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Tour de France 2021

Radsportteam Bora-hansgrohe aus Raubling: Millionenbudgets und Gehälter der Radprofis

Topstar Peter Sagan (links) aus der Slowakei vom Team Bora-hansgrohe beim Giro d‘Italia.
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Topstar Peter Sagan (links) aus der Slowakei vom Team Bora-hansgrohe beim Giro d‘Italia.
  • Rosi Gantner
    VonRosi Gantner
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Die Dimension eines Profi-Radrennstalls ist mit einem mittelständischen Unternehmen vergleichbar. So auch das Team Bora-hansgrohe mit Sitz in Raubling, das ab Samstag (26. Juni) bei der Tour de France 2021 an den Start geht. Teammanager Ralph Denk gibt einen Einblick in Millionenbudgets und Fahrergehälter.

Raubling – 29 Rennfahrer, an die 70 Mitarbeiter, vom Physiotherapeuten über Mechaniker bis hin zum Koch – und ein Fuhrpark mit Reisebussen, Trucks und zahlreichen Begleitfahrzeugen: Die Dimension eines Profi-Radrennstalls ist mit einem kleinen, mittelständischen Unternehmen vergleichbar. In diesem Fall das Team Bora-hansgrohe mit Sitz in Raubling (Landkreis Rosenheim), das diesen Samstag bei der Tour de France an den Start geht und zu den erstklassigen Mannschaften im Profi-Radsport zählt.

Chef des Unternehmens Bora-hansgrohe Ralph Denk

„Chef“ des Unternehmens ist Ralph Denk, 47, in jungen Jahren selbst Radrennfahrer und seither mit Leidenschaft dem Radsport verbunden. In den 2000er-Jahren mit Amateurmannschaften begonnen, ist Denk seit dem Jahr 2010 mit einem Rennstall im Profiradsport vertreten und seit 2014 bei der Tour de France am Start – dem „größten, jährlich wiederkehrenden Sportereignis“, wie er den Stellenwert der Frankreichrundfahrt unterstreicht.

Start mit einem geringen Etat

Seither hat sich viel getan: der Aufstieg in die erste Liga des Radsports, die so genannte World Tour – und eine Vervielfachung des zur Verfügung stehenden Budgets. „Bei unserer ersten Tour de France wurde unser Etat auf über 6 Millionen Euro geschätzt, doch wir hatten damals nur ein Viertel dessen und sind dennoch in die Top Ten gefahren“, schmunzelt Denk rückblickend.

OVB-PODCAST ZUR TOUR DE FRANCE: Inside Bora-hansgrohe: „Das Finale ist hammerhart - aber wir haben gute Optionen“

Zum aktuellen Budget hält sich der Teammanager bedeckt. Nur so viel: Der Durchschnittsetat eines World-Tour-Teams liegt bei etwa 18,5 Millionen Euro. Ob der Raublinger Rennstall, der sportlich zu den Top-Teams zählt, darüber oder darunter liegt – das wollte Denk nicht kommentieren. Einzig: Man habe das zur Verfügung stehende Budget die letzten Jahre „sehr effektiv“ eingesetzt.

Namensgeber Bora und Hansgrohe

Hauptgeldgeber des Raublinger Rennstalls sind die beiden Namensgeber Bora Lüftungstechnik mit Sitz in Raubling und das Unternehmen Hansgrohe aus Schiltach/Baden-Württemberg, die der Mannschaft, sehr zur Freude von Ralph Denk, auch im schwierigen Corona-Jahr 2020 die Stange gehalten haben. „Ganz im Gegenteil, beide Sponsoren haben uns bereits vergangenes Jahr das weitere Vertrauen ausgesprochen und die Verträge bis 2024 verlängert. Ein starkes Signal, das uns Planungssicherheit bietet.“

Finanzierung eines Radrennstalls

Denn: Die Finanzierung eines Radsportteams steht auf vergleichsweise wenigen Säulen. „Wir haben weder Einnahmen aus Zuschauertickets, noch aus TV-Geldern, auch das Merchandising spielt eine eher untergeordnete Rolle, wie es beispielsweise im Fußball der Fall ist“, erklärt Denk.

