Schmitt vertraut auf Schuster und Schwung

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Martin Schmitt steckt in einem Formtief

Oberstdorf - Martin Schmitt startet ohne klares Ziel in die 59. Vierschanzentournee, dabei geht es beim Grand Slam der Skispringer um seine sportliche Zukunft. Möglicherweise muss er vorzeitig die Koffer packen.

Martin Schmitt muss man derzeit etwas auf die Sprünge helfen. Nicht nur auf der Schanze, auf der seine Leistungen in dieser Saison bestenfalls mäßig waren. Sondern auch, wenn es darum geht, in seine wievielte Vierschanzentournee der Skisprung-Vizeweltmeister startet. „Die 15. ist es schon? Wusste ich nicht. Aber das kommt mit dem Alter“, sagt der 32-Jährige, und ein schelmisches Lächeln zeigt sich in seinem blassen Gesicht.

Martin Schmitt lacht in letzter Zeit selten. Zu groß sind die Probleme mit seinen Sprüngen. Selbst beim Sonderlehrgang im Tournee-Auftaktort Oberstdorf kurz vor Weihnachten waren seine Leistungen laut Bundestrainer Werner Schuster durchwachsen. „Es fehlt daran, dass ich nicht alle Teile für meinen Sprung zusammenbekomme“, beschreibt Schmitt sein Dilemma. Was er kann, weiß er momentan selbst nicht so genau.

Die Tournee geht Schmitt ohne feste Erwartungshaltung an, motiviert ist er allerdings wie eh und je. Er habe noch den gleichen Ehrgeiz wie vor 15 Jahren: „Hätte ich den nicht, wäre ich doch gar nicht mehr hier.“ Sein einstiger Teamkollege Sven Hannwald sieht das anders, er findet, dass Schmitt „den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören schon verpasst“ hat.

Von Aufhören will Martin Schmitt aber ganz und gar nichts wissen, er glaubt, dass er nur seine Motivation in die richtigen Bahnen lenken müsse und sich nicht zu sehr unter Druck setzen dürfe. Den Druck gab es dafür jüngst von Schuster, der öffentlich beklagte, dass ihm seine arrivierten Springer - und an deren Spitze steht Schmitt - nicht mehr richtig zuhören. Das Verhältnis zwischen dem Österreicher und seinem einstigen „Rennpferd“ Schmitt sei etwas angespannt, munkelt man.

So sind beide vor dem Start der Tournee sichtlich bemüht, Einigkeit zu demonstrieren. „Werner und ich gehen den Weg gemeinsam, auch wenn es schwierig ist“, sagt Schmitt: „Aber auf die hohen Berge führt eben kein einfacher Weg, da rutscht man auch schon mal ein paar Meter zurück.“

Schuster vollzog eine Kehrtwendung und lobte seinen einstigen Vorflieger in einem ausdauernden Monolog auf der letzten Pressekonferenz vor Beginn der Tournee. „Dass sich ein Sportler wie Martin noch mal den Herausforderungen stellt, verdient großen Respekt. Er will noch einmal wissen, wie weit es geht, und da muss man weit ausholen“, sagte Schuster.

Um die verzwickte Situation seines Stars zu verdeutlichen, wagte Schuster einen kleinen Exkurs in den Golfsport. Wenn man dort seinen Schwung umstelle, dann treffe man kurzzeitig ja auch nichts mehr. Irgendwann treffe man dann aber besser als je zuvor, man müsse nur durchhalten. Wenn man aufgebe und wieder zum alten Schwung zurückkehre, treffe man nur mittelmäßig. „Martin will aber nicht mittelmäßig treffen. Er will nochmal gut treffen, und irgendwann geht der Knopf auf“, sagte Schuster.

Schmitts alter Weggefährte Hannawald ist da wie schon gesagt etwas skeptischer, hält sich mit guten Ratschlägen aber zurück. „Das Letzte, was er braucht, ist Mitleid. Es muss einfach das grüne Licht da sein, dass er weitermachen will“, sagt Hannawald.   

Den harten Kurs Schusters, der nach den beiden Springen in Deutschland nur die besten Sieben nach Österreich mitnehmen will, hält Hannawald für grundlegend richtig. „Das ist schließlich kein Wunschkonzert. Es bringt nichts, erfahrene Hasen mitzunehmen, wenn sie keine Leistung bringen“, findet Hannwald. Auch er habe sich trotz seiner zahlreichen Siege immer über Leistung durchgeboxt und würde als Trainer genauso entscheiden.

Für Schmitt wäre es laut Hannawald auch eine Art Selbstschutz, sollte er zur Halbzeit der Tournee die Koffer packen müssen: „Wenn Martin in Deutschland Nummer acht ist, was will er dann in Innsbruck und Bischofshofen? Da fliege ich doch lieber raus und gebe mir nicht die Blöße, hinten rumzuspringen.“ Denn irgendwann könnte Martin Schmitt dabei das Lachen komplett vergehen.

sid

Zurück zur Übersicht: Mehr Sport

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare