FÜR ROGER FEDERER WIEGT DER 18. GRAND-SLAM-TITEL SO SCHWER WIE SEIN ERSTER TRIUMPH IN WIMBLEDON

„Das war nicht nur ein Traum!“

VON DORIS HENKEL. Melbourne – Und, wie war das, hatte er wirklich wie ein Rockstar gefeiert?

Zwölf Stunden nach seiner vollmundigen Ankündigung stand Roger Federer, 35, beim offiziellen Fototermin in einem Park, und man sah ihm nicht an, dass er nur eine Stunde geschlafen hatte; das schwarze Polohemd saß so perfekt wie die Rückhand während des ganzen Turniers und vor allem im Spiel gegen Rafael Nadal. Also, wie feiert ein Rockstar? „Da geht man nicht ins Zimmer, da geht man mit der Tennistasche in einen Club, in eine Bar mit unseren Freunden und Familien. Ich wusste gar nicht, wo es hingeht, es war alles super organisiert von Tony (Godsick, Federers Manager) und Mirka (seiner Frau). Wir hatten einen DJ, und wir konnten sagen, welche Musik wir gerne hätten.“

Nun, es gibt sicher knackigere Details zu Siegerpartys, und selbst Federer gab zu, es habe schon heftigere Feiern in seinem Leben gegeben. Aber der Schweizer hatte sich an diesem Tag eben vor allem darauf konzentriert, seinen 18. Grand Slam-Titel zu gewinnen – und das ist ein Titel, der in seiner Symbolkraft von Melbourne bis nach Basel leuchtet. Auf der persönlichen Ebene ging es nicht unbedingt darum, diesen 18. zu gewinnen, sondern nach den Schwierigkeiten der vergangenen Jahre und der sechsmonatigen Pause überhaupt wieder ein Ding zu drehen. „Es ist schwierig, immer wieder zu sagen, ich kann noch große Titel gewinnen, ich kann das noch! Die Fans, die Medien – niemand hat mir geglaubt.“

In Melbourne erklärte Federer, dieser Sieg bedeute ihm so viel wie der erste in Wimbledon 2003 oder der erste und einzige in Paris 2009. Aber selbst, nachdem er eine Stunde geschlafen hatte, kam ihm die ganze Sache immer noch unwirklich vor. Er ging aus dem Zimmer, stand plötzlich im Flur und dachte: Stimmt, ich hab wirklich gewonnen, das ist nicht nur ein Traum gewesen!

„In der Vergangenheit ist es mir leichter gefallen, das alles zu fassen, diesmal ist es unglaublich. Ich merke auch, es ist viel mehr Aufmerksamkeit da, das ist noch mal pompöser, größer als jemals zuvor.“ Er sagt, es bewege ihn sehr, wie viele Menschen sich mit ihm freuen.

Wie die Sache weitergehen wird? Zwölf Stunden nach dem ersten Sieg gegen Rafael Nadal bei seinem Grand-Slam-Turnier nach zehn Jahren taten ihm alle Knochen weh, auch der Rücken. Das allerdings hatte nicht nur mit den Anstrengungen des Spiels zu tun, sondern mit diversen Tänzen zwischen drei und halb sieben in der Nacht.

Am Abend machte sich die Reisegruppe Federer18 auf den Weg nach Hause. Danach stehen drei Wochen Pause auf dem Programm – die beiden Töchter bestehen darauf, Skifahren zu gehen – , Ende Februar wird man den Meister beim Turnier in Dubai, Anfang März in Indian Wells wiedersehen.

Und generell? Federers langjähriger Coach Severin Lüthi meinte nach dem Finale: „Dieser Sieg hat sicher dazu beigetragen, dass Roger noch länger spielen kann und will.“ Bei der Siegerehrung hatte sich der Schweizer von den Fans mit den Worten „vielleicht bis nächstes Jahr“ verabschiedet, und manche wollten darin eine Andeutung erkennen, dies könne sei letzter Start in Melbourne gewesen sein. Nein, sagte er später dazu, so sei das nicht gemeint gewesen. „Aber du weißt nie genau, wann dein letzter Grand Slam sein wird – vielleicht verletze ich mich ja wieder.“

Im vergangenen Jahr hatte Federer sich in Melbourne beim Einlassen des Badewassers für die Töchter Myla und Charlene so sehr am Knie verletzt, dass die Sache ein paar Wochen danach mit einem Eingriff gerichtet werden musste. Genau wie vor einem Jahr kamen die Töchter auch an diesem letzten Tag in Melbourne vom Pool zurück, als ihr Vater gerade aufgewacht war, aber zum Glück hatten sie diesmal schon unten am Pool geduscht.

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