Nach 79:98-Pleite droht ein früher Urlaub

Finale in weiter Ferne – Nach der Niederlage in Bamberg stehen die Bayern-Basketballer am Sonntag unter Siegzwang Von Patrick Reichelt

Bamberg – Sie sahen in diesen Playoffs schon wie der Meister aus – nun droht den Basketballern des FC Bayern doch das vorzeitige Saisonende. Das Team von Trainer Svetislav Pesic verlor bei den Baskets Bamberg ein tolles Basketballspiel mit 79:98 (52:52). 1:2 also in der Serie nach dem Modus best of five. Nun brauchen die Münchner am Sonntag (18.30 Uhr/Sport1) einen Heimsieg, sonst steht Urlaub statt Finale auf dem Programm. Doch damit will sich zumindest Pesic noch nicht befassen. „Es ist nichts passiert“, sagte er, „wir werden alles tun, um am Sonntag zu gewinnen.“

Nach dem kurzfristigen verletzungsbedingten Ausfall von Kapitän Steffen Hamann (Sprunggelenk) hatte der Bayern-Coach, der nach der von ihm entfachten Schiedsrichterdiskussion zum Ziel einer Bamberger Fankampagne wurde („Heulsuse Pesic“), seine bewährte Startbesetzung auf mehreren Positionen umstellen müssen. Die wesentliche Veränderung: US-Spielmacher Tyrese Rice musste erstmals in diesem Halbfinale von Beginn an ran. Negativ ausgewirkt hat sich das zunächst nicht. Im Gegenteil, vor allem dank einer deutlich verbesserten Defensive, die die am Sonntag noch so unwiderstehlichen Bamberger „Scharfschützen“ im ersten Viertel bei einer überschaubaren Trefferquote von 39 Prozent hielt, hielten die Münchner von Beginn an Schritt. Pesic war begeistert. „Das war eine exzellente Leistung“, schwärmte er.

Doch seine Bayern beweisen: Wir können selbst in der aufgeheizten „Frankenhölle“ auch offensiv. Wobei es zunächst die großen Spieler unter dem Korb und nicht die, im Viertelfinale so dominanten Guards waren, die die Münchner gegen die Bamberger Offensivgewalt im Spiel hielten. Jared Homan (11 Punkte) etwa, und vor allem der offensiv wie defensiv einmal mehr überragende Lawrence Roberts (16 Punkte/7 Rebounds). 52:52 lautete der Zwischenstand zur Pause – da verbeugte sich auch Bambergs Manager Wolfgang Heyder: „Das war das beste Spiel zweier deutscher Mannschaften in diesem Jahr.“

Klar war allerdings: Sollte es am Ende zum ersten Matchball in der Serie reichen, mussten bis zur Schlusssirene alle Mannschaftsteile funktionieren. Zumal Bambergs Distanzwerfer um den famosen Casey Jacobsen (24 Punkte) oder Bostjan Nachbar (18) nach dem Wechsel den Druck erhöhten und der Meister auch das Terrain unter dem eigenen Korb erwartungsgemäß aufmerksamer verteidigte.

Doch es ist wohl genau die Nuance, die den Bayern in dieser zweiten Saison in der deutschen Eliteklasse noch fehlt. Man hat noch nicht die kollektive Konstanz für die volle Distanz von 40 Minuten – diesmal verlor man im Schlussviertel wohl auch kräftebedingt den Faden. „Und wenn gerade dann ein Gegner heiß läuft, dann wirft einen das auch mental zurück“, urteilte Nationalspieler Jan Jagla.

Und die Bayern haben im Gegensatz zum Meister (Gavel, Jacobsen, Nachbar) eben auch nur einen überragenden Individualisten, der gerade unter Druck seine besten Aktionen abzurufen weiß: Tyrese Rice, aber dem seit der 25-Punkte-Gala im ersten Halbfinale aufmerksam bewachten US-Boy (15 Punkte) fehlte am Ende die nötige Luft. Sehr zur Erleichterung für Bambergs Coach Chris Fleming: „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, dass sie ihn in diesen Minuten so vor sich halten konnte.“

Jedenfalls waren das gute Gründe dafür, dass die Bamberger in einem schwungvollen 23:6-Schlussviertel, in dem die Bayern in Chevon Troutman, Robin Benzing und Jared Homan gleich drei Spieler foulbelastet verloren, das Kommando übernahmen. Und sich noch unerwartet deutlich den zweiten Punkt in der Halbfinalserie sicherten.

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