche Skiverband dank einer Kooperation mit dem Club Aldiana beste Bedingungen genießt – auch finanziell. Die alpine Frauen-Delegation – jetzt ohne Maria Höfl-Riesch – trat auf der italienischen Insel Sardinien in die Pedale.

Und daheim im Haus des Ski in Planegg, dem Stützpunkt des Verbandes, schwitzen sie schon seit Monaten beim Kampf mit den Finanzen. Alpin-Sportdirektor Wolfgang Maier bezeichnet die Lage als „angespannt“, was durchaus noch gelinde formuliert sein könnte, wenn man manchem Insider glauben darf, und sie könnte sich dramatisch zuspitzen.

Neulich kam es zu einem (Krisen-)Gipfel beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Frankfurt, es ging um finanzielle Unterstützung bei der Förderung der neuen Olympischen Sportarten, die in den Bereich des Skiverbandes fallen, sprich: Skicross, Slopestyle, Skispringen der Frauen. Rund 1,6 Millionen Euro werden benötigt, um diese Sportarten zu bedienen. Der DOSB und das Bundesministerium des Inneren (BMI) haben die Wünsche registriert, wollen aber erst im Laufe des Juni entscheiden. Wenn die neuen Sportarten weiter vom Skiverband versorgt werden müssten, also 1,6 Millionen verschlingen, „dann weht ein heftiger Wind“, fürchtet Maier, dann komme es zu „beachtlichen Einspar-Maßnahmen“ in den zentralen Sparten Biathlon, Ski Alpin, Ski Nordisch, Skisprung.

Schon diese Kernbereiche des Skisports sind immer schwerer finanzierbar, was gerade bei den Alpinen in der Natur der Sache liegt, weil es zur Sommer-Vorbereitung in Argentinien, Chile oder Neuseeland keine (Schnee)-Alternativen gibt, will man international nicht den Anschluss verlieren. Die Nordischen haben es da leichter: Schanzen und Rollerbahnen sind auch im Sommer vorhanden. Skiabfahrten eben nicht.

Der DSV plant derzeit zweigleisig: Mit einem Sparhaushalt, falls die Unterstützung des BMI ausbleibt, mit einem entspannteren, wenn Geld für die neuen Sportarten fließt. „Wenn wir aber immer mehr Geld von den Hauptsportarten abziehen müssen, ist es schwer, das Niveau zu halten“, stellt Maier klar.

Das finanzielle Dilemma begann 2008 durch deutliche Einbußen bei den TV-Einnahmen. Der alte Vertrag aus den goldenen Skispringerzeiten mit Sven Hannawald und Co. spülte 14,7 Millionen Euro in die Kassen, 4,5 Millionen weniger ab 2008. Der Skiverband hat sich davon nie richtig erholt. Ein Insider gibt zu: „Wir haben jahrelang über unsere Verhältnisse gelebt“, auch mit einem zu aufgeblähten Verwaltungsapparat in Planegg.

Ein Strukturwandel im Verband erscheint manchem Beobachter die einzige Möglichkeit, einen großen Knall zu verhindern. Der seit Dezember amtierende neue Präsident Franz Steinle, Richter am Oberlandesgericht in Stuttgart, hält sich stark im Hintergrund. Er ist Jurist, kein Kaufmann. Zahlen überlässt er Generalsekretär Thomas Pfüller und Geschäftsführer Hubert Schwarz. Ein Kenner der Szene, der nicht genannt werden will, formuliert es so: „20 Prozent Schröcksnadel würden dem DSV gut tun“ (Peter Schröcksnadel brachte den ÖSV mit kaufmännischem Geschick in die Idealspur). Oder 20 Prozent Peter Fischer – oder gleich 100? Der Präsident des Skiclubs Garmisch führte die Ski-WM 2011 zu einem beachtlichen finanziellen Gewinn von fünf Millionen Euro (nach Steuern) für den Deutschen Skiverband.

Natürlich war der vergangene Winter eine Vollkatastrophe für den DSV: Zwei ausgefallene Weltcup-Wochenenden in Garmisch-Partenkirchen, kein Parallel-Slalom in München, kein Skicross-Weltcup. Der Gesamt-Schaden wird auf knapp vier Millionen Euro beziffert. Dem Gerücht, von jenen fünf Millionen von der WM 2011 sei nichts mehr übrig, widerspricht Maier energisch: „Wenn wir diese fünf Millionen nicht mehr hätten, wären Liquiditätsprobleme die Folge. Wir sind aber liquide, haben das Geld also noch!“

Das Geld sei ein Grundstock und immer im Umlauf. Sponsoren wie Audi, Viessmann oder Würth zahlen meist vierteljährlich und leistungsbezogen. Gelegentliche Engpässe seien unvermeidbar, um ca. eine Million Euro im Monat für Lehrgangsmaßnahmen und Gehältern von 150 Trainern in allen Bereichen zu stemmen. Gerade im November und Dezember kann es passieren, dass die Liquidität vorübergehend über Kreditlinien gewährleistet werden muss.

Wenn der Gewinn einer alpinen WM das Überleben sichert – müssten dann nicht alle Anstrengungen unternommen werden, ein solches Ereignis bald zu wiederholen? Beim FIS-Kongress ab Sonntag in Barcelona hofft Oberstdorf im dritten Anlauf auf den Zuschlag für die Nordische WM 2019. Allerdings: Die letzte nordische WM im Allgäu (2005) brachte zwar weltweite Sympathiepunkte, nur keinen finanziellen Gewinn.

Also wieder Garmisch-Partenkirchen? Fischer, WM-Chef vor vier Jahren, sähe realistische Chancen für 2023. Denn 2015 heißt der WM-Gastgeber Vail (USA), 2017 dann St. Moritz, für 2019 bewerben sich Are (Schweden) und Cortina d’Ampezzo (Italien). Der Verlierer von den zweien dürfte 2021 den Zuschlag bekommen. Trotzdem sollte sich Garmisch-Partenkirchen schon mal in Stellung bringen, um seine Chancen für 2023 zu erhöhen.

Eine Bewerbung des DSV müsste im Jahr 2016 erfolgen. „Natürlich unterstützt der Skiverband eine mögliche Bewerbung“, sagt Maier. Zwölf Jahre lägen dann zwischen den alpinen Großereignissen. „Wirtschaftlich wäre das sinnvoll“, meint Peter Fischer, denn die vorhandene Infrastruktur mit Rennstrecken und Seilbahnen „müssten nur modifiziert werden, nicht komplett saniert.“

Bis es wieder WM-Flocken in die Verbandskassen schneien könnte, heißt es, den Skianzug enger zu schnallen. Was in erster Linie bei der Förderung von Athleten passiert. Die lange verletzte Susanne Riesch muss kommende Woche bei einem Leistungstest den Nachweis erbringen, warum eine Unterstützung noch Sinn macht. „Wenn wir für Suse die Infrastruktur aufrecht erhalten sollen, dann erwarten wir uns auch adäquate sportliche Leistungen“, sagt Wolfgang Maier.

Was den Alpin-Etat des Verbandes neuerdings zusätzlich belastet: Im Damen-Rennsport haben alle Skifirmen außer Völkl und Stöckli ihre Serviceleute abgezogen. Nur Viktoria Rebensburg bekommt von der Schweizer Firma Stöckli noch einen Material-Mann an die Seite gestellt. Für alle anderen muss der Verband sorgen. Ein Servicemann, rechnet Maier vor, kostet mit allen Ausgaben an die 75 000 Euro pro Jahr. Benötigt werden drei. Auch das noch.

Wenigstens waren die Hotelzimmer beim Radtraining auf Zypern gratis.