Noch nie so wertvoll

Der designierte DOSB-Chef Alfons Hörmann ist sich sicher, dass er einen bestens bestellten Ski-Verband hinterlässt VON ARMIN GIBIS

Eching – Er war der mit Abstand gefragteste Mann. Und das, obwohl sich im Echinger Audi-Zentrum gestern die Stars des deutschen Skisports versammelt hatten. Doch bei der traditionellen Einkleidung des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) konzentrierte sich das mediale Interesse auf den Verbandschef. Auf Alfons Hörmann also. Denn für den Allgäuer war es höchstwahrscheinlich das letzte Mal, dass er sich als DSV-Präsident auf öffentlicher Bühne die Ehre gab. Bekanntlich steht der 53-Jährige vor einem spektakulären Karrieresprung. Hörmann soll DOSB-Präsident werden, also das höchste Amt im deutschen Sport besetzen. „Das war die schwerste Entscheidung in meinem beruflichen und ehrenamtlichen Leben“, sagte er zu seiner Kandidatur.

Hörmann, seit 2005 DSV-Chef, ließ auch anklingen, dass es ihn nicht unbedingt zu dem prominenten Posten gedrängt hat. „Ich fühle mich in der DSV-Familie pudelwohl. Gerade, wenn es gut geht, fällt es schwer zu gehen“, betonte der Unternehmer. Vor drei Wochen sei für ihn eine Kandidatur noch kein Thema gewesen. „Doch dann ging es Schlag auf Schlag. Da entstand eine Druck- und Sogwirkung. Das kam alles sehr überraschend“, erklärte der Verbandschef sein Umdenken. Inzwischen haben alle maßgebenden Gremien des deutschen Sports einmütig zum Ausdruck gebracht, dass Hörmann eine gute Wahl wäre: „Es gibt eine großes Grundvertrauen, das ist toll“, sagte er.

Die Planungen des DSV sehe nun vor, im Falle der zu erwartenden Wahl Hörmanns am 7. Dezember für eine rasche Nachfolge zu sorgen. „Wir werden die Weichen so stellen, dass kein Vakuum oder eine Übergangsphase entsteht“, versicherte der noch amtierende DSV-Boss. Allerdings wird ihn sein Vizepräsident Peter Schlickenrieder (Schliersee), mit dessen Kandidatur spekuliert wurde, nicht beerben. „Wir habe mit ihm im Präsidium darüber gesprochen. Peter Schlickenrieder steht momentan nicht zur Verfügung, weil er als Fernsehexperte und Markenpartner in zahlreichen Engagements so gebunden ist, dass dies für ihn nicht passen würde. Das ist seine ganz nüchterne Selbsterkenntnis. Er weiß, dass er in seiner Konstellation ganz schnell in Gewissenkonflikte kommen würde“, erklärte Hörmann. Schon am 29. Dezember soll in Oberstdorf am Rande des Auftaktspringens der Vierschanzen-Tournee ein neuer DSV-Präsident gekürt werden (ein Name wurde noch nicht genannt). „Beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen wäre dann schon das Team am Start, das die Zukunft des Verbandes gestalten soll“, so der bisherige Frontmann des DSV.

Hörmann nutzte seinen Auftritt in Eching auch zu dem Hinweis, dass er einen kerngesunden Verband hinterlassen würde. „Noch nie war der DSV so wertvoll und stabil aufgestellt“, sagte er – und bezog sich dabei auch ausdrücklich auf die Einschätzung von DSV-Schatzmeister Helmut Schreyer. Zur Festigung der erfreulichen finanziellen Verhältnisse trägt auch die vorzeitige Vertragsverlängerung von zwei wichtigen Sponsoren bei. Wie Hörmann in Eching bekannt gab, haben Audi und Willy Bogner ihre Zusammenarbeit mit dem DSV verbindlich auf 2014 bis 2018 ausgedehnt.

Höchste Ambitionen spiegeln sich auch in den sportlichen Zielen wieder. „Bei den Winterspielen in Russland wollen wir unserem Führungsanspruch als größter und wichtigster Fachverband im deutschen Wintersport gerecht werden“, sagte Hörmann. Er befindet sich damit im Einklang mit DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller. Dieser befand: „Alle Teilmannschaften des DSV sind in der Lage, Medaillen zu gewinnen.“ Die Maßgabe für Sotschi lautet: „15 Medaillen plus.“ Hörmann meint: „Die Messlatte liegt sehr hoch.“ Für seine achtjährige Amtszeit ist das durchaus typisch.

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