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Im Fokus hingegen: die Sponsoren, allen voran die Namensgeber, beschränkt durch das Reglement des Weltradsportverbands UCI auf maximal zwei Stück. „Das ist eine Seltenheit im Sport, dass eine Mannschaft nach den Sponsoren benannt werden kann, was es wiederum sehr attraktiv macht.“

Das ist die Bühne

Hinzu komme der Auftritt auf internationaler Bühne mit Rennen quer über den gesamten Globus von Nordamerika bis China – und der TV-Übertragung des Saisonhighlights, der Tour de France, in rund 190 Länder. Insbesondere durch die Präsenz der Sponsoren auf den Fernsehbildschirmen generierten Top-Teams einen Werbewert von bis zu 500 Millionen Euro im Jahr.

Um das zu ermitteln, säßen Agenturmitarbeiter mit der Stoppuhr vor dem Fernseher und verfolgten die Präsenz – um dann die Reichweite wiederum mit den Kosten eines TV-Werbespots gegenzurechnen. „Das ist unsere Währung“, betont Denk.

Fuhrpark mit Bussen und Trucks

Um den Betrieb mit seinen rund 100 Beschäftigten und den Fuhrpark am Laufen zu halten, kommen weitere „(Geld-)geber“ hinzu: eine Vielzahl an Ausstattern und Ausrüstern, allen voran der Radhersteller, der sich neben der Materialflut von sieben Fahrrädern je Profi plus Spezialmaschinen auch noch monetär am Teametat beteiligt. Knapp 30 Sponsoren zählen zum Pool des Raublinger Rennstalls.

Die Top-Stars der Tour de France verdienen einstellige Millionensummen im Jahr, die Mindestgehälter in der ersten Liga des Radsports liegen bei 55000 Euro – wir haben in unserer Grafik die „Kilometer-Gelder“ verglichen.Klinger

Mit Küchentruck bei der Tour

Eine stattliche Karawane ist denn auch vor wenigen Tagen vom Teamlager in Neubeuern gen Bretagne gezogen, zum Startort der Tour de France in Brest: ein Reisebus, ein Materialtruck mit zwölf Metern Länge, ein Küchentruck mit Sitzgelegenheit für acht Rennfahrer und eine Handvoll Pkw als Begleitfahrzeuge, allesamt mit Funk, TV und allerhand Technik ausgestattet.

Bei all dem handelt es sich um den Standard-Fuhrpark eines Top-Teams bei der Tour de France. Was hinzukommt: Bis auf den Food-Truck sind die Fahrzeuge bei Bora-Hansgrohe gar in dreifacher Ausführung vorhanden – um im Saisonverlauf von Januar bis Oktober jederzeit drei Rennen parallel bestreiten zu können.

So steht es um die Gehälter der Profis

Ein weiterer beträchtlicher Ausgabeposten: die Gehälter der insgesamt 29 unter Vertrag stehenden Rennfahrer – wobei es hier, wie so oft im Sport, deutliche Unterschiede gibt: zum einen die „Geringverdiener“ im Straßenradsport mit dem im Reglement festgelegten Mindestgehalt von 55.000 Euro pro Jahr; zum anderen die Top-Fahrer mit einem Jahresgehalt von teils mehreren Millionen Euro. Das Durchschnittsgehalt eines Straßenprofis in der World-Tour liegt Denk zufolge bei etwa 375.000 Euro.

Ralph Denk, Teammanager.

Wie es allerdings um die Gehälter beispielsweise der beiden von Bora-Hansgrohe verpflichteten Weltstars Peter Sagan und Wilco Keldermann steht, dazu gab sich der Teammanager wortkarg. Details könnten nicht genannt werden, da in den Verträgen Stillschweigen vereinbart sei.

30.000 Kilometer im Sattel

Die rund 30.000 Kilometer, die ein Radprofi pro Jahr im Sattel sitzt, davon allein gut 3400 aktuell durch Frankreich, werden entsprechend höchst unterschiedlich entlohnt. So erhalten Top-Fahrer mit einem Jahresgehalt von 5 Millionen Euro umgerechnet ein „Kilometergeld“ von 167 Euro, während der „Helfer“ oder Neu-Profi mit Mindestgehalt für 1,83 Euro in die Pedale treten muss.

„Geld schießt keine Tore“

Teammanager Ralph Denk sieht im Millionen-Gehalt dennoch keine Sieg-Garantie, auch im Radsport nicht – er umschreibt es vielmehr mit einem Spruch Otto Rehhagels: „Geld schießt keine Tore.“

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