Ohne Förderung droht Freeski das Aus

Magere Olympia-Ausbeute: In Sotschi verpasste auch Mitfavoritin Lisa Zimmermann den Einzug ins Finale. Foto: Pixathlon
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Magere Olympia-Ausbeute: In Sotschi verpasste auch Mitfavoritin Lisa Zimmermann den Einzug ins Finale. Foto: Pixathlon

Der DSV will Slopestyle und Halfpipe nur weiter unterstützen, wenn auch Geld von der Öffentlichen Hand kommt. Von Katharina Bromberger.

Garmisch-Partenkirchen – Die Verhandlungen sind gelaufen, jetzt kann der Deutsche Skiverband nur noch warten und hoffen. Dieser Tage, vermutet Sprecher Ralph Eder, gibt das Bayerische Innenministerium bekannt, ob es die neuen Sportarten Freeski, Skicross und Damen-Skisprung weiter fördern wird. Es geht um nicht viel Geld – und nebenbei um die Zukunft von jungen, hoffnungsvollen Sportlern.

Der Deutsche Skiverband ist klamm. Das ist kein Geheimnis. Deshalb macht Sprecher Ralph Eder auch klar: Die Kosten für die jungen, olympischen Sportarten Damen-Skisprung und Skicross wird der DSV weiter übernehmen. Für den Bereich Freeski aber, also Slopestyle und Halfpipe, gäbe es keine verbandsinterne Lösung. Sollte Geld seitens des Ministeriums fließen, wolle man ebenfalls etwas zuschießen. Es gehe hier nicht um den „Riesenposten“, im Gesamtpaket rede man von etwa 1,5 Millionen Euro, die für die Förderung der drei Sportarten eingeplant sind. Knapp die Hälfte benötigt der DSV an Zuwendungen aus öffentlicher Hand, die wiederum Mittel an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) weitergibt.

Dabei hatte Sportdirektor Wolfi Maier noch während der Olympischen Winterspiele in Sotschi die Gesamtförderung von 700 000 Euro für die neuen Olympia-Sportarten als nicht ausreichend kritisiert. Als dann noch eine Kürzung der finanziellen Mittel im Raum stand, drohte er mit dem Aus von Freestyle: „Wenn der DOSB es weiter möchte, soll er es fördern. Wenn er es nicht möchte, dann stellen wir es ein.“

Ausgerechnet Thomas Hlawitschka (27) kann Maiers Aussage nachvollziehen. „Er hat doch zu hundert Prozent Recht“, sagt der Bundestrainer der deutschen Freeski-Nationalmannschaft. Man könne nicht Erfolge fordern, diese aber nicht finanziell fördern wollen. Und ohne Geld bleiben die Erfolge nun einmal aus. „Es sollte auch beachtet werden, dass Freeski starken Zuwachs erfährt, während Alpin seit Jahren rückläufig ist. Man kann es ignorieren oder fördern.“

Ein Jahr vor Olympia wurden die Disziplinen Halfpipe und Slopestyle in den DSV integriert – und eben doch nicht. „Wir wollten die Jungs und Mädels nicht rausreißen aus ihrer Szene und ihrer Kultur, wir wollten ihnen ihre Freiheit lassen“, betont Sprecher Eder. Strukturen aber waren nötig, die Voraussetzung für Sporthilfe und die Teilnahme an Olympia. Hlawitschka ist positiv überrascht, wie frei er und sein Team agieren können. „Die Zusammenarbeit ist super.“

Trotz der gerade erst geschaffenen Strukturen und der kurzen, gezielten Vorbereitung waren die Erwartungen ans Olympiateam hoch. Ein bis zwei Medaillen sollten die Freestyler – Skicross eingeschlossen – holen. Es gab keine einzige. Beim Freeski blieben drei verpassten Finaleinzüge von Mitfavoritin Lisa Zimmermann, Bene Mayr und Sabrina Cakmakli. Und am Ende die Debatte um die Förderung.

Unabhängig davon bereiten sich die drei Olympia-Teilnehmer sowie Sebastian Geiger und Flo Preuß – diese fünf Athleten bilden das Freeski-Nationalteam – längst auf die neue Saison vor, nach Absprache mit dem Bundestrainer überwiegend selbstständig mit Trainingszentrum an der Sportschule in Fürstenfeldbruck. Soeben traf man sich zum Trainingscamp im Raum Innsbruck, Mitte August geht’s nach Neuseeland. Das nächste große Ziel wartet 2015 mit den Weltmeisterschaften. Und darüber hinaus? „Arbeiten wir auf die Olympischen Spiele 2018 hin“, betont Hlawitschka. Dass es nicht weitergehen könnte, ist keine Option.

Er ist wie seine Mitstreiter Tobias Reindl und Teammanager Daniel Schießl nicht beim DSV angestellt. Sie haben mit Freeski Network vor einigen Jahren ein eigenes Unternehmen gegründet, das sich nicht nur um das Freeski-Nationalteam, sondern auch um die Nachwuchsförderung kümmert und Trainingsmöglichkeiten wie den „Prime Park“ am Stubaier Gletscher schafft – Top-Athleten wie Snowboard-Olympiasieger Shaun White gaben sich die Ehre. Vom DSV erhält Freeski Network wiederum den Auftrag fürs Nationalteam.

Ralph Eder ist zuversichtlich, dass das auch so bleibt. „Wir wollen den Stand aufrecht erhalten.“ Nachdem die Gespräche mit Ministerium und DOSB gut gelaufen seien, geht er von einer Förderung in der benötigten Höhe aus. Was passiert, wenn sich die Politiker anders entscheiden? Wäre dies das Ende der jungen Freeskier, so kurz nach ihrem Start? Darauf will Eder keine Antwort geben. „Wir gehen fest davon aus, dass es weitergeht. Und wie es weitergeht, das lassen Sie mal unsere Sorge sein.“

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